Der Professor für Eisenbahnwesen an der BTU Cottbus-Senftenberg hat mit seinen Studenten maßgebliche Vorarbeit für die Wiederbelebung von Deutschlands einst reichster Privatbahn geleistet. Die vorgelegte Studie macht deutlich, dass eine Bahn zwischen Finsterwalde und Sallgast nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Tourismus in der Region ankurbeln kann. Das Amt Kleine Elster, die Stadt Finsterwalde und die Gemeinde Lichterfeld-Schacksdorf haben daraufhin ein Gemeinschaftswerk geschmiedet, das jetzt die bevorstehende Landesausstellung in Doberlug, die Sängerstadt und die F 60 auf der Schiene miteinander verbindet. Auf der Sallgaster-Finsterwalder Industrieeisenbahn, wie die "Schipchen" jetzt heißt, setzte sich am Sonntag vor der Kulisse des Besucherbergwerkes und den Augen zahlreicher Besucher erstmals ein Personenzug in Bewegung - zunächst nur mit geladenen Gästen. Zuvor hatten Amtsdirektor Gottfried Richter vom Amt Kleine Elster und die Bürgermeister Jörg Gampe und Ditmar Gurk aus Finsterwalde bzw. Lichterfeld-Schacksdorf den neuen Bahnsteig eröffnet und die Fahrt freigegeben.

18 Kilometer fuhr der moderne Triebwagen über Finsterwalde, wo die vier traditionellen Sänger zustiegen, bis nach Doberlug-Kirchhain, wo Bürgermeister Bodo Broszinski im Gewand König August des Starken den Zug auf dem Bahnhof begrüßte und sich zur Rückfahrt nach Lichterfeld einladen ließ. Zugestiegen waren hier auch die ersten Reisenden aus Berlin. "Wir hatten im Internet von der Bahnfahrt erfahren und wollten bei der Gelegenheit den Stahlriesen kennenlernen", waren Norbert und Ulrike Bücking aus Berlin-Reinickendorf mit ihren drei Kindern voller Vorfreude.

Gänsehaut bekam am Sonntag auch Erhard Görtz aus Finsterwalde. Der 64-Jährige war 1983 der erste Lokführer, der bei der Erschließung des Tagebaues Klettwitz-Nord, wo jetzt der Bergheider See entsteht, auf der Strecke der Schipchenbahn unterwegs war -"und ich habe 1993 die letzte Lok gefahren", erinnert er sich - bevor er am Sonntag an der ersten noch kostenlosen Schnuppertour auf seiner altbekannten Strecke teilnahm.

Vom kommenden Pfingstwochenende an lädt der Finsterwalder Bahnunternehmer Torsten Ratke bis Oktober jeden Sonntag zu Pendeltouren mit der historischen "Ferkeltaxe", wie die Triebwagen einst genannt wurden, weil damals auch Vieh transportiert worden ist, zwischen Doberlug-Kirchhain, Finsterwalde und Lichterfeld ein. Start ist immer um 11 Uhr in Finsterwalde, Abfahrt in Doberlug-Kirchhain 11.20 Uhr und Finsterwalde 11.40 Uhr, Ankunft in Lichterfeld um 12.20 Uhr. Die Rückfahrt erfolgt in Lichterfeld um 15.30 Uhr über Finsterwalde (ab 16.20 Uhr), Doberlug-Kirchhain (ab 16.50 Uhr) und Finsterwalde (an 17 Uhr). Haltepunkte sind außerdem in Massen und Schacksdorf.

Eine Fahrt kostet für Erwachsene für die komplette Strecke zwischen Doberlug-Kirchhain und Lichterfeld sieben Euro, von Finsterwalde nach Lichterfeld vier Euro. Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren zahlen den halben Preis, Kinder unter sechs Jahren fahren kostenlos mit. Die Fahrkarten werden im Zug bezahlt.