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| 18:54 Uhr

Wenn Hilfe im Pflegefall akut notwendig wird
Not-Hilfe bei Wohnungsumbau

Finsterwalde. Trotz plötzlicher Pflegebedürftigkeit in den eigenen vier Wänden bleiben – Was tun, wenn Betroffene mit dem Management überfordert sind? In Elbe-Elster soll Hilfe etabliert werden, die Pionierleistungen der Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft zum Regelangebot macht. Von Gabi Böttcher

Für Eleonore Hopisch aus Schönborn ist es keine Frage: Die Unterstützung, die sie im Jahr 2015 vom Bauunternehmer und Gesundheitsdienstleister Andreas Schumann aus Doberlug-Kirchhain bei behindertengerechten Umbauarbeiten und der Installation eines Treppenliftes erhalten hat, war eine große Hilfe. Vor allem, dass sich Andreas Schumann  nicht nur um das Handwerkliche, sondern auch um das Finanzierungskonzept für den Umbau kümmerte, weiß sie zu schätzen. „Da müsste der Staat tatsächlich mehr tun“, sagt die heute 66-Jährige. Sie kennt auch in  ihrer Bekanntschaft einen aktuellen Fall. Eine kurzfristig eingetretene völlig neue Lebenssituation verlangt in kürzester Zeit Umbauarbeiten im Wohnumfeld. Ihr  inzwischen verstorbener Mann Kurt habe ohne den am Haus angebauten Lift nicht mehr vor die Haustür gekonnt. Und inzwischen nutze sie die praktische Hilfe selbst.

Was Andreas Schumann im Netzwerk der   Gesundheitsdienstleister der Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft seit Jahren  quasi als ein Pionier bewerkstelligt und weit über die Grenzen des Landkreises hinaus nach seinen Erfahrungen befragt wird, entlastet mit der Pflege von Angehörigen geforderte Menschen. Und  das gerade in einer Zeit, wo sie den Kopf voll haben mit der oft unangekündigten neuen Situation der Pflege. Diese in den eigenen vier Wänden bewerkstelligen zu wollen, jedoch überfordert zu sein mit dem Gang durch den Dschungel von Finanzierungsmöglichkeiten.

Andreas Schumann nennt die Investitionsbank  des Landes als wichtigsten Partner, Pflegekasse, Sozialamt und in speziellen Fällen auch Stiftungen können einbezogen werden. Hinzu kommen die Abstimmungen mit verschiedenen Gewerken auf einer Baustelle, die Zusammenarbeit mit  Angehörigen. Ein Aufgabenpaket, das über das eigentliche Baugeschäft deutlich hinausgeht, jedoch für Betroffene  zu einem unüberwindlichen Hindernisparcours werden kann.

Solche Hürden aus dem Weg zu räumen und Menschen dabei zu helfen, trotz Pflegebedürftigkeit in der eigenen Wohnung zu bleiben, sieht Jürgen Brückner, Behindertenbeauftragter des Landreises als ein sehr unterstützenswertes Ziel. Deshalb misst er dem vor wenigen Tagen gestellten  Projektantrag der Lokalen Aktionsgruppe  (LAG) Elbe-Elster zur „Entwicklung eines Regelversorgungsangebotes zur altersfreundlichen Wohnraumanpassung“  „eine sehr hohe Bedeutung“ bei.  Es werde dringend gebraucht, um dem demografischen Wandel mit der zu erwartenden höheren Zahl pflegerischer Akutfälle zu begegnen. „Ich setze eine große Hoffnung in ein solches Regelversorgungsangebot zur Wohnraumanpassung“, unterstreicht Jürgen Jürgen Brückner. Anne-Marie Gundermann, Sozialplanerin in der Kreisverwaltung, ist glücklich, dass sich für den zweifelsfrei vorhandenen Bedarf eine Kooperation zwischen den Landkreisen Elbe-Elster und Nordsachsen gebildet hat.

Im Zusammengehen der LAG Elbe-Elster und Dübener Heide ist die notwendige Basis vorhanden, um jetzt auf Mittel aus dem Leader-Förderprogramm für den ländlichen Raum zu hoffen. In Zeiten übervoller Auftragsbücher von  Handwerkern ein Rundum-Service-Paket zu erwarten, das den Gang durch den Beratungs- und Finanzierungsdschungel beinhaltet – wie von Andreas Schumann und Partnern in der Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft praktiziert –, ist als  Zukunftsmodell auf den Schultern von Handwerkern deplatziert. Andreas Schumann schätzt nüchtern ein, dass es einen enorm großen Zeitaufwand bedeute, je nach Pflegebedürftigkeit und häuslichen Voraussetzungen individuelle  Umbauarbeiten zu planen, in kurzer Zeit die verschiedenen Firmen unter  einen Hut zu bekommen und noch dazu Finanzierungsfragen zu klären. Und zudem damit rechnen zu müssen, am Ende mit Angehörigen über die ermittelten Umbaunotwendigkeiten kein  Einvernehmen  zu erzielen.