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,,Herbstkracher” zündet in Finsterwalde

Anne Richter und Thomas Lauckner haben die Miss- und Mister-Wahl in Finsterwalde gewonnen.
Anne Richter und Thomas Lauckner haben die Miss- und Mister-Wahl in Finsterwalde gewonnen. FOTO: Torsten Pötzsch
Finsterwalde. Was hat der Finsterwalder Markt in diesem Jahr nicht alles schon erleben dürfen. Das Riesenereignis der Sparkasse mit Tausenden Gästen, die Marktschreiertage, das Brauereitreffen, das zweitägige Beachvolleyballturnier. Torsten Pötzsch /

Am Wochenende dann der große "Herbstkracher". Das Zehnjährige wurde drei Tage gefeiert.

Etwas verhalten ging es am Freitag bei miesem Wetter los. Feuerwerk und Lampionumzug hatten nicht den gewünschten Zulauf. Und auch im großen Festzelt blieben viele Biertischgarnituren leer.

Zwei Schläge brauchte Bürgermeister Jörg Gampe, dann war das erste Fass angezapft. Der Tradition verpflichtet, war die Wahl von Miss Dirndl und Mister Lederhose einer der Höhepunkte am Freitag. 25 fesche Damen jeden Alters stellten sich. Bei den Männern waren es deutlich weniger. Einfach war die Wahl nicht, denn jeder hatte sich bei der Kleiderwahl viel Mühe gegeben. Am Ende wurde Anne Richter aus Großthiemig Miss Dirndl. Dagegen gefiel der Finsterwalder Thomas Lauckner den meisten Damen mit seiner Lederhose. Beide waren das erste Mal beim "Herbstkracher".

Thomas Lauckner kreierte gleich mal ein neues Wort, um seiner Freude Ausdruck zu verleihen: "Einfach wunderherrlich!" Anne Richter zollte ihren Mitbewerberinnen großen Respekt: "Ich hätte nie damit gerechnet, heute hier zu gewinnen, denn die Konkurrenz war wirklich groß."

Echte Siegchancen hatte auch Ali Hornung. Die 17-jährige Amerikanerin aus Rhode Island ist seit sieben Monaten zu Gast in Deutschland. Es war ihr erstes Oktoberfest. "So funny, so crazy, I love it!", schwärmte sie. Auf die Idee, das Fest zu besuchen, kam ihre Gastschwester Hanna Goßlau: "Ich wollte ihr einmal ein deutsches Traditionsfest zeigen und habe damit voll ins Schwarze getroffen." Ali Hornung ist begeistert vom Land und den Menschen. Sie möchte nach dem Abitur bald zurückkehren und in Deutschland studieren.

Wer den "Herbstkracher" am Sonnabend besuchen wollte, der musste für einen guten Platz zeitig erscheinen. Das Festzelt war mit mehr als 650 Feierwütigen ausverkauft. Da hatten die Musiker der original bayrischen Partyband "EchtSTARK" ein leichtes Spiel, um für ausgelassene Stimmung zu sorgen. Hier und da ging es auch schon mal über Tische und Bänke. Die meisten Gäste waren "Wiederholungstäter", so wie Uwe und Petra Schadock aus Pießig. "Warum? Na, weil die Stimmung immer einfach super ist", erklärte er. "Wir haben fast keinen ,Herbstkracher' ausgelassen und hoffen natürlich, dass auf die zehn ersten Jahre noch zehn weitere folgen werden." Uwe und Petra Schadock sind in der Sängerstadt keine Unbekannten, immerhin waren sie schon 15-mal Brandenburger Landesmeister in den Standard- und Lateinamerikanischen Tänzen. "Auf alle Fälle wagen wir heute auch ein paar Tänzchen, doch zeigen können wir hier nichts. Dafür ist die Tanzfläche einfach zu klein für uns und permanent voll."

Einer, der seit zehn Jahren immer mehr als 100 Prozent für den "Herbstkracher" gibt, ist sein Erfinder und Cheforganisator, der bekannte Finsterwalder Gastronom Klaus-Dieter Umlauf. Ein Interview war mit ihm unmöglich, denn bei vollem Körpereinsatz versagte dann einfach die Stimme. Stattdessen fasste die gute Seele des Herbstkrachervereins, Carla Ziegner-Zschiedrich, das Hauptanliegen ihrer Mitstreiter zusammen. "Nach dem ,Herbstkracher' ist bei uns schon wieder vor dem ,Herbstkracher', denn die ganzen Vorbereitungen benötigen doch fast ein Jahr. Wir machen das alles, weil uns unsere Stadt am Herzen liegt. Und damit meinen wir alle, große und kleine Finsterwalder, alte und junge. Deshalb stricken wir auch immer ein Programm, von dem alle etwas haben. Wenn dann der Samstag immer ausverkauft ist, ist das für uns einfach top und der Lohn der vielen Mühen. Wir können jetzt schon sagen, dass es im kommenden Jahr einen elften ,Herbstkracher' geben wird. Die Leute geben uns einfach den Mut zum Weitermachen."

Bedenkt man, dass der Verein nur 15 Mitglieder hat, die vielleicht 50 Sponsoren mit in das Boot geholt haben, um den "Kracher" überhaupt erst möglich zu machen, kann man sich in etwa vorstellen, welch enormer Kraftaufwand notwendig ist, um diese Riesensause für die Sängerstadt auf die Beine zu stellen.