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Heinzelmännchen fürs Frühstück

Andreas Richter betreibt in Finsterwalde den "Morgengold Lausitz"-Frühstücksservice.
Andreas Richter betreibt in Finsterwalde den "Morgengold Lausitz"-Frühstücksservice. FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde. Zu einem guten Frühstück gehören frische Brötchen. Doch nicht jeder hat einen Bäcker gleich um die Ecke. Heike Lehmann

Das macht sich das deutschlandweit agierende Franchise-Unternehmen "Morgengold" zunutze. Das könnte eine Geschäftsidee für uns sein, dachten sich Andreas Richter und Ulrich Wackernagel, als im Dezember 2013 der Zeitpunkt für einen beruflichen Neustart gekommen war. "Wir frühstücken selbst gern. Ich bin gelernter Koch, kenne mich mit Lebensmitteln aus und habe noch Betriebswirtschaft studiert", begründet Andreas Richter seinen Schritt in die Selbstständigkeit mit "Morgengold Lausitz". Das Risiko erschien ihm als überschaubar, weil bereits Erfahrungen aus anderen Regionen vorlagen. "Und es ist eine angenehme Dienstleistung", sagt der 38-Jährige.

"Morgengold Lausitz" hat bis heute knapp 700 Kunden überwiegend im Elbe-Elster-Kreis, aber auch in Großräschen, Calau und Schwarzheide gewinnen können. Sie sind 20 bis 80 Jahre alt. Beliefert werden Familien, Mehrgenerationen-Haushalte, Pensionen, Praxen und andere Unternehmen, die Kita in Lauchhammer und und und. "Die Leute gewöhnen sich daran und bestellen regelmäßig", freut sich Andreas Richter.

Die Kundenakquise funktioniert zuallererst über die persönliche Ansprache, wofür sich Richter von Gymnasiasten helfen lässt. Und natürlich über "Kunde wirbt Kunde". Auch online wird geworben. Wirklich wichtig wird das Internet aber für die tägliche Bestellung. "Das passiert fast ausschließlich online über das jeweilige Kundenkonto oder per E-Mail bzw. Fax", erklärt Ulrich Wackernagel. "Am Vortag bis 16 Uhr besteht die Möglichkeit, die Bestellung für den nächsten Tag aufzugeben, freilich auch telefonisch. Da sind wir sehr flexibel", versichert der 68-Jährige. Die Wünsche fürs Wochenende einschließlich Montag müssen freitags vorliegen. Liefergarantie ist montags bis freitags bis 6.30 Uhr und am Wochenende bis 8 bzw. 8.30 Uhr. Die Liefergebühr beträgt 58 Cent pro Tag, am Wochenende 1,10 Euro.

"Morgengold Lausitz" kooperiert ausschließlich mit der Bäckerei Bubner in Doberlug-Kirchhain. Mit sechs Touren - eine siebente wird anvisiert - kommen die Brötchen zum Kunden. Die Fahrer, sie firmieren als Subunternehmer, portionieren die Bestellungen selbst an der Packstraße in der Bäckerei - vor 4 Uhr morgens. Wie von Heinzelmännchen gebracht, wandert die duftende Ware danach in die bereitgestellten Kühlboxen, Gurkentöpfe, Eimer, Plastiktüten oder auf das Fensterbrett der Kunden.

Erfahrungen und Know-how von "Morgengold Lausitz" nutzt jetzt auch die Regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft Elbe-Elster. "Wir bauen einen Lieferdienst für regionale Produkte auf. Er wird Ende des Jahres starten", erklärt Andreas Richter.

Keine Angst vor der Konkurrenz des Internets hat Volkmar Pohl, Inhaber von Pohlrad, einem Fahrradfachgeschäft in Doberlug-Kirchhain. "Zu mir kommen die Leute, die zu schätzen wissen, dass sie anfassen, angucken und ausprobieren können, was sie kaufen wollen", sagt er. Wer auf diesen Service vor Ort keinen Wert legt, der lande - das weiß auch Pohl - bei großen Internetplattformen, die manchmal auch einen Preisvorteil bieten. Aber Volkmar Pohl sagt auch: "Dort bekommt man nicht alles. Spezielle Produkte verschaffen mir einen entsprechenden Vorteil."

Auch im Fleischerhandwerk klopft das Internet längst an die Tür. So ist auf der Homepage der Doberlug-Kirchhainer Fleischerei Röhnert ein Eintrag von 2016 zu finden. Dort heißt es: "Ich wollte mal fragen, wie es mit einem Online Shop aussieht. Dann könnte ich bei euch bestellen und den Bayern mal zeigen, wie gute Wurst schmeckt." Antwort der Fleischerei damals: "Ein Online Shop ist derzeit noch nicht in Planung. Dafür gibt es einen ganzen Katalog (wie das in Deutschland leider üblich ist) an Bestimmungen und Regelungen. Also wenn das so einfach wäre, würde es längst einen geben. So muss man halt versuchen, wenn Besuch kommt, sich ein ‚Ost-Paket' mitbringen zu lassen."

Zum Thema:
Der nächste Teil der RUNDSCHAU-Serie erscheint am kommenden Samstag. Thema: Gibt es sie noch - die guten alten Ganzmacher?