1625 verkaufte Otto (III.) von Dieskau seine Herrschaft und damit auch das Schloss Finsterwalde an den sächsischen Kurfürsten Johann Georg. Damit gehörte es fortan dem Landesherrn und war quasi Staatsbesitz geworden. 1813/14 riss die Niederlage Napoleons auch die sächsische Dynastie in den Strudel des drohenden Untergangs. Das Land wurde von den Truppen der Anti-Napoleon-Koalition besetzt und bis zum Friedensschluss als Generalgouvernement von dem russischen Fürsten Repnin-Wolkonski verwaltet.

Begehrlichkeiten zum sächsischen Besitz

Dem Chef des Hauses Sachsen, König Friedrich August I. (* 1750 † 1827), blieb als Kriegsgefangenem des preußischen Königs im Berliner und später im Schloss Friedrichsfelde lediglich die Hoffnung, wenigstens einen Teil seines Landes behalten zu dürfen. Damit geriet auch das Schloss Finsterwalde in eine problematische Situation und in den Fokus bisher ungeahnter Begehrlichkeiten.

Bittgesuch eines Tuchmachers

Das dokumentiert ein Bittgesuch des Finsterwalder Tuchmachers Johann Samuel Hironimus Seydel vom 30. Juli 1814 an den Fürsten Repnin-Wolkonski: „Ich bin ein Bürger und Tuchmacher allhier zu Finsterwalde und habe seit einigen Jahren bei der Tuchfabrikation und Weberei mich zu Ersparung von Zeit, Kosten und Arbeiten verschiedener Maschinerien zum Theil bei dem Weben der Tücher, als auch bei dem Spinnen der Garne mit vielen Vortheil bedient. Mein einziger Wunsch ist, zum Besten des Landes diese Fabrikation im Großen betreiben und vorzüglich bei dem Scheeren und der Bereitung der Tücher nützliche Maschinen anwenden zu können. Mein Vorhaben ins Werk zu stellen, bin ich außer Stande, weil mein Wohngebäude dazu nicht eingerichtet ist, auch wegen Mangel an Räumen nicht eingerichtet werden kann; überdies auch noch im hiesigen Orte wegen der stattfindenden Bevölkerung kein schickliches Gebäude und kein Platz vorhanden ist, auf welchen die Anlegung des Tuchrahmens angebracht werden könnte. Zur Anlegung einer zu erweiternden Tuchfabrikation ist das an dem hiesigen Vorder-Schloße anstoßende Hinter-Schloß-Gebäude ganz geeignet.“

Gründe für den Verkauf mitgeliefert

Neben dem Argument, lediglich das Beste des Landes im Auge zu haben, lieferte Seydel weitere Gründe, weshalb der Verkauf des Hinterschlosses für den Staat nur Vorteile bringen konnte. Er beschrieb nämlich den Zustand des seit Jahren unbewohnten Gebäudes als baufällig und stark sanierungsbedürftig. Ja, wenn nicht bald etwas unternommen würde, wäre selbst eine Reparatur nicht mehr „anwendbar“. Er selbst wollte sogar deren „nicht geringe Kosten“ tragen. Als Kaufsumme bot er 500 Taler. Jedoch wäre für ihn auch eine Erbpachtregelung denkbar, dafür wollte er 250 Taler Kaution und einen jährlichen Zins von 12 Talern und 12 Groschen zahlen.

Trotz des in dieser Krisenzeit sicherlich verwaltungstechnischen Durcheinanders beschäftigten sich die Dresdner Behörden mit dem Antrag und forderten von den regionalen Beamten in Finsterwalde ein Gutachten über den Zustand des Schlosses und über die Praktikabilität des Seydelschen Vorschlages.

Sieben Gründe für ein Nein

Amtmann Adolph Ferdinand Moritz Ruhland, der maßgeblich das verlangte Dokument erarbeitete, betrachtete den Verkauf des Hinterschlosses sehr skeptisch. Er listete sieben Punkte auf, die gegen die Veräußerung sprachen. Eines seiner Hauptargumente verwies auf die Nutzung des Hinterschlosses als Getreidespeicher, den man nicht entbehren könne. Ein anderes lenkte den Blick auf das Vorderschloss, das von Justiz- und Amtsbehörden belegt war. Er sah es als wahrscheinlich an, dass das Vorderschloss wegen dessen wirklicher Baufälligkeit einmal abgerissen werden müsse und dann das Hinterschloss als deren neuer Dienstsitz gebraucht würde. Und schließlich bestritt er, dass Seydel überhaupt die genannten finanziellen Mittel aufbringen könne.

Auch ohne Verkauf bald neuer Besitzer

So kam es 1814/15 nicht zum Verkauf des Hinterschlosses. Allerdings verblieb es nicht mehr lange in der Reihe der Schlösser des sächsischen Königs, sondern sollte bald einen neuen Besitzer haben.

Hauptquelle: Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Rep 139 c, Nr. 988