Vereinsvorsitzender Manfred Rothe führt die heimatkundlich Interessierten durch das ehemalige Dörfchen Naundorf rund um die jetzt so benannte Gaststätte "Alt Nauendorf".

Zum Glück weiß Manfred Rothe bei der großen Anzahl von Spaziergängern mit Horst Töpritz, Georg Waldau, Jürgen Petrick, Hans-Dieter Unkenstein vom eigenen Verein und Heinz Oette vom Finsterwalder Heimatgeschichtsverein weitere profunde Kenner der Geschichte des heutigen Ortsteiles an seiner Seite, denn der kräftige Wind weht die Worte mitunter schnell vom Munde.

Um 1200 gegründet, was nach Manfred Rothe durch Keramikfunde belegt sei, habe Naundorf bis zur Eingemeindung 1891 in die Stadt Finsterwalde eine wechselvolle eigenständige Geschichte gehabt. Von der traditionsreichen Gaststätte aus führte der Spaziergang im Karree durch die Hainstraße, die Käthe-Kollwitz-Straße und die Schützenstraße bis zur ehemaligen Dorfaue, wie Rothe versichert. Dort, wo heute die Kjellberggebäude stehen und sich der Parkplatz gegenüber von Alt-Nauendorf befindet, habe es einst die Dorfaue mit einem Gemeindebackofen gegeben. Allerdings, so räumt der Heimatforscher ein, sei die Quellenlage zu Naundorf dürftig. Was, so darf der Zuhörer vermuten, auch die Legendenbildung befördert.

Mit der nötigen Phantasie ausgestattet, spazieren die Fußgänger an ehemaligen kleinen Häuschen mit Lehmbewurf, die es nicht mehr gibt, vorbei und halten dort, wo der Geburtstagsgäßchengesangverein um den Zigarrenfabrikanten Hartnick die Finsterwalder Sangestradition ins Leben gerufen haben soll. Das Sängerlieddenkmal von Nachfahrin Evelyn Hartnick vor dem Finsterwalder Sparkassengebäude erinnert daran. Mehrere Zigarrenfabrikanten und allein drei Holzbildhauer habe es noch 1927 hier gegeben, erzählt Manfred Rothe. Dazu Gaststätten und mehrere Bäcker. An der Ecke Hainstraße/Kollwitz-Straße erinnert er an die alte Pumpstation, und er sowie Heinz Oette berichten über das verzweigte und mit der Schacke verbundene Finsterwalder und Naundorfer Grabensystem. Erst 1896 sei in Naundorf eine Kanalisation gelegt worden.

Auf dem Weg zum Schützenhaus zeigen Horst Töpritz ein altes originales Besitzdokument eines Grundstücks von 1821 und Manfred Rothe eine alte karthografische Wiedergabe von Naundorf um 1600 herum. Heinz Oette weiß über die Geschichte fast aller Gebäude Bescheid und hat die Dokumentationen dabei.

Natürlich hören die Teilnehmer auf der kleinen Wanderung etliches über die Geschichte des Schützenhauses, obwohl das schon zu Finsterwalde gehörte, und die Schützen lieber einen Umweg nahmen, als durch Naundorf zu laufen. 1601 erbaut, wurde es ab 1840 zum großen Schützenhaus mit Schießstand, Kegelbahn und später mit etlichen Ausschankmöglichkeiten und gegenüberliegender Freitanzfläche um- und ausgebaut. In der Schützenstraße erfahren die Spaziergänger von der Fahrradfabrik Richter, einer von mehreren, die hier produziert haben.

Zum Schluss spekuliert Manfred Rothe, ob es in Naundorf eine eigene Kirche gegeben habe, was auf entschiedenen Widerspruch von Heinz Oette stößt. Schließlich einigt man sich, "es gibt noch ungelöste Rätsel der Naundorfer Geschichte". Beim anschließenden Kaffeegespräch in der Gaststätte "Alt-Nauendorf", richtig wäre Naundorf, versuchen die Geschichtsfreunde einigen auf die Spur zu kommen.