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| 01:06 Uhr

Hartz-IV-Start gestern „ruhig und sachlich“ verlaufen

Finsterwalde.. Der Start von Hartz IV sei gestern „recht ruhig und sachlich und ohne größere Probleme“ über die Bühne gegangen, stellte gestern Abend Wilhelm Lappe, der Leiter der Finsterwalder Geschäftsstelle für Arbeitslosengeld II, fest. Zwar habe großer Andrang in der Arbeitsagentur geherrscht, „aber nicht wesentlich mehr als sonst an Montagen und nach Feiertagen“ .


Auch das wegen eines Programmierfehlers angekündigte Computer-Chaos habe nur in Ausnahmefällen zu Überweisungsproblemen geführt. Das Geld war pünktlich auf den Konten der Arbeitslosengeld-II-Empfänger, hat gestern auch eine RUNDSCHAU-Umfrage unter etlichen Leserinnen und Lesern bestätigt. Eine Häufung fehlerhaft bearbeiteter Bescheide habe er nicht registrieren können, so Lappe gestern. Den Andrang am ersten Arbeitstag im neuen Jahr begründete er mit „Unklarheiten bei den Bescheiden. Viele haben noch Erklärungsbedarf, das wird wohl in den nächsten Wochen noch so andauern.“
Dennoch hat das neue Jahr für viele Langzeitarbeitslose der Region mit Überraschungen begonnen. Während im ganzen Süden Brandenburgs 16 Prozent der Alg-II-Anträge abgelehnt wurden, liegt die Ablehnerquote im Finsterwalder Altkreis bei immerhin 21,5 Prozent und ist damit die höchste im ganzen Cottbuser Agenturbezirk. Vermutet wird, dass eine verschärfte Anrechnung von Partnereinkommen für diese hohe Zahl von Ablehnungen verantwortlich ist, eine genaue Analyse der Gründe liegt noch nicht vor - zumal Wilhelm Lappe bis zum 30. Dezember noch Leiter der Luckauer Arbeitsagentur war und erst gestern seinen neuen Posten in Finsterwalde angetreten hat, begründet er.
Den Ansturm auf die Arbeitsagentur hat gestern auch Manfred Platz aus Massen erleben müssen. Seit der Wende hat der gelernte Zerspanungsfacharbeiter keinen festen Arbeitsplatz mehr. Jetzt bekommt er Arbeitslosengeld II - allerdings rund 120 Euro weniger als man ihm zuvor Arbeitslosenhilfe zahlte. „Das heißt für meine fünfköpfige Familie, dass wir uns noch mehr einschränken müssen.“ Manfred Platz wollte deshalb gestern bei der Arbeitsagentur wenigstens um einen Ein-Euro-Job nachsuchen. Zwei Stunden hat er gewartet - mehr Zeit konnte er nicht aufbringen, da zu Hause ein krankes Kind gewartet hat.
Wilhelm Lappe warb auch hier um Verständnis dafür, noch keine konkreten Auskünfte über die Zahl der in Finsterwalde zu vergebenen Ein- und 1,50-Euro-Jobs geben zu können - „erst am Mittwoch haben wir eine Haushaltsberatung, bei der genaue Zahlen bekannt werden“ . Fest stehe aber: „Auch hier gehen wir bei der Vergabe nach sozialen Kriterien vor.“ Lappe: „Diese Jobs können nur ein Notnagel sein. Es muss uns darum gehen, zuerst Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt anzubieten.“
Doch da haben viele ihre Zweifel - Steffen Richter, der gestern bei der Arbeitsagentur wieder vergeblich nach einer Arbeit nachfragte, auch. „Meine Mutter bekommt jetzt Arbeitslosengeld II - und das ist nur noch die Hälfte von dem, was sie vorher bekam. Viele Leute hatten vorher schon wenig und bekommen jetzt noch weniger. Ich glaube nicht daran, dass Hartz IV bei uns Arbeitsplätze schaffen soll.“
Auch Werner Brandenburg hat die Hoffnung auf Arbeit aufgegeben. Bei den Stadtwerken durfte er mal für ein halbes Jahr arbeiten, danach ist er seit eineinhalb Jahren arbeitslos. Einen Ein-Euro-Job habe er noch nicht angeboten bekommen - „die gehen schon wieder mit Beziehung weg“ , will er erfahren haben. Wenigstens einen Trost hat der allein stehende Finsterwalder: „Ich bekomme jetzt 30 Euro im Monat mehr Arbeitslosengeld II - und das Januar-Geld war sogar schon am 30. Dezember auf dem Konto.“ (-db-/leh/stt)

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