Das "Haus Hannes" im Rückersdorfer Naherholungsgebiet hat schon viele Bewohner erlebt. Aus einem einstigen Kinderferienlager wurde nach der Wende eine Pension. Jetzt bieten die Wohn- und Gemeinschaftsräume bis zu 60 Flüchtlingen ein vorübergehendes schützendes Dach über dem Kopf. Seit Oktober 2015 betreibt die Pro Shelter Gesellschaft für integriertes Wohnen mbH aus Berlin diese Notunterkunft. Projektleiter vor Ort ist Falko Max Wohmann. Er sagt: "Noch bis Ende März laufen unsere Verträge. Damit wollten wir Rücksicht auf das Umfeld hier im Naherholungsgebiet nehmen. Je nach Situation muss dann gemeinsam mit dem Landkreis Elbe-Elster neu entschieden werden."

Jeden Mittwoch kommen deutsche Frauen ins Haus, um gemeinsam mit den vielen Kindern zu basteln und den Frauen das Häkeln und Stricken beizubringen. Magdalena Heinrich aus Gruhno reckt die Hände in die Höhe und gibt Fateme und Zenab aus Afghanistan den Blick auf die Maschen frei. Geduldig zeigt sie, wie die Häkelnadel mit dem Faden umgeht. Viele weitere Frauen sitzen in der Runde.

Auch Hebib und Rahimi, die Männer von Zenab und Fateme, sowie deren Kinder sind im Raum. Genauso wie Ashore mit seinen Kindern. Die drei Familien aus Afghanistan haben ihr neues Zuhause bereits im Dorf, in drei Wohnungen der Wohnungsgesellschaft der Stadt Doberlug-Kirchhain. Ihre Kinder besuchen die Schule beziehungsweise den Kindergarten.

Darauf warten die anderen in der Notunterkunft noch. Wie zum Beispiel der 22-jährige Mohammadreza, den hier alle nur Sam nennen. Zwei Wochen war er auf der Flucht aus Teheran im Iran. Drei Monate ist er jetzt schon in Deutschland. Der sportliche junge Mann trainiert bei der SG Friedersdorf. In seiner Heimat hat der talentierte Fußballer beim Malavan Club gespielt.

Eine junge Frau gibt zu verstehen, dass ihnen die Unterkunft zu entfernt vom eigentlichen Leben liegt. Der zehnjährige Ahmed aus Syrien beispielsweise würde gern zur Schule gehen. Seine Mutter nickt. Mit ihren drei Kindern wünscht sie sich ein friedliches Leben in Deutschland.

Das Zusammenleben im "Haus Hannes" funktioniere reibungslos, erklärt Falko Wohmann. Hauptsächlich Familien aus krisengerüttelten Regionen, überwiegend aus Syrien, leben dort. Pro Shelter betreibt deutschlandweit Flüchtlingsunterkünfte, auch am Flugplatz in Finsterwalde-Schacksdorf. In Rückersdorf kümmert sich ein Sozialarbeiter um die Asylsuchenden. Ein Wachschutz ist vor Ort. Dolmetscher helfen bei der Verständigung, "hauptsächlich über Englisch, bei schwierigen Fällen holen wir jemanden für Arabisch", so Wohmann. Dreimal in der Woche wird Deutsch unterrichtet. Dazu kommt eine ehemalige Lehrerin aus Doberlug-Kirchhain ins Haus. Um die Verpflegung der Bewohner kümmern sich drei Mitarbeiter von Pro Shelter. "Die ärztliche Versorgung klappt prima über die Arztpraxen im Dorf", sagt Wohmann.

Die Akzeptanz in der Bevölkerung und die Spendenbereitschaft seien hoch, heißt es. Nur bei einigen Handwerkerfirmen habe er schon schlechte Erfahrungen machen müssen, als sie erfuhren, dass der Auftrag für eine Flüchtlingsunterkunft sei, sagt Falko Wohmann.

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