Eine aktuelle Tageszeitung, Kopien der Baugenehmigung und des Bauplans, Kleingeld der aktuellen Währung und eine Auflistung des Löschzuges Mitte werden von den Kameraden der Feuerwehr und Vertretern der Stadtverwaltung Finsterwalde in eine kupferne Röhre geschoben. Anschließend versinkt die Zeitkapsel im Grundstein und wird für die Nachwelt versiegelt – so verlangt es der Brauch, wenn ein neues Gebäude gebaut wird.

Am Dienstagvormittag ist der Grundstein für den Anbau des Feuerwehrgerätehauses der Feuerwehr Stadtmitte gelegt worden. „Trotz des trüben Wetters ist heute ein sonniger Tag für Finsterwalde“, findet Bürgermeister Jörg Gampe (CDU). Denn der Bau des neuen Zusatzgebäudes ist ein wichtiger Schritt für die Sicherung der Feuerwehrarbeit in der Stadt. Zudem sei der Anbau notwendig, da, laut Stadtbrandmeister Michael Kamenz, die Einsatzzahlen seit den vergangenen zehn Jahren stetig ansteigen. Insbesondere die vergangenen zwei Jahre verzeichnen traurige Rekorde. 483 Einsätze hat es im Jahr 2018 in Finsterwalde, Nehesdorf, Sorno und Pechhütte gegeben. Das sind 156 mehr als im Jahr 2017. „Damit die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Finsterwalde auch weiterhin ihre Arbeit so vorbildlich verrichten können, müssen die Arbeitsbedingungen vor Ort verbessert werden“, sagt der Bürgermeister.

Am 6. März ist der Anbau hinter dem Feuerwehrgerätehaus genehmigt worden. Bis zum 30. November diesen Jahres soll das Gebäude fertiggestellt sein. Im Anbau soll es eine Werkstatt mit dazugehörigem Lagerbereich geben, in dem Schläuche, Betriebsstoffe und Kleingeräte Platz finden werden. Außerdem soll eine Schleuse zum Tausch von Materialien für benachbarte Feuerwehren zur Verfügung stehen, sowie ein Stellplatz für ein Notstromaggregat. „Die Anschlussstelle für das Notstromaggregat ist wirklich notwendig, weil die Feuerwehr Stadtmitte eine Stützpunktfeuerwehr ist“, betont Stadtbrandmeister Michael Kamenz.

Des weiteren ist auf dem Anbaugrundstück ein Stellplatz für ein Feuerwehrfahrzeug vorgesehen und ein überdachter Durchgang soll zwischen dem alten und dem neuen Gebäude entstehen. „Wir freuen uns sehr über den Anbau. Das ist auch gleichzeitig eine Wertschätzung unserer freiwilligen Arbeit“, sagt Löschzugführer Robert Kösling.

Nicht nur der erweiterte Aufgabenbereich der Freiwilligen Feuerwehr macht die Baumaßnahme notwendig. Auch der Feuerwehrnachwuchs muss künftig ordnungsgemäß untergebracht werden. „Im Hauptgebäude haben die Umkleideräume nicht mehr ausgereicht. Deswegen wird dieser Bereich jetzt erweitert“, sagt Michael Kamenz. Außerdem kreuzen sich im Bestandsgebäude ständig die Ankunfts- und Abgangswege. Bisher habe auch ein Lager für Verbrauchsstoffe gefehlt. Dadurch, dass viele Materialien und Geräte aus Platzgründen in der Fahrzeughalle gelagert wurden, sind auch die Brandlasten gestiegen. Das neue Gebäude soll diesbezüglich Abhilfe schaffen.

Als Anbaufläche ist der Bereich hinter dem Hauptgebäude in der Salaspils lela gewählt worden. „Das ist zweifelsfrei ein sehr schöner Standort, aber nicht zum Bauen“, räumt Planer Andreas Russig scherzhaft ein. Früher war an dieser Stelle, am Fuße des Aschebergs, eine Müllhalde. An den Seiten der Baugrube sind noch hellbraune Erdschichten zu erkennen. „Es ist kein Baugrundstück, deswegen musste der Bereich erst einmal ausgeschachtelt und verdichtet werden. Das war sehr aufwendig“, sagt Andreas Russig. In Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen konnte aber für die Grundsteinlegung alles Notwendige vorbereitet werden.

Die Kosten für den Anbau belaufen sich auf rund 500 000 Euro. Das Bauprojekt wird aus Eigenmitteln und circa 170 000 Euro Fördergeld finanziert.