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| 02:38 Uhr

Gruhnoer erlebt einen Tag mit zwei Unfällen

Ex-Landrat Diethard Haas (M.) sowie die Verkehrswächter Thomas Nissen (r.) und Manfred Wesemann sind für jahrzehntelanges unfallfreies Fahren ausgezeichnet worden.
Ex-Landrat Diethard Haas (M.) sowie die Verkehrswächter Thomas Nissen (r.) und Manfred Wesemann sind für jahrzehntelanges unfallfreies Fahren ausgezeichnet worden. FOTO: privat
Finsterwalde. Den Tag wird Thomas Nissen nicht vergessen – an dem er innerhalb von nur wenigen Stunden gleich zweimal mit seinem Unfallauto in die Werkstatt musste. Dabei ist der 47-Jährige in dieser Woche für seine vorbildliche Fahrweise ausgezeichnet worden. Wie passt das zusammen? Dieter Babbe

"Ich stehe am Bahnübergang in Doberlug-Kirchhain vor der heruntergelassenen Schranke, da brummt ein Pkw von hinten bei mir auf", erzählt der 47-Jährige seine kuriose Geschichte. Nachdem sein Auto es noch bis in die nahe Werkstatt geschafft hat, wo er einen Leihwagen bekam, passiert Thomas Nissen kurz danach das nächste Malheur: "Auf dem Kirchhainer Marktplatz schießt plötzlich ein Pkw vom Parkplatz auf die Straße und schlitzte an meinem geborgten Auto die ganze Seite auf."

Nissen trifft in beiden Fällen, von der Polizei bestätigt, keine Schuld - der Mann aus Gruhno hat in Flensburg eine saubere Weste. So lange er den Führerschein besitzt, ein Vierteljahrhundert lang, hat er durch seine vorsichtige, vorausschauende Fahrweise keinen Unfall selbst verschuldet - dass er in diese zwei Unfälle verwickelt wurde, dafür kann er nichts.

Das ist dieser Tage mit Urkunde und Ehrennadel gewürdigt worden, als in Finsterwalde das 25. Bestehen der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster gefeiert wurde. Hier ist Thomas Nissen nicht nur als vorbildlicher Kraftfahrer bekannt, der in der Woche immerhin hunderte Kilometer mit dem Auto zurücklegt, sondern auch als ein anerkannter Verkehrswächter. Während er für die Verkehrswacht viel in den Kitas des Kreises unterwegs ist, wo er den Steppkes beim Rollerprojekt richtiges Verhalten im Straßenverkehr beibringt und sie so auf ihren ersten Schulweg vorbereitet, kümmert sich der Gruhnoer auch in seinem Dorf um die Verkehrserziehung der Kinder und will künftig auch Verkehrsteilnehmerschulungen für die Wehrleute im Feuerwehrgerätehaus organisieren.

Hohe Veranstaltungsanzahl

Dabei ist Thomas Nissen nur eines von derzeit 55 Mitgliedern der Kreisverkehrswacht, von denen sich viele - manche fast täglich - ehrenamtlich für mehr Sicherheit auf den Straßen engagieren, ob als Moderatoren bei Verkehrsteilnehmerschulungen, am Wochenende als Trainer für Auto- und Motorradfahrer auf dem Übungsplatz in Massen, in der Woche als Verkehrserzieher in Kitas und in Schulen des Kreises und bei Veranstaltungen mit Senioren. In den 25 Jahren Kreisverkehrswacht haben Mitglieder in vielfältigen Bundes- und Landesprojekten fast 4300 Veranstaltungen mit 117 000 Teilnehmern organisiert. Anders gesagt: Die Kreisverkehrswacht hat in einem Vierteljahrhundert mehr Menschen erreicht, als der Elbe-Elster-Kreis Einwohner hat, hieß es bei der Festveranstaltung.

Hier erinnerte Diethard Haas, der erste und letzte Landrat des Kreises Finsterwalde, bis der in den Elbe-Elster-Kreis aufging, wie er nach der Wende den Anstoß für die Vereinsgründung gegeben hat. Der Umstieg auf die schnellen Westautos hat die Zahl der schweren Unfälle in den neuen Bundesländernr zunächst hochschnellen lassen: Starben 1991 auf Brandenburgs Straßen immerhin 931 Menschen, so waren es 18 Jahre später "nur" noch 202 Verkehrstote. Im Jahr 2001 gab es im Elbe-Elster-Kreis 27 Verkehrstote, 2015 ging die Anzahl auf sieben zurück. Haas führt das auch auf die erzieherische Arbeit der Verkehrswacht zurück. "Die Verkehrssicherheitsaktive aus DDR-Zeiten in den Betrieben konnten diese Arbeit nicht mehr leisten - viele Betriebe gab es nicht mehr, andere kämpften ums Überleben, die Menschen hatten in der Marktwirtschaft andere Sorgen", erinnerte der frühere Landrat an die stürmische gesellschaftliche Umwälzung in Ostdeutschland.

Gründung empfohlen

Vom Märkischen Kreis, dem Partnerkreis in Nordrhein-Westfalen, sei die Empfehlung gekommen, eine Verkehrswacht zu gründen. Landrat Haas hatte damit seinen Ordnungsamtsleiter Konrad Müller beauftragt - der den Verein nicht nur aufgebaut, sondern bis zu diesem Jahr als ehrenamtlicher Geschäftsführer auch federführend geleitet hat.

Bei der Festveranstaltung zum 25. Bestehen der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster würdigten auch Rainer Genilke, der aus der Sängerstadt stammende Präsident der Landesverkehrswacht, und Jörg Gampe, Bürgermeister von Finsterwalde und Schirmherr der Kreisverkehrswacht, das Engagement der Ehrenamtlichen. In dieser Runde ist der Ex-Landrat Diethard Haas - zusammen mit Manfred Wesemann, auch ein über viele Jahre aktiver Verkehrswächter - für 50 Jahre unfallfreies Fahren ausgezeichnet worden.

Zum Thema:
Eine Besonderheit bei der Verkehrswacht in Brandenburg: Im Elbe-Elster-Kreis gibt es zwei Vereine. Am 27. November 1991 ist die Kreisverkehrswacht gegründet worden, die sich insbesondere um die Verkehrserziehung in den früheren Altkreisen Finsterwalde und Bad Liebenwerda kümmert. Die Ortsverkehrswacht Herzberg feiert im nächsten Jahr ihr 20-jähriges Bestehen.