| 02:39 Uhr

Grüne Woche: Erlebnis vor Ergebnis

"Gott erhalt's, Schnitte mit Schmalz": Petra Noack (l.) hatte bei der Präsentation des Imbiss- und Partyservice Neumann aus Doberlug-Kirchhain auf der Grünen Woche immer einen flotten Spruch auf Lager.
"Gott erhalt's, Schnitte mit Schmalz": Petra Noack (l.) hatte bei der Präsentation des Imbiss- und Partyservice Neumann aus Doberlug-Kirchhain auf der Grünen Woche immer einen flotten Spruch auf Lager. FOTO: Frank Claus
Berlin/Doberlug-KIrchhain. Silke Neumann ist keine Frau, die um den heißen Brei herumredet. Auf die Frage, in welchem Maße sich ihr Auftritt auf der Grünen Woche rentiert hätte, erwidert die Betreiberin des Kirchhainer Imbiss- und Partyservice Neumann furchtlos: "Ich kann Ihnen genau sagen, was ich eingenommen habe: 128 Euro. Steven Wiesner

" Kein üppiger Stundenlohn, wenn man weiß, dass die Aussteller an einem Tag in der Regel weit mehr als zehn Stunden gebunden sind. Zudem liege der finanzielle Aufwand aus Fahrkosten oder verschenkte Kostproben um ein Vielfaches über den Einnahmen.

Ein Schicksal, das Silke Neumann unter den zahlreichen Repräsentanten nicht exklusiv hat. Was ist es also, das die Unternehmen trotzdem immer wieder auf das Messegelände zieht? "Ich mache das aus Spaß an der Freude", verrät Neumann. "Es kommt nichts bei rüber, aber es geht darum, Werbung zu machen für meine Stadt und die Region." Und da müsse man auch mal etwas umsonst machen und nicht nur die eigenen Interessen sehen. Das Erlebnis steht vor dem Ergebnis.

Ein Ansatz, den Janine Kauk in einer Pressemitteilung für den Landkreis Elbe-Elster nicht schöner und PR-freundlicher hätte formulieren können. Unternehmer wie Silke Neumann sind beispielgebend für Kauk. "Akteure, die das Bild fürs Ganze haben, sind total wichtig", sagt die Marketingkoordinatorin des Landkreises. Elbe-Elster sei angewiesen auf Aussteller, die nicht nur sich selbst, sondern in gleicher Weise Partner und die Region als touristisches Ausflugsziel vertreten. Kauk: "Daraus ergeben sich auch Synergieeffekte." Für Silke Neumann als gelernte Gerberin, Mitglied des Schlossfördervereins in Doberlug-Kirchhain sowie Lutherpate eine Selbstverständlichkeit: "Ich will doch, dass es in der Stadt weitergeht."

Geld gescheffelt hat auch der Bieligkhof aus Bad Liebenwerda nicht in Berlin. "Aber wir machen unser Hotel trotzdem gern bekannter", sagt Heike Weber. Und dadurch, dass der Landkreis und die Regionale Wirtschaftsförderung die Kosten für die Stände tragen und den Betrieben so ein einmaliges Podium bieten, wäre es dennoch lohnenswert. Im letzten Jahr war der Bieligkhof erstmals nach Berlin gefahren. In den folgenden zwölf Monaten hätte es dann fünf Buchungen im Hotel gegeben, die auf die Werbung bei der Grünen Woche zurückzuführen sind. Kein weltverändernder Effekt, aber besser als nichts. Weber: "Wer nicht wirbt, der stirbt!"

Ähnlich ist es Petra Wetzel von der Niederlausitzer Heidemanufaktur aus Hohenleipisch ergangen. Sie war zum vierten Mal dabei und bilanziert: "Man macht keine Riesenumsätze, aber ich kann langfristige Kontakte aufbauen. Und es ist eine ideale Plattform für Tests und neue Produkte, weil ich sofort Feedback bekomme." Und so kommen Petra Wetzel und Silke Neumann zu demselben Schluss: "Wir sind auch nächstes Jahr dabei." Dann bereits zum fünften Mal.