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Die Vielseitigkeit überzeugt
Großgras aus China mit Mehrwert

Beim Feldtag nahe Goßmar haben Wissenschaftler und Bauern die Potenziale von Miscanthus, einem Großgras aus China, vorgestellt.
Beim Feldtag nahe Goßmar haben Wissenschaftler und Bauern die Potenziale von Miscanthus, einem Großgras aus China, vorgestellt. FOTO: Torsten Pötzsch
Goßmar. Miscanthus stand als nachwachsender Rohstoff der Zukunft im Mittelpunkt beim Feldtag. Von Torsten Pötzsch

Kennen Sie Miscanthus? Dabei handelt es sich um ein asiatisches Großgras, das in den 70er-Jahren seinen Weg nach Europa und eher als Zierpflanze  in deutsche Gärten fand. Doch in dem mehrjährigen Großgras schlummert ein Potenzial, das erst später entdeckt wurde und die Lösung so einiger Probleme mit sich bringen kann.

Stichwort: Biomasserohstoff zur Energiegewinnung. Aber auch als Bau- oder Dämmstoff kann Miscanthus verwendet werden, in der Herstellung von Verpackungsmaterial, als Einstreu in der Viehhaltung oder in der Anzucht von Pflanzen. Und doch führt in Deutschland Miscanthus noch ein Schattendasein. Auf gerade einmal 5500 Hektar wird die Pflanze in Deutschland dauerhaft angebaut, in Brandenburg sind es 50 Hektar und zehn davon stehen hinter dem Haus von Klaus Töpfer, auf dem Klementinenhof bei Goßmar.

Grund genug, den ersten Brandenburger Miscanthus-Feldtag auf den Klementinenhof zu holen. Mehr als 70 Landwirte und Wissenschaftler aus ganz Deutschland folgten der Einladung, denn sie sind von der Zukunft des Großgrases überzeugt, wissen aber auch, dass sie Neuland betreten und noch viel Pionierarbeit leisten müssen.

Der Gastgeber Klaus Töpfer kam eher zufällig zu dem Gras, wie er bei der Begrüßung am vergangenen Samstag erklärte. „Mein Schornsteinfeger meinte, ich müsse unbedingt nach Alternativen suchen, wenn meine Heizkosten nicht aus dem Ruder laufen sollen. Ich habe zwei Häuser und eine Werkstatt mit insgesamt 480 Quadratmetern zu beheizen. Ich setzte mich hin, recherchierte und stieß dabei auf den Miscanthus. Vor sechs Jahren begann ich mit dem Anbau, installierte eine  entsprechende Heizanlage, die nun schon 9500 Stunden reibungslos läuft, verdoppelte die Anbaufläche und was soll ich sagen, es läuft.“ Dabei fand er im Finsterwalder Institut für Bergbaufolgelandschaften (FIB) einen wissenschaftlichen Partner gleich vor der Haustür, der den Handwerker, der im Nebengewerbe zum Landwirt wurde, wissenschaftlich begleitet. Und so waren natürlich auch Institutsleiter Dr. Michael Haubold-Rosar vor Ort sowie Dr. Dirk Knoche. Beide waren freudig überrascht über das große Interesse für die doch noch relativ unbekannte Pflanze. Von ihnen gab es einen kleinen wissenschaftlichen Vortrag, wie es auf dem Klementinenhof läuft und welche Erfahrungen man bis jetzt gemacht hat. Dabei überwogen eindeutig die Vorteile, trotz aller Bedenken vor allem großer landwirtschaftlicher Betriebe.

Im Mittelpunkt stand aber die Praxis. In Deutschland ist  Anton Sieverdingbeck  aus dem westfälischen Veelen  ein überzeugter Vorreiter. Der Vortrag über  seine Erfahrungen stieß auf großes Interesse. Er musste den gesamten Tag über tausend Fragen beantworten, im Symposium, in kleinen Gesprächsrunden oder auf dem Feld. Denn es kam auch zu einer Vorführung, wie das Großgras geerntet wird. Anton Sieverdingbeck hat Landwirtschaft bei Prof. Dr. Ralf Pude studiert, der an der Technischen Universität Bonn eine Professur für nachwachsende Rohstoffe inne hat. Auch der Professor warb für die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der Pflanze, „denn zum Verbrennen ist die Biomasse eigentlich zu schade. Da ist viel mehr drin, da müssen wir aber auch mal quer denken.“ Sein Schwerpunkt beim Symposium lag auf der „Kaskadennutzung“, was so viel bedeutet wie, den gleichen Rohstoff mehrfach zu verwenden. Er nutzte aber auch das Podium, um deutliche Worte in Richtung der Politik zu finden, denn die tue nach seiner Ansicht noch viel zu wenig, um die diversen Möglichkeiten des Miscanthus zu fördern und zu unterstützen. „Da muss in naher Zukunft noch mehr passieren, da klemmt es noch mächtig, wenn hier nicht wieder eine Chance verpasst werden soll.“

Am Ende des Tages waren alle zufrieden, besonders der Mix aus Theorie und Praxis hatte gestimmt. Es fanden sich junge Landwirte zusammen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, Wissenschaftler, die ihnen mit ihren Forschungen zur Seite stehen und Verarbeiter aus der Industrie, die die bereits heute breite Palette der Verarbeitungsmöglichkeiten präsentierten. Der Mehrwert stand eindeutig in der Intensivierung der Netzwerkarbeit und das hat gut geklappt, da waren sich alle einig.

 

Weitere Informationen für nachhaltige Biomasseerzeugung und neue Wertschöpfungsketten gibt es bei forbio und beim MEG e.V., dem internationalen Verein für Miscanthus und mehrjährige Energiegräser.