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| 02:50 Uhr

Großer Wolf läuft in die (Foto-)Falle

Ein großer stattlicher Wolf streift um Breitenau.
Ein großer stattlicher Wolf streift um Breitenau. FOTO: Bock
Breitenau/Birkwalde. Der Wolf erobert sich zunehmend die Region um Finsterwalde. Jäger beobachten immer öfter das Raubtier – und fotografieren es sogar. Erstmals sind in der Babbener Heide bereits Alt- und Jungtiere gesichtet worden. Dieter Babbe

Reinhard Bock ist wieder ein besonderer Schnappschuss in seinem Revier gelungen. Dieser Tage lief ein stattlicher Wolf in eine seiner Fotofallen. Am Pusch, wie die Breitenauer die Gegend nennen, hat der Jäger einen Kirrplatz angelegt, wo Wild durch ausgestreutes Futter angelockt wird. Hier, wo sich sonst insbesondere Rehe und Wildschweine treffen, hat der fotografierte Wolf offensichtlich eine Beutespur in der Nase.

Reinhard Bock weiß, dass der Wolf in seinem mehr als 1400 Hektar großen Revier, das er sich mit zwei weiteren Jägern teilt, seit langem umher streift. Immer wieder hat er Wölfe bei ihren Streifzügen fotografiert. "Etliche habe ich mit eigenen Augen gesehen - auch am helllichten Tage", sagt der Birkwalder. Einmal ist ihm sogar eine ganze Familie über den Weg gelaufen. "Am Lindthaler Radweg, wo unsere Reviergrenze ist, sind zwei Alt- und drei Jungtiere aufgetaucht", sagt Reinhard Bock - der sich sicher ist: "Die Wölfe sind bei uns zu Hause."

"Diese Beobachtung deckt sich mit unseren Erkenntnissen", sagt der Wolfsexperte Dr. Reinhard Möckel. Bekannt seien gegenwärtig zwei Rudel - eins in der Kippe Schlabendorf-Süd, ein anderes im Naturparadies Grünhaus in der ehemaligen Kippe Kleinleipisch. "Das Revier von Reinhard Bock liegt dazwischen. Ich vermute, bei der bei Lindthal gesichteten Wolfsfamilie handelt es sich um das Rudel aus Schlabendorf", sagt Möckel.

Ein Dutzend Kameras hat Reinhard Bock in seinem Revier verteilt. Hunderte Fotos geben ihm so Auskunft, was vor allem nachts im Wald passiert. "Immer wieder kommen Waschbären und auch Marderhunde vor die Kamera - Tiere, die nicht in unseren Wald gehören, die sich aber stark vermehren, weil sie keine Feinde haben", sagt Reinhard Bock. Neben zahlreichen Füchsen, "die wir gut im Griff haben", wie er sagt, habe das Jägertrio in diesem Jagdjahr bereits 18 Waschbären und elf Marderhunde erlegt.

Reinhard Bock fällt auch auf: "Die Zahl der Wildschweine nimmt immer mehr zu. Im ganzen letzten Jagdjahr haben wir 88 Schweine geschossen. In diesem Jagdjahr, das erst im April begonnen hat, sind es schon allein 80 Schweine." Der Jäger führt diesen deutlichen Anstieg auf das gute Futterangebot auf den Feldern, auf geringere Abschussquoten in Nachbarrevieren, aber auch auf den Wolf zurück. "Seit der Wolf in unseren Wäldern lebt, finden sich die Wildschweine zu großen Rotten zusammen - gewissermaßen zur Verteidigung." Das sei auch beim Rotwild der Fall - allerdings mit einer anderen Wirkung. "Wir haben in unserem Revier kein Rotwild mehr. Das hat sich woanders angesiedelt - bei Calau sind Rudel von bis zu 70 Tieren gesehen worden. Die richten dann auch große Schäden an."

In seinem Revier findet Reinhard Bock immer wieder Belege für die Anwesenheit des Wolfes. Bereits im Januar war ihm eine in der Region einzigartige Aufnahme mit der Fotofalle gelungen: zwei ausgewachsene Wölfe an einem Kirrplatz. Das Raubtier hinterlässt aber auch andere Spuren: Vier Rehe, die für ihn eindeutig vom Wolf gerissen wurden, hat er in diesem Jahr entdeckt. Damit wird der Wolf zum Konkurrenten des Jägers.

"Wir zahlen mit die höchste Pacht weit und breit. Wenn der Wolf das Wild vertreibt oder frisst, werden sich nach uns kaum noch Jäger für die Hege und Pflege finden - es gibt schon jetzt große Nachwuchssorgen in der Jägerschaft", sagt Reinhard Bock.