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| 19:00 Uhr

Aus der Kreissynode
Große Sorge um Zerriss der Gesellschaft

Die Kreissynode des Kirchenkreises Niederlausitz hat in der Finsterwalder Arche getagt. 
Die Kreissynode des Kirchenkreises Niederlausitz hat in der Finsterwalder Arche getagt.  FOTO: Markus Herbruck
Finsterwalde. Superintendent Köhler findet klare Worte auf Synode des Kirchenkreises. Auch Lehrkräftemangel ist ein Thema. Von Franziska Dorn

In seinem Bericht zur Lage brachte Superintendent Thomas Köhler auf der Frühjahrssynode des Kirchenkreises Niederlausitz sehr deutlich seine Sorge über das sinkende Vertrauen in die Demokratie und den Zerriss der Gesellschaft zum Ausdruck. Mit Blick auf die Vorgänge und die Demonstrationen des Vereins „Zukunft Heimat“ in Cottbus sagte er am Samstag in Finsterwalde: „Auch bei uns haben Menschen Angst, sie fürchten sich davor, dass uns unsere Art zu leben, vielleicht sogar unsere Kultur genommen wird. Sie fürchten sich davor, dass die Gewalt überhandnimmt. Sie fürchten sich vor Überfremdung, auch davor, dass ihre Meinung nicht gehört wird. Ob diese Bedenken berechtigt sind, spielt dabei keine Rolle.“

Die Christen müssten sich der Vielfalt der Meinungen stellen und zum Diskurs einladen. „Wie wir mit der Meinungsvielfalt umgehen, ist ein Spiegelbild dessen, wie ernst wir unsere Art zu leben, die wir doch so hochhalten wollen, nehmen.“ Oberstes Gebot sei die Würde des anderen. „Die Würde des Menschen, und das meint die Würde jedes Menschen, nicht nur des deutschen Staatsbürgers, ist unveräußerlich.“ Kritisch äußert er sich zur Rhetorik mancher Verantwortlicher. „Wer zum Jagen, zum Entsorgen, zum in die Fresse hauen aufruft, der darf sich nicht wundern, dass Menschen das auch tun, und kann sich von der Verantwortung dafür nicht freisprechen.“ Und in Bezug auf die bevorstehenden Wahlen in Brandenburg: „Auch hier sind wir als Kirche gefragt, das uns Mögliche zu tun, dass wir nicht aus den Augen verlieren, auf welchem Fundament unser Gemeinwesen ruht.“

Auf der Frühjahrssynode des Kirchenkreises stand auch die Lehrkräftesituation im Religionsunterricht auf dem Tagesplan. Jede Woche nehmen im Kirchenkreis Niederlausitz etwa 1700 Kinder und Jugendliche am freiwilligen evangelischen Religionsunterricht in den Schulen teil. Obwohl die Zahl kontinuierlich steigt, könnten es noch mehr sein. Das erfuhren die kirchlichen Abgeordneten bei ihrer ordentlichen Frühjahrstagung am Samstag.

An 20 von insgesamt 46 Schulen im Gebiet des Kirchenkreises Niederlausitz wird Religionsunterricht erteilt, entweder in allen Klassenstufen oder eingeschränkt. Warum es an manchen Schulen dieses Lehrangebot der evangelischen Kirche nicht gibt, liegt nicht nur an mangelndem Interesse. Man habe seit Langem mit einem massiven Lehrkräftemangel zu tun, erklärte Dieter Drabo, Leiter der Arbeitsstelle für Religionsunterricht in Cottbus. Während es im Süden, auf dem Gebiet des Altkreises Finsterwalde, nahezu flächendeckend Religionsunterricht gibt, ist die Situation in Calau und Lübbenau aus Sicht der Synodalen sehr unbefriedigend. In Calau gibt es keinen und in Lübbenau nur an einer von fünf Schulen eingeschränkten Religionsunterricht. Weiße Flecken gibt es auch im Norden, etwa in Goyatz, Schönwalde und Gröditsch. Der Religionsunterricht ist in Brandenburg kein ordentliches Unterrichtsfach. Er ist ein Angebot, das zusätzlich in den Räumen der Schule unterrichtet werden kann. Schüler können sich vom Pflichtfach Lebensgestaltung-Ethik-Religionslehre (LER) befreien lassen, wenn sie am Religionsunterricht teilnehmen. Unterrichtet werden sie entweder von Lehrkräften im staatlichen Dienst oder von kirchlichen Lehrkräften.

 „Insbesondere der Rückgang bei den staatlich beauftragten Lehrkräften ist sehr deutlich zu spüren“, verdeutliche Drabo das Problem. Erschwerend käme hinzu, dass deren Tätigkeit generell auf maximal acht Wochenstunden Religionsunterricht beschränkt. „Gäbe es die Einschränkung für die staatlich beauftragten Lehrkräfte nicht, könnte sich die Situation verbessern“, sagte Superintendent Thomas Köhler. Seinem Antrag, die evangelische Landeskirche aufzufordern, mit dem Bildungsministerium in der Sache in Verhandlung zu treten, folgten die Synodalen schließlich einstimmig. „Es gibt hinsichtlich des Religionsunterrichtes Missverständnisse“, stellte Christoph Hanke fest. „Viele Eltern wüssten nicht, dass die konfessionelle Bindung keine Rolle spielt. Die Inhalte beim Religionsunterricht sind konfessionsübergreifend. Die Kinder und Jugendlichen lernen die Weltreligionen kennen und beschäftigen sich mit ethischen Fragen. Damit ist der Religionsunterricht eine gleichwertige Alternative zum LER-Unterricht. Das wird in den Schulen oft nicht deutlich gemacht“, sagt der Pfarrer. Lothar Treder-Schmidt aus Zieckau regte an, Eltern die Möglichkeit zu geben, den Rahmenlehrplan des Religionsunterrichts einzusehen.

Die Christenlehre, in der DDR als Ersatz für fehlenden Religionsunterricht an den Schulen etabliert, gibt es in den hiesigen Kirchengemeinden noch immer. Dazu wird nachmittags in die Räume der Kirchengemeinden eingeladen. Dieses Nebeneinander zweier Bildungsangebote wird in ostdeutschen Kirchen immer wieder kontrovers diskutiert. Dass es durchaus einen Unterschied zum Religionsunterricht gebe und beide Formen der religiösen Bildung ihre Daseinsberechtigung hätten, machte Katechetin Sabine Wild deutlich. Sie gibt in Sonnewalde sowohl Religionsunterricht an der Schule als auch Christenlehre in der Gemeinde.

Sigrid Schmidt, Synodale aus Fischwasser, resümierte: „Es war interessant zu erfahren, wie der Stand in Sachen Religionsunterricht in unserem Bereich aussieht. Ich finde es insbesondere heute wichtig, dass wir Kindern und Jugendlichen unsere Werte vermitteln.“