Spätestens am 29. August sollen die Flieger ihre Arbeit beginnen und dem sich in diesem Jahr in zweiter Generation durch die Kiefern fressenden Schädling zu Leibe rücken. Lutz Heduschka, Leiter der Oberförsterei Herzberg des Landesbetriebes Forst, hat in seinen mehr als 40 Jahren Berufstätigkeit in der Forstwirtschaft eine solche doppelte Generation in einem Jahr noch nicht erlebt. Während die Frühjahrsgeneration die alten Nadeln von den Bäumen frisst und die Knospen verschont, macht sich die zweite Generation über alles her, was ihr in die Quere kommt. Kahlfraß ist angesagt.

"Wenn die Kiefern keine Nadeln mehr haben, sterben sie ab", macht Lutz Heduschka die Konsequenz deutlich. Selbst wenn noch zehn Prozent der Nadeln am Baum blieben, würde dessen Überlebenschance gegen Null tendieren. Im Landkreis Elbe-Elster ist nach ausführlicher, vom Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde wissenschaftlich begleiteter Überwachung des Bestandes Großalarm ausgerufen worden. Mehr als 800 Waldbesitzer wurden angeschrieben, um mit ihnen einen Dienstleistungsvertrag über das Ausbringen des Pflanzenschutzmittels abzuschließen. "Einer hat auf einem Zettel angefügt, dass er sich für die Unterstützung bedankt", freut sich Heduschka auch einmal über eine solche Meldung.

Im Landkreis Elbe-Elster sind rund 5000 Hektar vom Vormarsch des Schädlings betroffen. Dieser soll nun mit dem einzig zugelassenen Mittel gestoppt werden, das dazu geeignet ist, einem solchen Fraß zu begegnen. Lutz Heduschka verweist auf ein im Frühjahr getestetes neues Mittel, das bei der Wespe jedoch keine Wirkung gezeigt habe. Wenn Karate zum Einsatz kommt, wirkt es sofort. Die Auflagen für das Ausbringen sind hoch. Die Flieger sind geordert. Sie müssen das Mittel so ausbringen, dass es fein zerstäubt in der Krone des Baumes bleibt. Dennoch werden Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz des Menschen getroffen werden. Dazu zählen vorgegebene Sicherheitsabstände zu Wohnsiedlungen und offenen Gewässern . 48 Stunden nach dem Bestäuben ist der Wald nicht zu betreten. Es werden Schilder aufgestellt und die betroffenen Bereiche mit Flatterband abgegrenzt werden. Auch das Beerensammeln wird in einer Karenzzeit von etwa drei Wochen untersagt sein.

Die Zeit drängt für den Angriff auf die Wespe. Lutz Heduschka rechnet vor: "Vom Schlüpfen der Raupe bis zur Verpuppung dauert es 45 Tage. Um den 3. August sind sie geschlüpft. Wenn von der letzten Augustwoche bis 5./6. September nicht bekämpft wird, dann entgleitet uns das. Ich habe schon einige Bekämpfungen erlebt. Diesmal ist es Stress pur."

Zum Thema:
Vom Kahlfraß durch die Kiefernbuschhornblattwespe sind im Landkreis Elbe-Elster 5000 Hektar Kiefernbestand bedroht.Die Gebiete liegen hier: Grassau, Dubro, Buchhainer Berge, Nexdorf, Schilda, Tröbitz, Prießen, Weißhaus, Hennersdorf, Eichholz, Massen.Die Schädlingsbekämpfung mit Karate Forst flüssig soll voraussichtlich spätestens am 29. August starten.