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Gott bewirbt sich in Finsterwalde

Kämpferisch gibt sich Ahne beim Singen der ,,Hymne an das Volk".
Kämpferisch gibt sich Ahne beim Singen der ,,Hymne an das Volk". FOTO: igw
Finsterwalde. Der Kult- und Lesebühnen-Autor Ahne fühlt sich in der Finsterwalder Buchhandlung Mayer pudelwohl. Bereits zum vierten Mal las er in der Sängerstadt und diesmal gleich doppelt. jgw1

Die Fans kamen in Scharen und sorgten am Donnerstag und Freitag für einen Rekordbesuch mit mehr als 200 Zuhörern.

Zwar hat Ahne sein neuestes Buch ,,Ab heute fremd" mitgebracht, aber liest kaum daraus, ,,denn die Geschichten kennt ihr bestimmt schon" und präsentiert dafür stolz mit hintergründigem Grinsen seine Strichzeichnungs,,kunstwerke", ,,die ich zum ersten Mal als Illustrationen zu meinen Geschichten in einem Buch veröffentlicht habe". Ahne liest lieber neue, noch nicht veröffentlichte Texte und hat wieder seinen Berliner Nachbarn Gott aus der Choriner Straße zu ,,Zwiegesprächen" mitgebracht. Leider nicht direkt, aber Ahne weiß alles, was Gott von sich gibt und denkt und spricht auch wie er. So kann er mit einem großen Knaller aufwarten. Gott möchte einen anderen Job machen und wird zur nächsten Bürgermeisterwahl in Finsterwalde antreten.

Ahne liest, singt (sehr speziell) und trinkt Bier: also er fühlt sich wohl. Mit ganz speziellem Humor und mit verblüffender Logik, die nicht immer etwas mit Realität zu tun haben muss, aber trotzdem ins Schwarze trifft und oft ziemlich politisch ist, begeistert der fast ,,Fünfziger" die Zuhörer. 2016 war auch für ihn ein schwieriges Jahr, nicht nur wenn er an ,,den mit Pisslappen auf dem Kopf" und ,,die mit Sonnenbrille wegen Lungenentzündung" im Duell denkt. Trump könne ja auch vom eigenen Versagen ablenken, beruhigt Gott. Viel schlimmer für Ahne: Florian Silbereisen hat eine Band gegründet. Dafür ,,geht ja der deutsche Schlager wieder durch die Decke". Also schrieb Ahne einen ,,mit viel Liebe, Liebe, Liebe, ein bisschen Marschmusik und surrealen Naturerscheinungen". Höhepunkt ist der von Ahne gesungene Schlager.

,,Die Menschen neigen dazu, überleben zu wollen", beschreibt er das Terrorjahr mit ,,Berlin macht weiter wie immer" und singt sich ironisch mit der ,,Hymne des Volkes" in die Herzen der Massen. Er ,,bricht eine Lanze für die Lyrik" mit verständlichen Texten wie ,,Tofu ist kein Essen/ Tofu ist Food", er macht politische Aussetzer mit Jahresrückblick-Schnipseln nackig und will nicht, dass ihn die westdeutsche Sprachverwirrung auch 2017 wieder ,,an Weihnachten" beglückt.

Ahne ist bescheiden, singt er mit Zugabe-Moritat, er will nur eine bessere Welt mit wenigstens weniger Pickeln. Und er freut sich auf den fünften Lesebesuch in Finsterwalde, ,,wenn die Berliner Straße bis zum Ende durchsaniert ist".