In einer gut besuchten Veranstaltung des Finsterwalder Heimatgeschichtsvereins stellte Hennig die Ergebnisse mit einem informativen wie unterhaltsamen Vortrag der interessierten Öffentlichkeit vor. Der Referent machte zu Beginn deutlich, dass die Entwicklung in Finsterwalde nicht von der in Deutschland abzukoppeln war. Die Stadt, bis dahin im Magistrat über lange Jahre SPD dominiert, hatte mit Bürgermeister Georg Geist einen fähigen Mann an der Spitze.

„Bannerträger der Bewegung“
Bei den Reichstagswahlen im März 1933 erzielt die NSDAP 43 Prozent der Stimmen. Bis dahin in Finsterwalde überhaupt nicht im Stadtparlament vertreten, haben die Nazis plötzlich acht Sitze, weil die Reichsergebnisse auf die kommunalen Ebenen übertragen werden, und die reaktionäre Wählergemeinschaft Schwarz-Weiß-Rot noch fünf. Die elf Sitze für die SPD und die drei für die KPD werden nach der Machtübernahme schnell gekappt. Der intellektuell unbedarfte und fachlich ungeeignete Michael Münster wird am 24. März 1933 „mit sofortiger Wirkung“ für Geist als Bürgermeister eingesetzt. Kein Wunder, denn der 1901 in Mönchengladbach Geborene und 1921 nach Finsterwalde Zugezogene hat mit der Mitgliedsnummer 56 778 als „alter Kämpfer der Bewegung“ seit seinem Parteieintritt 1927 bereits eine steile Parteikarriere hinter sich und gilt den Nazis „als Bannerträger der Bewegung“ .
Peter Hennig gelang es, für die Zuhörer die politischen Verhältnisse in Finsterwalde anschaulich zu schildern und von Münster ein lebendiges Bild zu vermitteln. 1927 gründet der Färbereiarbeiter Münster mit Gleichgesinnten wie Paul Hoppe und Hans Richter die Ortsgruppe der NSDAP in Finsterwalde und wird deren Vorsitzender. Die Ablehnung der Weimarer Verfassung, Antisemitismus und die Propagierung eines großdeutschen Reiches verstehen sie als ihre politischen Ziele. Münster avanciert durch propagandistisches Talent zum Reichsredner der NSDAP und 1932 zum stellvertretenden Gauobmann, erreicht nach 1933 wie Hans Richter ein Mandat für den Reichstag und wird 1934 Gauinspektor und Gauamtsleiter.
Seine Hände im Spiel hat dabei der kurmärkische Gauleiter Wilhelm Kube, der Münster nach Kräften protegiert und dafür als Ehrenbürger von Finsterwalde, mit einem Straßennamen und propagandaträchtigen Auftritten in Finsterwalde belohnt wird.
Drastisch nach dem „Führerprinzip“ handelt der neue Bürgermeister, entlässt mit der ersten Amtshandlung Stadtbaurat Karl Dassel, der wenig später wie Georg Geist, Johannes Knoche und KPD-Stadtverordneter Arthur Lehmann verhaftet wird, beurlaubt alle SPD-Stadträte und alle SPD- und KPD-Ausschussmitglieder. Die nationalsozialistische Säuberung hat begonnen. Im gleichen Jahr, so Hennig, stimmen im Rahmen der nun festgelegten Wahlpflicht 92,5 Prozent der Finsterwalder der NSDAP zu, die als einzige Partei zugelassen ist.
Den Aufstieg Münsters belegte Peter Hennig ebenso akribisch wie seinen Absturz. Anschaulich erklärte der Regionalforscher, dass mit dem Sturz von Gauleiter Kube 1937 in der Parteihierarchie die schützende Hand über Münster weggebrochen war. Rechtsbeugung im Amt, Trunksucht, ein durch den Finsterwalder NSDAP-Mann Paul Schäfer eingeleitetes Parteiverfahren und die „Äffare Forsthaus“ , womit feuchtfröhliche Treffen des NSDAP-Klüngels auch mit „spärlich bekleideten BDM-Maiden“ , wie es hieß, gemeint ist, eine vermeintliche außereheliche Vaterschaft, die Münster angelastet wurde, und seine unübersehbare Unfähigkeit im Amt führten dazu, dass er zum Militärdienst gedrängt wurde und das Bürgermeisteramt niederlegen musste.
Hennig hat den Weg Münsters durch den Krieg, den er als Feldwebel beendet, ebenso nachgezeichnet wie Kriegsgefangenschaft, Internierungslager als NSDAP-Mandatsträger und sein Leben als biederer Bundesbürger bis zum Tode 1986. Erstaunlich für die Zuhörer des Vortrags, wie ein schlimmer Nazischerge sich relativ unbeschadet durch Überprüfungen und Prozesse während der Internierungslager bis 1948 und das anschließende Entnazifizierungsverfahren lavieren konnte.
Auch über den zweiten NSDAP-Bürgermeister Walter Jäckel (1941 bis 1945) sprach Hennig und stellte den etwas unspektakulären Weg des Prokuristen der Reichelt-Schraubenfabrik, der 1930 NSDAP-Mitglied und 1932 stellvertretender Ortsgruppenleiter geworden war, über seinen Konflikt am Kriegsende mit dem Stadtkommandanten zur kampflosen Übergabe der Stadt bis zu seinem Tod im Internierungslager Jamlitz im Februar 1947 dar.

Hennig nennt „Ross und Reiter“
Peter Hennig hat mit seiner Arbeit, so der Eindruck der Zuhörer, einen wichtigen Beitrag sowohl zur Aufhellung der Regionalgeschichte, als auch zur Aufarbeitung der NS-Geschichte geleistet. Konkrete Recherchen und umfangreiche Archivarbeit machten es ihm möglich, „Ross und Reiter“ konkret beim Namen zu nennen und authentisch zu wirken. Die Ergebnisse des Heimatforschers, der schon mehrere Arbeiten zur jüngeren Regionalgeschichte vorgelegt hat und dessen Beitrag zum „Notgeld in Finsterwalde“ im diesjährigen „Speicher“ -Heft erscheint, werden in der nächsten Jahrespublikation des Finsterwalder Kreismuseum nachzulesen sein.