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Gezerre um Reformationsausstellung

Martin Luthers 95 Thesen sorgten einst für genügend Zündstoff in Zwickau.
Martin Luthers 95 Thesen sorgten einst für genügend Zündstoff in Zwickau. FOTO: dpa
Doberlug-Kirchhain. Die für 2017 geplante regionalbezogene Ausstellung zum Reformationsjubiläum im Museum Schloss Doberlug ist zum politischen Spielball geworden. Im Sommer haben WBU-LUN und CDU eine städtische Beteiligung abgelehnt. Jetzt will die CDU, dass dieser Beschluss gefasst wird. Heike Lehmann

Den Stadtverordneten liegt am Mittwoch zu ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause der Beschlussvorschlag zum "Abschluss einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Kloster- und Gerberstadt Doberlug-Kirchhain und der Universität Potsdam zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit zum Reformationsjubiläum 2017 durch den Bürgermeister" vor. Die Verwaltung soll diese Vereinbarung erarbeiten.

Neuer Gesichtspunkt

Nein, das ist kein Dèjá-vu-Erlebnis. Was Anfang Juli mit acht Nein- bei sieben Ja-Stimmen abgelehnt wurde, steht jetzt wortgleich erneut zur Abstimmung. Pikant daran ist, dass der Einreicher CDU im Juli wie die Fraktion WBU/LUN komplett gegen eine solche Kooperationsvereinbarung war. Ein finanziell neuer Gesichtspunkt ist entscheidend für die 180-Grad-Kehrtwende bei den Christdemokraten.

Erzählt werden soll mit der Ausstellung, was aus den letzten Mönchen von Dobrilugk wurde. Wo haben sie nach der Auflösung des Klosters gewirkt? Welche Spuren haben sie hinterlassen? Damit ist Doberlug-Kirchhain ein wichtiges Element für das Reformationsjahr im Landkreis und im Kulturland Brandenburg und Bestandteil des Luther-Passes, für den bereits überregional geworben wird.

Mit dem Nein von Doberlug-Kirchhain entstand eine Finanzierungslücke für das Gemeinschaftsvorhaben vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv, Museumsverbund Elbe-Elster, der Universität Potsdam und eben der Stadt Doberlug-Kirchhain. Die Stadtverwaltung wollte für die wissenschaftliche Recherche eine Kooperation mit der Universität Potsdam, die sich schon mehrfach bewährt hat, auffrischen und die Forschung finanzieren. Doch die WBU/LUN-Fraktion vertrat die Meinung, eine solche Ausstellung träfe nicht das Interesse der Masse der Bevölkerung. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Boxhorn erklärte, "das Reformationsjubiläum findet auch ohne die Kooperationsvereinbarung statt". Argumente für die "Letzten Mönche von Dobrilugk" sowohl von den anderen Fraktionen als auch vom Leiter des Museumsverbundes ließ man abprallen.

Im Haushalt eingeplant

Und: Die 12 000 Euro, verteilt auf die Jahre 2016/2017, wollten diese beiden Fraktionen lieber an anderer Stelle investiert wissen. Auch wenn diese Summe im Haushaltsplan bereits verankert und auch von ihnen mitbeschlossen worden war. Das gesamte Ausstellungsvorhaben wird nach Schätzungen der Beteiligten mit 20 000 Euro beziffert.

In der allgemeinen Reformationsjubiläums-Betriebsamkeit sorgte diese Ablehnung für ein gewisses Unverständnis in der Stadt sowie bei Verantwortlichen. Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) gestern: "Wir wollen diese Ausstellung in der angestrebten Qualität als Mosaikstein unserer Reformationsaktivitäten und für die Außenwirkung von Doberlug." Sofort nach dem Nein der Stadtverordneten und Rücksprache mit Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP) habe er deshalb in seiner Kreisverwaltung "den Arbeitsauftrag erteilt, nach einer Lösung zu suchen". Ein erstes Signal kam am 25. August von Dezernent Roland Neumann. Der Landkreis könne zusätzlich 4000 Euro für die Entlastung der Stadt beisteuern. Bestätigt wurde dies mit Schreiben vom 19. September - auf Bitte des Bürgermeisters, der sich an den ablehnenden Beschluss der Stadtverordneten vor allem aus inhaltlichen Aspekten gebunden sieht. Damit müsste die Stadt nur noch 8000 Euro aufbringen.

Dass die CDU von Doberlug-Kirchhain maßgeblich die Finger im Spiel hatte, um "eine alternative Finanzierungsmöglichkeit" zu finden, wie Boxhorn es darstellt, wollten gestern weder der Landrat noch Dezernent Neumann bestätigen.