Von Heike Lehmann

So oder so ähnlich könnte es jederzeit passieren. Katastrophen nicht ausgeschlossen. Die Feuerwehrkameraden in Elbe-Elster wissen, wie verheerend ein Einsatz werden kann, wenn Gefahrgut im Spiel ist. 1997 wurde eine Explosions- und Brandkatastrophe ausgelöst durch einen mit Benzin und Dieselkraftstoff beladenen Zug der Deutschen Bahn, der wegen überhöhter Geschwindigkeit im Bahnhof Elsterwerda entgleiste. Zwei Menschen starben, acht wurden verletzt.

In dieser Woche haben sich im Rahmen der Gefahrenabwehr insbesondere die im Gefahrgutzug des Landkreises organisierten Wehren schulen lassen. Der Ausbildungszug Gefahrgut der Deutschen Bahn, der einzige seiner Art in Deutschland, war dazu auf ein Nebengleis in Doberlug-Kirchhain gefahren.

Lange Warteliste für Gefahrgutzug-Übung

„Die Deutsche Bahn stellt den Zug kostenfrei zur Verfügung und unterstützt so die Weiterbildung der Feuerwehren“, sagt Schulungsleiter Uwe Lindenberg. Etwa 3500 Feuerwehrleute nutzen diese Unterweisung samt praktischer Übung jährlich. „Es gibt eine lange Warteliste“, so Lindenberg. In der kommenden Woche rollt er mit seinem Zug nach Hoyerswerda. Stationiert ist er in Fulda, wo das Notfallmanagement der DB Netz angesiedelt ist.

„Hier in Elbe-Elster waren wir vor vier Jahren schon einmal. Aber wir wissen, dass das hier eine sensible Ecke ist wegen Elsterwerda“, spielt Lindenberg auf den Katastrophenfall von 1997 an. Er weiß natürlich, dass menschliches Versagen Ursache für den Unfall war. „Die Bremsen des Zuges wurden vor der Fahrt nicht vorschriftsmäßig überprüft.“

Training in Echtzeit

Knapp und eindeutig sind seine theoretischen Ausführungen und einprägsam die Hinweise an die Kameraden zum Schutz der eigenen Gesundheit. Lindenberg weiß, dass er Leute vor sich hat, die ehrenamtlich löschen, retten und bergen und zum Teil schon einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich haben.

Im begehbaren Kesselwagen, einem von vier Waggons, könnte Falk Grahmann dessen Aufbau genau erklären. 65 verschiedene Armaturen und Sicherheitsventile sind dort zu Schulungszwecken verbaut.

Nach Einbruch der Dunkelheit folgt der praktische Übungsteil. Ein eigens vorbereiteter Kesselwagen hat neun verschiedene Löcher oder Risse. Jetzt wird in voller Ausrüstung „und in Echtzeit“, wie Lindenberg sagt, trainiert, wie man die wieder dicht bekommt. Auch wenn es zum Übungszweck nur das eigene Löschwasser ist, das sich die unerlaubten Wege sucht.

Gute Weiterbildungsmöglichkeit

Parallel lassen sich die Kameraden der teilnehmenden Wehren in den noch neuen Gerätewagen Gefahrgut aus Elsterwerda einweisen. Erst Mitte des Jahres konnte im Landkreis Elbe-Elster der Fachbereich CBRN (Gefahrgut, Chemische, Biologische, Radiologische und Nukleare-Erkundung) aufgestellt werden.

Die Schulung am DB-Ausbildungszug in dieser Woche haben der Zugführer und stellvertretende Kreisbrandmeister Mario Harnisch sowie ein Team aus erfahrenen Ausbildern der Freiwilligen Feuerwehren Elsterwerda, Bad Liebenwerda und Mühlberg geplant, begleitet und durchgeführt – gemeinsam mit dem versierten Personal des Notfallmanagement der DB. Feuerwehren aus Elsterland, Elsterwerda und Herzberg übten am Dienstag. Am Mittwoch folgten Kameraden aus Doberlug-Kirchhain. Donnerstag war der letzte Übungstag in Elbe-Elster.

Auch Kreisbrandmeister Steffen Ludewig hat sich vor Ort vom Ausbildungsangebot überzeugt. Er stellte danach fest: „Das ist für jeden Kameraden, auch die die nicht in der Gefahrstoffeinheit organisiert sind, eine fundierte, effektive und gute Möglichkeit, sich weiterzubilden und das taktisch richtige Vorgehen im Gefahrguteinsatz weiter zu festigen.“

Katastrophe
Bahnhofskatastrophe Elsterwerda 20. November 1997 - Bahnhof Elsterwerda mit Benzin gefüllte Kesselwagen explodiert Verwüstungen auf dem Bahnhof

Bildergalerie Katastrophe Bahnhofskatastrophe Elsterwerda 20. November 1997 - Bahnhof Elsterwerda mit Benzin gefüllte Kesselwagen explodiert Verwüstungen auf dem Bahnhof

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