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Ortschronisten
Als der Barbier noch Zähne zog

Mittwochabend öffnet die Sonderschau Handwerk und Gewerbe in den Dörfern des Amtes Kleines Elster im ESC in Massen.  Die  Ortschronisten  wie hier Harri Ruben, Manfred Lehmann, Manfred Kauer  und Wolfgang Bauer (v.l.) – im Bild mit Oksana Kolinska von der Amtsverwaltung – haben sie vorbereitet.
Mittwochabend öffnet die Sonderschau Handwerk und Gewerbe in den Dörfern des Amtes Kleines Elster im ESC in Massen.  Die  Ortschronisten  wie hier Harri Ruben, Manfred Lehmann, Manfred Kauer  und Wolfgang Bauer (v.l.) – im Bild mit Oksana Kolinska von der Amtsverwaltung – haben sie vorbereitet. FOTO: Gabi Böttcher / LR
Massen. Eine spannende Reise in die Geschichte von Handwerk und Gewerbe in den Dörfern des Amtes Kleine Elster kann ab Mittwoch im Energie-Service-Center in Massen unternommen werden. Von Gabi Böttcher

Sieht man in die jüngere Geschichte zurück, so landen die Ortschronisten des Amtes Kleine Elster jetzt ihren dritten gemeinsamen Coup. Nach Ausstellungen über die Wirkungen der beiden Weltkriege auf das Leben in den Dörfern des Amtsgebietes widmen sich die Ortschronisten  diesmal der Geschichte und den Geschichten rund um das Handwerk und Gewerbe in den Dörfern. Nach umfangreichen Vorarbeiten zur Recherche und Materialauswahl geht es seit der vorigen Woche im Bürgersaal des Energie-Service-Centers beim Aufbau der Ausstellung zur Sache. Insgesamt mehr als 30 Schautafeln sind mit Dokumenten und historischen Fotos gestaltet.

Oksana Kolinska als Partnerin von der Amtsverwaltung unterstützt die Ortschronisten mit den einheitlichen Gestaltungselementen für die Tafeln. Entworfen wurden diese von der Lieskauerin Anja Thor, die heute in Weimar lebt. An diesem Vormittag packen Harri Ruben aus Gröbitz, Manfred Lehmann aus Lichterfeld, Wolfgang Bauer aus Sallgast und Manfred Kauer aus Massen im Bürgersaal zu. Die jüngste unter den Ortschronisten des Amtes, Silvana Lehmann aus Lieskau, stößt wenig   später hinzu.

Silvana Lehmann, Ortschronistin in Lieskau.
Silvana Lehmann, Ortschronistin in Lieskau. FOTO: Gabi Böttcher / LR

Insgesamt 14 Ortschronisten haben ihre Beiträge für die Schau geliefert. Während des Ausstellungsaufbaus sprudeln bei den Akteuren die Quellen der Erinnerungen nur so. Manfred Kauer denkt an die Fleischerei Reichel, die in ganz Massen bekannt war und mit der „warmen Wurst“ als besonderer Spezialität aufwartete. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren sei die Existenz  einer eigenen Fleischerei  im Ort ein wahrer Segen gewesen, heißt es in der zur Ausstellung herausgegebenen 86-seitigen Broschüre. Auch die Grenzmühle in Massen, in der Getreide aus der umliegenden Gegend gemahlen wurde, und Lehmanns Walter, der als Mechaniker und  Alleskönner bis heute im Gedächtnis der Älteren  geblieben ist, finden ihren Platz in Ausstellung und Broschüre.

Harri Ruben aus Gröbitz hat seit dem Jahr 1953, als er zum Weihnachtsfest seinen ersten eigenen Fotoapparat in den Händen halten konnte, nicht mehr losgelassen  vom Fotografieren. In acht Alben spiegelt sich so auch Dorfgeschichte wider. Beeindruckt hatte ihn, wie der aus Schlesien stammende  Mühlenbauer Willi Kaiser nach dem Krieg die Mühle des letzten Gröbitzer Müllers Friedrich Gehrick wieder funktionstüchtig machte. „Da konnten wir als Kinder und Jugendliche mithelfen“, erinnert sich Harri Ruben.

Für besonders anschauliche Erinnerungen an das Friseurhandwerk will Wolfgang Bauer aus Sallgast sorgen. Er bringt aus der Sallgaster Heimatstube im Schloss eines der ersten Kopfwaschbecken aus Blech mit. Und weil Friseure um die Jahrhundertwende auch als Heilgehilfen agieren durften, brachten sie neben Kamm und Schere auch Schröpfköpfe und Zahnzangen zum Einsatz. Zu sehen ist in der Schau ebenso der Diamantene Meisterbrief von Herbert Schulze aus Crinitz und eine Urkunde zum Jubiläum „150 Jahre Steinzeugtöpferei Tunsch“.

Wer sich einlässt auf eine Reise in die Geschichte von Handwerk und Gewerbe wird viel Spannendes entdecken. Die Organisatoren hoffen, dass zu den Besuchern viele Schüler gehören werden. Für Silvana Lehmann war es „mein sehr guter Geschichtslehrer in Luckau“, der die Freude an der Beschäftigung mit Geschichte geweckt hatte. 2003 nach Lieskau zugezogen, fand sie dank Ingrid und Manfred Kaiser schnell den Draht zur Geschichte ihres neuen Heimatortes und hält nun das Geschehen hier in Wort und Bild fest. Mit ihren Chronistenkollegen  hofft sie auf viele Gäste im Bürgersaal und großes Interesse an der Broschüre zur Ausstellung.