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RUNDSCHAU-Serie
Geschäftsnachfolge braucht Zeit

Rosemarie Schmidt und Tochter Sabine Goßling im Schreibwaren-Center in der Berliner Straße, hier mit Familie Janetschik aus Falkenberg.
Rosemarie Schmidt und Tochter Sabine Goßling im Schreibwaren-Center in der Berliner Straße, hier mit Familie Janetschik aus Falkenberg. FOTO: Gabi Böttcher
Finsterwalde. Auch in der Sängerstadt stehen in absehbarer Zukunft Generationenwechsel ins Haus. Sängerstadtmarketingverein und City-Manager reichen die helfende Hand. Gabi Böttcher

Das macht einen großen Teil des besonderen, auch von Auswärtigen gelobten Fluidums in der Einkaufswelt der Sängerstadt aus: Vielfach stehen hier Chef oder Chefin selbst hinter der Ladentheke. Und das oftmals seit Jahrzehnten. Und genau hier lauert ein großes Problem, das schon in naher Zukunft nach Lösungen ruft: das Problem der Geschäftsnachfolger. Der Finsterwalder City-Manager Veit Klaue verweist auf die hohe Quote von fast 80 Prozent der Geschäfte in der Stadt, die inhabergeführt sind. Mit einer genauen Zahl der Geschäfte, die spätestens in zehn Jahren an der Weggabelung des Generationenwechsels angekommen sind, kann er nicht dienen. Aber es seien einige. Angelika Schubert, die seit 30 Jahren selbstständig ist und ihr Reformhaus in der Langen Straße bis 2020 führen will, steckt mittendrin in der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. Sie hat vielfältige Kontakte aufgebaut, unter anderem zur Rückkehrerinitiative des Vereins G 3. "Ich habe auch schon Bewerber", freut sich Angelika Schubert. Aber das Ganze sei nicht von heute auf morgen zu lösen. Vor allem gehe es um Fachkompetenz, die natürlich auch in der Zukunft die Basis für die Geschäftstätigkeit sein muss.

"Wir als Sängerstadtmarketingverein unterstützen die Aktivitäten der Geschäftsinhaber natürlich gern. Wir können Kontakte herstellen, ihnen helfend zur Seite stehen", sagt Veit Klaue. Aus Sicht des Marketingvereins sei es natürlich sehr wichtig, die Geschäftsvielfalt in der Stadt zu erhalten. "Deshalb appellieren wir auch immer wieder an alle, mit uns zu reden, mit der IHK zu reden. Die Geschäftsnachfolge ist ein Prozess, der nicht in wenigen Wochen zu regeln ist."

Das unterstreicht auch Steffen Zikoll von City Sport in der Karl-Marx-Straße aus der Kenntnis der Bemühungen von Kollegen in seiner Branche. Mindestens zehn Jahre wolle er selbst noch weitermachen, doch etwa fünf Jahre werde er einplanen, um eine Nachfolge vorzubereiten. Gegenwärtig kämpfe er jedoch weiter mit den Auswirkungen des Straßenbaues und Umsatzeinbrüchen. "Es ist fraglich, ob wir je wieder auf das Niveau vor den Bauarbeiten zurückfinden", markiert er seine Alltagssorgen.

Diese wirken auch bei Rosemarie Schmidt in der Berliner Straße, wo sie seit der Wende ihr eigenes Schreibwaren-Center führt. Ohne ihren Mann Helmut und Tochter Sabine Goßling wäre das nicht zu schaffen. Und so ist die Frage, ob die Tochter nicht einfach mal so alleine die Geschäftsnachfolge antreten könne, nicht mit einem einfachen Ja zu beantworten und deshalb offen. "Nicht ohne Grund machen wir drei das hier gemeinsam. Als Familienbetrieb", sagt Rosemarie Schmidt. Es sei schwer, sich zu behaupten. Zudem zeichneten sich schwierigere Zeiten im Einkauf ab. Früher sind wir nach Leipzig gefahren, jetzt müssen wir nach Hannover oder Nürnberg. Und die Generation jener Vertreter, die noch Interesse an den kleinen Läden hätten und sich um diese kümmerten, verabschiede sich auch nach und nach. Mit einem dieser treuen Vertreter aus Dresden fahre man gemeinsam auf dessen Abschiedstour nach Hannover.

Dass das Einkaufen lokal das beste Mittel gegen sterbende Innenstädte ist, wird City-Manager Veit Klaue nicht müde zu betonen. Aus diesem Grunde nimmt auch Torsten Mayer, gemeinsam mit Christian Kilinski geschäftsführender Gesellschafter der Offenen Handelsgesellschaft (OHG) Buchhandlung Mayer Finsterwalde, die Entwicklung in der Stadt mit großer Anteilnahme wahr. In seinem Falle hat der Generationenwechsel und die Übernahme des Geschäftes von Mutter Marina und Vater Jürgen im Jahr 2015 super funktioniert. "Was mit den anderen Geschäften passiert, betrifft uns direkt", sagt Torsten Mayer mit Blick auf die gesamte Einkaufsstadt Finsterwalde. Er bestätigt aus eigener Erfahrung, dass eine Unternehmensnachfolge langfristig vorbereitet werden müsse. Besonders hilfreich seien für ihn die Zusammenarbeit mit langjährigen Partnern des Steuerbüros und externen Experten aus der Branche gewesen.

Zum Thema:
In der Folge am nächsten Samstag geht die RUNDSCHAU der Frage nach: City-Manager, Gewerbevereine, Werbegemeinschaften, Heimatmärkte - welche besonderen Aktionen und Konzepte gibt es?