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| 07:00 Uhr

Chorjubiläum in der Sängerstadt
Singen hält die Polizisten-Seele gesund

 Jeden Montag um 18.30 Uhr probt der gemischte Polizeichor Finsterwalde in der Ackerstraße 5 unter der Leitung von Monique Fritsche.
Jeden Montag um 18.30 Uhr probt der gemischte Polizeichor Finsterwalde in der Ackerstraße 5 unter der Leitung von Monique Fritsche. FOTO: LR / Jenny Theiler
Finsterwalde. Der Finsterwalder Polizeichor feiert sein Vierteljahrhundert und blickt auf die Höhepunkte der vergangenen Jahre zurück. Eine große Festveranstaltung mit Gründungsmitgliedern und Gästen ist im Juni geplant. Von Jenny Theiler

Musik hat eine heilende Wirkung. Sie steigert die innere Ruhe und baut Stress ab. Dass es in diesem Zusammenhang auch Chorverbände im Polizeiwesen gibt, scheint eine absolut logische Schlussfolgerung zu sein, denn ausgeglichene und verständnisvolle Gesetzeshüter wünscht sich jeder für seine Region.

Bundesweit sind 72 deutsche Polizeichöre erfasst. Auch in der Sängerstadt singt die Polizei – und das bereits seit 25 Jahren. Angefangen hat alles zu DDR-Zeiten, wie sich der Vorstandsvorsitzende Bernd Zschiedrich erinnert. „Jede größere Behörde hatte sich damals auch kulturell zu engagieren. Ich bin in den Chor geschickt worden“, sagt der ehemalige Polizist mit einem Schmunzeln. Das ist aber kein Problem, denn Bernd Zschiedrich ist sowieso ein Freund der Musik und auch ein aktives Mitglied des Spielmannszuges. Im Jahr 1988 schließt sich der Chor des Volkspolizei-Kreisamtes Finsterwalde (VPKA) mit einem Teil des Finsterwalder Frauenchors zusammen. Ein gemischter Chor entsteht. „Nach der Wende kam der damalige Polizeipräsident Jürgen Lüth auf die Idee, diesen gemischten Chor in einen Polizeichor umzuwandeln. 1994 haben wir uns dann als 70. Polizeichor in Deutschland eintragen lassen. Damals waren wir ungefähr 40 Mitglieder“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Die Anfangszeiten sind hart. Viele Chöre haben Anfang der 90er-Jahre Probleme, sich zu halten. Einen neuen Chor zu etablieren, scheint eine doppelt schwere Aufgabe zu sein, zumal Finsterwalde schon sechs Chöre vorzuweisen hat. „Das Finsterwalder Publikum ist daher auch nicht leicht zu beeindrucken. Es war am Anfang schwer, Leute zu finden, die uns hören wollten“, sagt Bernd Zschiedrich. Dennoch bestehen enge Partner- und Freundschaften mit Polizeichören in den alten Bundesländern. Gegenseitige Besuche und rege Kontaktpflege sichern die Auftritte.

„Wir sind ganz schön weit rumgekommen“, findet Bernd Zschiedrich. Der Chor blickt auf 41 Chorreisen zurück. Die Finsterwalder singen unter anderem in Österreich, Tschechien, Litauen, Kanada und auf Mallorca. „Auf Mallorca waren wir zwei Mal. Einmal haben wir dort die Delegiertenkonferenz der Polizeichöre ausgerichtet. Das war etwas Besonderes“, erinnert sich Bernd Zschiedrich. Im litauischen Riga gestalten die Finsterwalder gesanglich einen Gottesdienst und bei einem Spontankonzert in einer Kirche in Kanada begeistert der Chor aus der Sängerstadt die ansässige Gemeinde. „Eigentlich wollten wir nur mal hören, wie die Akustik in der Kirche ist. Auf einmal waren die ersten zwei Reihen voll und wir mussten weitersingen“, erinnert sich Bernd Zschiedrich mit einem Lächeln.

Bei einem internationalen Polizeichorwettbewerb, dem Festepol in Prag 2011, ist der Finsterwalder Chor der einzige deutsche Polizeichor und erhält ein Diplom. Mittlerweile nimmt der Chor kaum noch an Wettbewerben teil. „Je älter die Mitglieder werden, desto schwieriger wird auch die Organisation“, sagt Chorleiterin Monique Fritsche.

Dass Chormusik so langsam aus der Mode zu kommen scheint, macht sich auch im gemischten Polizeichor bemerkbar. Das Durchschnittsalter der insgesamt 33 Mitglieder liegt bei ungefähr 70 Jahren. Nachwuchs gibt es kaum, obwohl Monique Fritsche auch Wert auf Ausgewogenheit im Repertoire legt. „Ein paar moderne Sachen wie Gospels haben wir auch dabei. Aber auf die Klassiker wie Ännchen von Tharau bestehe ich auch“, sagt die Musiklehrerin. „Ich denke, dass Vereinsarbeit in der Kultur mittlerweile einfach deutlich schwerer geworden ist, was daran liegt, dass auch die Freizeitaktivitäten in der heutigen Gesellschaft mehr auf Individualität ausgerichtet sind“, vermutet Monique Fritsche.

Von den aktiven Sängerinnen und Sängern sind nur rund fünf Prozent im Polizeidienst tätig gewesen. „Tatsächlich ist die Polizeizugehörigkeit kein Aufnahmekriterium mehr bei uns“, gibt Bernd Zschiedrich zu. Auch bundesweit sind Polizeichöre nicht mehr rein berufsständisch aufgebaut. Jeder, der Freude an der Musik hat und gern singt, ist willkommen. Anders könnten sich die meisten Chöre auch gar nicht halten.

Das sei allerdings kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Bernd Zschiedrich ist trotz der steigenden Altersstruktur optimistisch und versucht aktuell, über die Inspektionsleitung jüngere Kollegen für den Polizeichor zu begeistern. „Derzeit setze ich mich auch dafür ein, dass dem Gesang derselbe Stellenwert wie den Fitnessaktivitäten innerhalb der Dienstzeit eingeräumt wird. Denn Singen hält ja genauso gesund wie Sport“, sagt Bernd Zschiedrich.

Vor allem aber hält Singen die Seele gesund, wie Chorsängerin Angela Rauer (64) bestätigen kann. „Durch die Arbeit ist es nicht immer einfach, die Probenzeiten einzuhalten, aber es ist immer schön hier. Man vergisst die Sorgen und geht ein bisschen glücklicher nach Hause“, sagt die Finsterwalderin.

 Im Aufenthaltsraum wird die Chorgeschichte dokumentiert. Einige Auszeichnungen bescheinigen den Finsterwaldern sehr gute Leistungen.
Im Aufenthaltsraum wird die Chorgeschichte dokumentiert. Einige Auszeichnungen bescheinigen den Finsterwaldern sehr gute Leistungen. FOTO: LR / Jenny Theiler
 Der ursprüngliche Chor des VPKA in der Erstbesetzung von 1985.
Der ursprüngliche Chor des VPKA in der Erstbesetzung von 1985. FOTO: Bernd Zschiedrich / Privat
 Im Aufenthaltsraum wird die Chorgeschichte dokumentiert. Einige Auszeichnungen bescheinigen den Finsterwalder Sängern sehr gute Leistungen.
Im Aufenthaltsraum wird die Chorgeschichte dokumentiert. Einige Auszeichnungen bescheinigen den Finsterwalder Sängern sehr gute Leistungen. FOTO: LR / Jenny Theiler
 Jeden Montag um 18.30 Uhr probt der gemischte Polizeichor Finsterwalde in der Ackerstraße 5 unter der Leitung von Monique Fritsche.
Jeden Montag um 18.30 Uhr probt der gemischte Polizeichor Finsterwalde in der Ackerstraße 5 unter der Leitung von Monique Fritsche. FOTO: LR / Jenny Theiler
 Der ursprüngliche Chor der VPKA in der Erstbesetzung von 1985.
Der ursprüngliche Chor der VPKA in der Erstbesetzung von 1985. FOTO: Bernd Zschiedrich / Privat