Von Heike Lehmann

„Nach zwei Jahrhunderten kehrt der herrschaftliche Schein nach Doberlug zurück“, freute sich Bürgermeister Bodo Broszinski am Sonntag. Er war an diesem Nachmittag nicht der Einzige in historischem Gewand, denn das Kulturamt des Landkreises Elbe-Elster und das Museum Schloss Doberlug hatten nicht nur zum neuen Ausstellungsdoppel eingeladen, sondern auch zum heiter-höfischen Sommerfest. Die Les Matelos steuerten Tanzmusik des 16. bis 18. Jahrhunderts bei. Die Erbschleicher stimmten barocke Lieder an. Die Torgauer Renaissancetänzer führten historische Tänze vor. Barocke Spiele zum Mitmachen weckten bei so manchem die Spiellaune. Einzig die Big Band Bad Liebenwerda sorgte für schwungvolle modernere Klänge. Zu den Brandenburgisch-Sächsischen Begegnungen hatte der Landkreis Elbe-Elster seine Nachbarregionen eingeladen.

Zuvor wurden die Sonderausstellungen „Wir decken die Tafel. Ein Vorbote der Sammlung Dohna in Doberlug“ und „Alexander Duncker – Chronist brandenburgischer  Adelswelten“ eröffnet. Das Museum Schloss Doberlug hat seit seiner Gründung 2015 knapp 40 000 Besucher angelockt, wie der Beigeordnete und Dezernent für Bildung, Jugend, Kultur, Gesundheit und Soziales des Landkreises, Roland Neumann, betonte. Auch Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil würdigte Schloss Doberlug als „attraktiven Kulturstandort“. Sie erklärte: „Dass die Sammlung Dohna mit ihrer kulturhistorisch außerordentlichen Bedeutung hier gezeigt werden kann, ist eine glückliche Fügung jüngster deutscher Geschichte.“ Die im Obergeschoss fürstlich gedeckte Tafel – eine Idee von Sammlungskustodin Claudia Meckel, umgesetzt in Kooperation der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und des Museums Schloss Doberlug – soll Appetit machen auf die Dauerausstellung zur Adelskultur im kommenden Jahr. Das Geschlecht der Burggrafen zu Dohna war eine der einflussreichsten Familien in Sachsen und später in Ostpreußen. Der letzte Schlossherr, Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten, konnte einen Großteil des Kunstinventars kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges retten. Das Schloss Schlobitten existiert nicht mehr.

Der Sammelleidenschaft von Dr. Rainer Ernst, erster Leiter vom Museumsverbund Elbe-Elster, ist die zweite Sonderausstellung zu verdanken. Sie zeigt – zeitgleich auch im Sänger- und Kaufmannsmuseum Finsterwalde – Illustrationen von Herrensitzen des Königreichs Preußen, die der Verleger Alexander Duncker im 19. Jahrhundert anfertigen ließ. Sie schlägt einen spannenden Bogen zum diesjährigen Fontane-Jubiläum. „Was der eine schrieb, ließ der andere zeichnen“, sagte Babette Weber, Leiterin vom Museumsverbund Elbe-Elster. Neben den historischen Ansichten hängen aktuelle Fotografien, die der Radeberger Fotograf Burghard Schade „mit Akribie und Leidenschaft“ aufgenommen hat. „Er hat 55 Orte in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Polen aufgesucht“, so Babette Weber. Die Gröbitzer Künstlerin Stephanie Pfeiffer schloss mit neun Zeichnungen von Schlössern im Elbe-Elster-Land, darunter Doberlug und Finsterwalde, die Lücken, die Alexander Duncker hinterließ. Seit dem Frühjahr hat sie daran gearbeitet.

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr; Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro.