Was in anderen Städten üblich ist, scheint in Mühlberg nicht zu den Gepflogenheiten einer guten Zusammenarbeit zwischen Abgeordneten und Stadtverwaltung zu gehören. Bürgermeister Dieter Jähnichen hielt es als Vorsitzender des Hauptausschusses und damit Einladender offenbar nicht für notwendig, seine Amtsleiter einzuladen. Nicht einmal Hauptamtsleiter Uwe Kaupsch wurde hinzugezogen, obwohl es um die fristlose Kündigung von Bauamtsleiter Klaus Villmow vor wenigen Tagen ging, die in der Öffentlichkeit für viele Diskussionen gesorgt hatte (die RUNDSCHAU berichtete).
Warum Jähnichen auf die Anwesenheit seiner Amtsleiter in dieser Sache wenig Wert gelegt hat, war gestern nicht zu erfahren. Der Bürgermeister ist im Urlaub und war auch für die RUNDSCHAU nicht erreichbar. So bleibt die Frage offen, warum der Bürgermeister nicht das Ende der staatsanwaltlichen Ermittlungen bezüglich des Korruptionsverdachtes gegen Villmow im Zuge der Beseitigung von Hochwasserschäden abgewartet hat.
Wie zu erfahren war, ist der Hauptausschuss in der Meinung zu dieser Sache gespalten. Jähnichen soll nun in der nächsten Stadtverordneten-Versammlung eine Erklärung bezüglich seiner raschen Entscheidung abgeben. Sollte dies erneut hinter verschlossenen Türen erfolgen, dürfte dies mit Sicherheit den Unmut vieler Mühlberger hervorrufen, denn so mancher hat inzwischen angekündigt, bei dieser Sitzung anwesend sein zu wollen.
Klaus Villmow beteuerte gestern, wie auch schon zuvor gegenüber der RUNDSCHAU, dass er sich nichts vorzuwerfen habe. Er habe seit Beginn seiner Bauamtstätigkeit im Oktober 1990 stets korrekt zum Wohle der Stadt gearbeitet. Bis gestern habe er durch den Bürgermeister keine Möglichkeit erhalten, um zur Sache gehört zu werden. „Ich habe gestern über meinen Rechtsanwalt Widerspruch gegen die fristlose Kündigung einlegen lassen“ , sagte er auf Nachfrage.
Ein Ende der Ermittlungen sei nicht absehbar, schätzte gestern der mit der Untersuchung des Korruptionsverdachts beauftragte Oberstaatsanwalt Frank Winter in Neuruppin ein. „Die Ermittlungen laufen noch, denn es ist äußerst langwierig, da wir alle uns zur Verfügung stehenden Unterlagen sichten müssen.“ Die Vorwürfe würden sich auf Mühlberg konzentrieren.
Durchsuchungen, so das Landeskriminalamt (LKA), habe es in mehreren Kommunen gegeben. Derzeit werde das dort gefundene Beweismaterial noch immer durch das Dezernat Korruption ausgewertet, so die stellvertretende LKA-Sprecherin Bärbel Cotte-Weiß auf Nachfrage.