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| 18:44 Uhr

Gegen die Telekom: Einzige Telefonzelle in Tröbitz soll bleiben

Roswitha Standfuß ist wie Klaus-Dieter Große (r.) schon seit DDR-Zeiten Gemeindevertreter in Tröbitz. Bürgermeister Holger Gantke hat beide jetzt verabschiedet.
Roswitha Standfuß ist wie Klaus-Dieter Große (r.) schon seit DDR-Zeiten Gemeindevertreter in Tröbitz. Bürgermeister Holger Gantke hat beide jetzt verabschiedet. FOTO: Dieter Babbe
Tröbitz. Die Telefonzelle an der Kaufhalle – die einzige, die es im Dorf gibt – soll abgebaut werden. Im vorigen Jahr ist sie nicht ein einziges Mal genutzt worden, argumentiert die Telekom. -db-

"Ich bin dafür, dass sie trotzdem stehen bleibt. Bei einem Notfall ist es wichtig, ein Telefon in der Nähe zu haben. Nicht jeder besitzt schließlich ein Handy", hält Roswitha Standfuß dagegen. Und die anderen Gemeindevertreter stimmten ihr ohne eine Gegenstimme zu.

Es war am Montagabend das letzte Mal, dass die 64-Jährige die Initiative ergriffen und die Hand in der Gemeindevertretung gehoben hat. Roswitha Standfuß ist seit vier Jahrzehnten Abgeordnete in Tröbitz, sie tritt bei der Kommunalwahl nicht wieder an. "Fünf Bürgermeister habe ich erlebt, mit allen habe ich gut zusammengearbeitet, aber auch immer ein kritisches Wort gesagt, wenn es notwendig war", berichtet die Frau, die im Dorf von vielen geschätzt wird - und die auch weiß, wie wichtig ein Telefon sein kann. Viele Jahre hat sie sich zu DDR-Zeiten als Gemeinde-"Schwester Roswitha" um die Wehwehchen der Leute gekümmert - bis die Wende kam. "Jetzt will man die Gemeindeschwester wieder einführen", ärgert sich Roswitha Standfuß über die späte Erkenntnis. Auch den Seniorenklub hat sie 30 Jahre lang geleitet, den Judenfriedhof gepflegt und nach der Wende den Weihnachtsmarkt aus der Taufe gehoben.

"Kürzer treten" will jetzt auch Klaus-Peter Große. Der 62-Jährige kam Mitte der 80er-Jahre über die VdgB in die Gemeindevertretung und hat die Geschicke von Tröbitz seitdem mitbestimmt. "Klaus-Peter hat als Elektriker viel kostenlos für die Gemeinde gemacht", lobt Bürgermeister Holger Gantke seinen Stellvertreter - der nicht mehr kandidieren will. "Als verschuldete Gemeinde ist es wie früher: Man hat kaum Handlungsspielraum und bekommt von oben viel vorgeschrieben", sagt der langjährige Gemeindevertreter nicht ohne Frust. Klaus-Peter Große will sich nun mehr seinen Hobbys widmen. "Ich werde jetzt mit dem Imkern anfangen. Voriges Jahr habe ich meinen Angelschein gemacht."

In der letzten Sitzung der alten Gemeindevertretung verabschiedete Bürgermeister Gantke beide und dankte ihnen mit einem Blumenstrauß. Alle anderen Gemeindevertreter wollen bei der Kommunalwahl wieder kandidieren - auch Holger Gantke erneut für das Bürgermeisteramt.