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| 16:15 Uhr

Zeit zur Orientierung
Geben und Nehmen auf dem Atelierhof

Mila Brankatschk (M.) hat als Bundesfreiwillige auf dem Atelierhof in Werenzhain gearbeitet. Das war auch für Maysun Kellow (l.) und Iris Stöber vom Verein eine wertvolle Erfahrung.
Mila Brankatschk (M.) hat als Bundesfreiwillige auf dem Atelierhof in Werenzhain gearbeitet. Das war auch für Maysun Kellow (l.) und Iris Stöber vom Verein eine wertvolle Erfahrung. FOTO: Heike Lehmann
Werenzhain. Mila Brankatschk hat als Bundesfreiwilligendienstlerin in Werenzhain wertvolle Erfahrungen gesammelt. Von Heike Lehmann

Mila Brankatschk ist 19 Jahre alt, wohnt in Finsterwalde, ist aber in Leipzig geboren und in Bautzen aufgewachsen. Nach dem Abitur hat sie ein Bundesfreiwilligenjahr auf dem Atelierhof in Werenzhain geleistet. „Ein Jahr zum Abschalten und zur weiteren Orientierung“, wie sie sagt.

Der Kunstverein Atelierhof Werenzhain e.V. wurde 1996 von Künstlerinnen aus Ost und West gegründet. Mit dem Erwerb des ehemaligen Lehn-Schank-Gutes Werenzhain wurde ein Ort zur Förderung von Künstlerinnen geschaffen. Die Arbeit des Vereins zielt auf überregionale Aufmerksamkeit, wie auf die Bereicherung des Kunst- und Kulturlebens vor Ort.

„Mila war der erste jüngere Bufdi, den wir beschäftigt haben“, sagt Iris Stöber vom Verein. Seit 2013 biete man Bufdi-Stellen an, um auch die Öffnungszeiten erweitern zu können. Meist waren es ältere Arbeitnehmer für eine halbe Stelle – „wir hatten schon Gärtner und Maurer“, so Iris Stöber, „die uns sehr in Haus, Hof und Garten geholfen haben“. Eingebunden ist für alle ein Bildungstag, der für Museums- und Künstlerbesuche oder auch mal zu einer Lehrwanderung mit Förster Fritz Quitter genutzt wird.

Mila Brankatschk hatte sich für ihr „Orientierungsjahr“ verschiedene Dinge angesehen, auch für ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Neuen Bühne in Senftenberg beworben, dort allerdings eine Absage bekommen. Vom Atelierhof kam hingegen relativ schnell eine Zusage. „Andere haben sich bis heute nicht zurückgemeldet“, sagt sie. Den Atelierhof kannte sie, weil sie mit einer Finsterwalder Tanzgruppe unter der Leitung von Laura Siegmund vor vielen Jahren dort einige Auftritte hatte.

Dienstags bis freitags hat Mila  auf dem Hof gearbeitet. Dazu im Sommer sonntags und im Winter montags, wobei im Winter, außerhalb der Ausstellungssaison, auch die Zeit war, Urlaub zu machen. Frühjahrsputz vor der Saison, Hof und Küche sauber halten, Flyer verteilen, Computerrecherche, die Tombola zum Weihnachtsmarkt und sonntags hinter der Bar Kaffee und Kuchen verkaufen gehörte zu Milas Aufgaben. Sie hat auch an verschiedenen Kunstkursen auf dem Hof teilgenommen, so Grundlagen des Vergoldens und des Filzens kennngelernt. Und sie war am Projekt für ein Wandbild in der Erstaufnahmeeinrichtung in Doberlug-Kirchhain beteiligt. Weil 2017 das Lutherjahr war, an dem sich auch der Atelierhof künstlerisch beteiligt hat, war Mila Brankatschk in die Mitmach-Veranstaltung „Das doppelte Luttchen“ mit der Performerin Bridge Marklund eingebunden. Mila hat den Spaziergang mit aufgebaut, sich bei der Ideensammlung und den Requisiten eingebracht. „Ich war die sterbende Tochter von Luther, habe aber eigentlich mehr im Hintergrund gewirkt“, sagt sie. Dabei hat sie durchaus einen Hang zur Schauspielerei, hat sogar mal beruflich damit geliebäugelt. Kein Wunder, denn Vater, Oma und Tante sind Schauspieler am Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen. Mila ist sorbisch aufgewachsen, hat bis zur 5. Klasse eine sorbische Grund- und Mittelschule besucht. Es wurde auch in der Familie, von Mama, Papa und Uropa, darauf geachtet, dass sie sorbisch spricht. Sie sagt: „Wir sind eine Minderheit ohne eigenes Land.“ In der 11./12. Klasse hat sie in einer Seminararbeit „Die politische Entwicklung der Sorben  in der NS-Zeit und beim Übergang in die DDR“ beleuchtet. „Ich bin stolz, sorbisch zu können und sorbisch zu sein.“

Den Frauen vom Kunstverein war Mila mit ihrem jugendlich unbeschwerten Umgang mit den modernen und sozialen Medien eine große Hilfe. „Das brachte die Möglichkeit, ein bisschen anderes zu werben“, sagt Iris Stöber. Aber auch der sorbische Hintergrund, die sorbischen Wurzeln waren für die Werenzhainerinnen interessant.

Ab Oktober will Mila Brankatschk in Cottbus drei Jahre Sozialpädagogik studieren und sich dann vielleicht in Richtung Theaterpädagogik weiterbilden. Bei diesem Entschluss habe ihr das Jahr in Werenzhain sehr geholfen. „Mila hat sich bei uns gut entwickelt, ist selbstständiger und selbstbewusster geworden. Die Teamarbeit und Mitarbeit haben sie geprägt“, bescheinigen ihr die Werenzhainer Mentorinnen.