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Ganz schön abgehoben

Die zweifache Deutsche Meisterin im Kunstflug, Kathi Suthau (Mitte), ist viel gefragt beim Flugplatzfest in Finsterwalde.
Die zweifache Deutsche Meisterin im Kunstflug, Kathi Suthau (Mitte), ist viel gefragt beim Flugplatzfest in Finsterwalde. FOTO: Torsten Pötzsch/top1
Finsterwalde. Der Finsterwalder Luftraum, besonders der über dem Stadtteil Heinrichsruh, war am vergangenen Wochenende wohl einer der meistfrequentiertesten Deutschlands. Die Männer und Frauen des Flugsportvereins "Otto Lilienthal" luden zur 24. Auflage ihres Flugplatzfestes und die Finsterwalder und Gäste der Sängerstadt strömten in Scharen an den Stadtrand. Torsten Pötzsch / top1

Viele mit dem Vorsatz, einmal richtig abzuheben. Ganz nebenbei gab es noch ein Jubiläum zu feiern, denn 1932 wurde in Finsterwalde der Flugbetrieb aufgenommen, also vor 85 Jahren.

Ob mit einer SLIN 142, Cesna 172, einer polnischen WILDA, Hubschrauber oder Segelflugzeug, im Minutentakt gab es Starts und Landungen. Die Flugleiter Philipp Grundke und Jörg Schwieding hatten alle Hände voll zu tun, um den Überblick zu behalten. "Auf mehr als 120 Starts und Landungen werden wir wohl an diesem Wochenende kommen", so der Cottbuser Detlef Albinos. Er ist seit zwei Jahren der Chef des Vereins. Es war sein erstes Flugplatzfest, nachdem er Wilfried Arlt "beerbt" hat. Doch ganz loslassen kann Wilfried Arlt noch lange nicht, er moderierte das Geschehen am Himmel und wartete mit einem unschlagbaren Fachwissen zu jedem Fluggerät auf. Mit Detlef Albinos haben die Finsterwalder Flugsportfreunde wohl einen der erfahrensten und routiniertesten Piloten des Landes. 20 Jahre lang war er Landesausbildungsleiter. In seinem Logbuch stehen mehr als 4300 Starts. Und er fühlt sich sichtlich wohl in der Sängerstadt. "Das passt hier einfach alles, das Fest, die Leute, meine Mitstreiter, die Bedingungen, einfach super. Alles wurde "generalstabsmäßig" vorbeireitet. Einen dicken Dank an unsere Frauen, die sich hier um alles kümmern, damit die Gäste sich wohl fühlen."

Nicht nur Flugzeuge gucken, sondern selbst abheben, mit diesem Vorsatz pilgerten die meisten Gäste an den Stadtrand. So wie Diana Kubusch aus Altdöbern. Ihr Sohn Chris ist selbst Segelflieger. Er überredete sie: "Los, mach das Mutti..., du wirst es nicht bereuen!" Und in der Tat, nach einer weichen Landung stieg Diana Kubusch überglücklich aus dem Segelflieger. "Ich weiß ja nicht, was noch kommt, aber das waren definitiv die zehn aufregendsten Minuten des Jahres für mich. Dieses Gefühl des Dahingleitens ist einfach unbeschreiblich. Die Piloten sind alles echte Profis und verstehen es wundervoll, einem die Angst und Bedenken zu nehmen. Alles wurde immer genau erklärt, jedes Detail, jedes Manöver und man hatte immer das Gefühl von großer Sicherheit." Dann schwärmte sie noch von der "tollen Optik" und wie "genial" es sei, Finsterwalde einmal aus der Vogelperspektive zu sehen.

Obwohl eher klein und zierlich war am vergangenen Wochenende Kathi Suthau aber der große Star. Sie ist zweifache deutsche Meisterin im Kunstflug, hat derzeit die EM Anfang August in Tschechien fest im Visier. Sie beeindruckte mit ihrer Persönlichkeit, vor allem aber mit ihren Flugkünsten am Sängerstadthimmel. Die mehr als 300 PS ihrer Rheinsdorf 325 beherrschte sie perfekt. Drei Mal täglich demonstrierte sie ihr Können. Ein unglaublicher Akt, wenn man bedenkt, dass bei einigen Manövern mehr als 8 G, also das Achtfache ihres Körpergewichts, auf sie lasten. In Finsterwalde war die aus Hennickendorf stammende Fliegerin das erste Mal, obwohl es für sie die Anreise nur zehn Flugminuten dauerte. "Ich weiß auch nicht warum, denn es ist hier einfach traumhaft. Die Bedingungen sind genial, das Objekt ist genial und die Leute halten zusammen wie Pech und Schwefel." Obwohl "abheben" zu ihrem Lebenssinn gehört, ist die sympathische Fliegerin kein bisschen "abgehoben". Gern und bereitwillig erklärte sie jedem, der es wissen wollte, Details zu ihrem Sport und zu ihrer Maschine. Am Ende des Tages stand für sie dann auch fest, dass sie sicherlich nicht das letzte Mal in Finsterwalde war, wenn sie denn wieder eingeladen wird. Nun ist das 24. Flugplatzfest schon wieder Geschichte. Es herrscht wieder Ruhe am Finsterwalder Himmel und wie bei allen vorangegangenen Festen lief alles wie geplant. Alle sind wohlbehalten auf dem Boden angekommen.