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Ganz Münchhausen eine Bühne

Die Backfrauen verwöhnten die Gäste des Festumzuges mit frisch gebackenem Blechkuchen.
Die Backfrauen verwöhnten die Gäste des Festumzuges mit frisch gebackenem Blechkuchen. FOTO: Jana Zadow-Dorr/jzr1
Münchhausen. Die Münchhausener haben am vergangenen Wochenende zwar schon ihr 35. Erntefest gefeiert – aber nur aller fünf Jahre ziehen sie damit durchs Dorf. In diesem Jahr war es endlich wieder soweit. Jana Zadow-Dorr / jzr1

Während woanders an diesem Sonntag die Glocken zum Kirchgang riefen, gaben die Kirchglocken von Münchhausen den Startschuss zu einem liebevoll zusammengestellten Festumzug aus Anlass des 35. Erntefestes. Rechts und links der Dorfstraße reihten sich die Gäste aus nah und fern. So aus Hohenbucko Petra Kirchner mit Enkelin Lea, die mit großer Spannung das Spektakel erwarteten.

Gleich drei Barone begleiteten den Umzug als Moderatoren. Wie viel Flunkerei Karsten Höhne, Thomas Schulze und Enrico Weiß in ihre Moderation einbauten, mag nicht nachvollziehbar sein - sie selbst jedenfalls präsentierten sich als jüngste Erfindung des Traditionsvereines. Susanne Gardegast, seit 1993 begeisterte Münchhausnerin und von Beginn an Mitglied im Traditionsverein, dazu: "Wir haben ja schon seit längerem unseren bereits bekannten Lügenbaron, der auch dieses Mal auf seiner Kanonenkugel sitzend durchs Volk zieht. Deshalb kam mir die Idee, (Lügen-)Barone den Umzug moderieren zu lassen. Aber das war nur eine von vielen Ideen, die von uns allen hier aus dem Dorf kamen, um das Erntefest gebührend zu feiern."

Der Umzug, der sich durch das ganze Dorf zieht, nimmt seinen Lauf: Mit dem ältesten Einwohner, dem 87-jährigen Hubert Laske, und dem jüngsten Einwohner, dem etwa vier Wochen jungen Elias Auras. Zur Gesamteinwohnerzahl von Münchhausen befragt, gibt Ortsvorsteher Werner Busse die Antwort: "Etwa 300. Aber das ändert sich fast täglich, denn wir bekommen viel Nachwuchs im Dorf!"

Dementsprechend präsent sind unzählige kleinere und größere Kinder im Umzug: Entweder auf dem Traktor der Eltern oder Großeltern mitfahrend, bäuerlich gestaltete Wagen begleitend, Instrumente spielend im Wagen der "Jungen Musikanten", als Nachwuchsbarone oder als Mitglieder der Kita "Wichtelland". Letztere wird seit einigen Jahren erfolgreich als Elternverein in Eigenregie im Ort geführt - damals drohte wegen zu geringer Kinderzahl die Schließung.

Zu den 58 Schaubildern, die allesamt das Thema "Münchhausen im Wandel der Zeit" aufgreifen, gehören auch die "Klosterbrüder". Sie stehen ebenfalls als Leitfiguren für Münchhausen. Doch nicht erfunden - sondern mit geschichtlichen Fakten belegt: Um 1200 entstanden durch die Gründung des Klosters Dobrilug zahlreiche Siedlungen. So auch "Mönchhausen" mit seinen verschiedensten Schreibweisen, bei dem sich während der vergangenen Jahrhunderte das "ö" zum "ü" entwickelte.

Mit Umzug und Erntefest wollen die Münchhausener vor allem eines, wie der Vorsitzende des Traditionsvereins, Arnim Westrup, betont: "Wir wollen die dörflichen Traditionen bewahren und pflegen!" Das spiegelt sich deutlich in den alten Landmaschinen und Bauernwagen wider, die Teil des Umzuges sind. Und da gibt es die Frauen mit riesigen Rüben und Rübenhacke, die Sensenklopfer, Kiepenträgerinnen mit Kartoffelhacke, die Müllerin oder die Männer, die das Dreschen mit der Hand demonstrieren.

Großes Augenmerk gilt gleichfalls allen Unternehmern, welche in Münchhausen entweder schon immer leben und arbeiten oder so nach und nach in das Dorf gezogen sind. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass viele von ihnen den Umzug mit gestalten. Zum Beispiel der älteste Handwerksbetrieb, der Malerbetrieb Auras. Zahlreiche Baugeschäfte, eine Schmiede oder Kfz-Meister Gerhard König, der vor aller Augen während des Umzuges Autoreifen aufzieht.

Zwischendurch kommt das Glück ganz in Schwarz daher: Schornsteinfeger Sprotte und Kollegen lassen sich gern auch mal anfassen, währenddessen Tochter Susanne Gardegast als Glücksbringerin Gaben verteilt. Glücksbringerin ist sie gleichfalls für den Traditionsverein, da sie vor zwei Jahren die Internetseite www.erntefest-muenchhausen.de einrichtete und seither betreut. Der Ortsvorsteher resümiert: "Rund 90 Prozent unserer Einwohner waren heute für unsere Gäste auf den Beinen - da gilt allen ein riesiges Dankeschön!"