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Tourismus im Aufwind
Gäste steuern gezielt Elbe-Elster an

Andreas Bayer hat sich mit der Pension „Alte Meisterey” in Mühlberg einen Traum erfüllt und ist gern Dienstleister. Er setzt nicht nur auf Radfahrer, will das ganze Jahr Gäste empfangen.
Andreas Bayer hat sich mit der Pension „Alte Meisterey” in Mühlberg einen Traum erfüllt und ist gern Dienstleister. Er setzt nicht nur auf Radfahrer, will das ganze Jahr Gäste empfangen. FOTO: Corinna Karl
Elbe-Elster. Die Übernachtungszahlen im Landkreis steigen. In den Herbergen herrscht gute Stimmung. Von Sylvia Kunze, Heike Lehmann und Manfred Feller

Das Elbe-Elster-Land ist kein touristisches Hauptzentrum, gehört aber nach Angaben der IHK Cottbus bei den Gästezahlen zu den Wachstumsregionen, die in Brandenburg ganz vorn liegen. Bereits vor der Hochsaison im Vorjahr lag der Zuwachs bei annähernd zehn Prozent. Absolut ist Elbe-Elster allerdings noch weit entfernt von den Gäste- und Übernachtungszahlen der Spitzenreiter Spreewald, Dahme-Seenland und Lausitzer Seenland. Dennoch sind die meisten Gastgeber zufrieden.

Über einen stetigen Anstieg der Übernachtungszahlen freut sich Reinhard Scholz vom Hotel „Zum Vetter“ in Finsterwalde. Dieser Trend hält sich schon einige Jahre. „2017 hatten wir wieder mehr Gäste als im Vorjahr“, sagt er. 16 Zimmer, eine Suite und zwei Appartements bietet das 3-Sterne-Hotel in der Langen Straße. Den größten Anteil an Hotelgästen machen allerdings Geschäftsreisende aus, gibt Reinhard Scholz zu. Dennoch: Im Hotel „Zum Vetter“ steigt auch die Zahl der Touristen. Vor Jahren waren die Sommermonate nicht so gut gebucht wie heute. Scholz begründet: „Finsterwalde ist eine Stadt, die viel bietet. Wir haben auch Gäste, die das Besucherbergwerk F 60 ansteuern oder den Lausitzring. Radtouristen und deutsche Urlauber, die für Kurztripps in unserer Region landen, buchen bei uns. Und das sind nicht nur Senioren.“ Am gefragtesten ist das jeweilige Sängerfest-Wochenende. „Da haben wir jetzt schon erste Anfragen für 2020“, so Scholz.

„2017 war super gut. Auch dieses Jahr winken volle Bücher“, ist Grit Noel, Inhaberin des Landhauses in Gröden, sehr zuversichtlich. Im Vorjahr hat sie das Landhaus mit 40 Schlafmöglichkeiten in Mehrbettzimmern und die fünf Bungalows gekauft. Nun besitzt sie mehr Entscheidungsspielraum für Investitionen. „Mein Ziel sind 100 Übernachtungsmöglichkeiten“, sagt sie selbstbewusst. Die Landhaus-Chefin setzt auf den Kindertourismus mit Ferienlagern und Klassenfahrten. Sie wirbt dafür bis nach Dresden und hat aufgrund der Grenzlage zu Sachsen Erfolg. Das Schradenland mit seiner wunderschönen Landschaft, wie sie schwärmt, biete für bewegungs- und entdeckungsfreudige Kinder ideale Gegebenheiten. Sie plant: „Ich möchte das Landhaus zu einem außerschulischen Lernort für Waldpädagogik entwickeln.“

Rechtzeitig zum Lutherjahr hatte Andreas Bayer, Inhaber der Pension „Alte Meisterey“ in Mühlberg, umgebaut und erweitert. Er bietet seinen Gästen fünf Zimmer und eine Ferienwohnung. Seine Gäste sind im Wesentlichen Radwanderer auf dem Elbe-Radweg. „Zu uns kommt ganz Deutschland“, sagt er. 2017 waren es besonders viele Berliner. In den Vorjahren sind es auch zahlreiche Dänen, Niederländer, Österreicher und Schweizer gewesen. Und die Gruppen werden immer größer, die die Bed- und Bike-Pension ansteuern.

Ralf Zwiebel von der Pension „Zwiebels Grillhütte“ am Tierpark in Herzberg hat für seine kleine Pension 2017 mehr touristische Übernachtungsgäste gezählt. Er sagt: „Das waren vor allem Rad- und Motorradfahrer, die sich spontan entschlossen haben, noch etwas Zeit in Herzberg und der Region dranzuhängen.“

Mit einer Auslastung von rund 70 Prozent übers Jahr gesehen ist Eberhard Bieligk vom Bieligkhof in Bad Liebenwerda durchaus zufrieden. „Das ist ein sehr guter Wert“, sagt er. Die acht Zimmer mit 19 Betten waren von April bis in den Dezember hinein gut nachgefragt. Sehr viele Buchungen gebe es bereits für 2018. Übernachtungsgäste sind vornehmlich Dienstreisende, Monteure, Besucher der Kurkliniken, aber auch Touristen. Das ländliche Umfeld und der eigene Streichelzoo kämen sehr gut an.

Im Ferienlager „Goldpunkt“ am Körbaer See muss sich Betreiber Heiko Fieber sehr anstrengen, einen Aufwärtstrend in Sachen Beherbergung zu entdecken. Die nicht so gute Lage – „wir sind für alle, egal ob Berliner, Dresdner oder Leipziger, ein kleines, aber entscheidendes Stück zu weit weg“ – und eine an sich recht kurze Saison, das seien Faktoren, die er nur schlecht beeinflussen könne. Monteure und andere Übernachtungen retten die Jahresbilanz. Die Gästenachfrage sei aus seiner Sicht eher gleichbleibend, mit sehr viel Wohlwollen betrachtet „mit ganz leichtem Trend nach oben“. Insbesondere „die Campinggeschichte wächst langsam“, allerdings wirke leider Negativpresse vergangener Jahre noch immer nach, ärgert er sich.

Von Gästen aus ganz Europa berichtet Werner Jünigk von Werners Landgasthaus in Lieskau. „Schweden, Dänen, Franzosen machen hier Station. Auch Belgier waren mit Fahrrädern da“, erzählt er. Sieben Zimmer mit elf Betten bietet das Haus an der B 96. Die Gäste bleiben längstens ein paar Tage. Aber: Werner Jünigk sagt, er hat mehr Anfragen, als er Gäste aufnehmen kann.