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Gäste auf attraktiven Touren verwöhnen

Doberlug-Kirchhain. Elbe-Elster will Gäste mit Genießer-Touren anlocken und hat mit Pro agro einen starken Partner an der Seite. Jetzt kommt es auf die Akteure im Landkreis an. Erste Reaktionen stimmen zuversichtlich. Gabi Böttcher

Der Gasthof "Zur Linde" am Seddiner See ist eine von 13 Stationen der "Kleinen Linden-Tour". Diese wiederum ist eine von derzeit 12 Genießer-Touren in Brandenburg. Das Pilotprojekt im Fläming ist im vorigen Jahr mit dem Marketingpreis des Brandenburger Agrarvermarktungsvereins Pro agro ausgezeichnet worden. Linden-Chef Ralf Weißmann und Tobias Donth, Projektleiter bei Pro Agro, legten in dieser Woche im Schloss Doberlug eine Glanzleistung in Sachen Motivation hin. Sie haben die Basis dafür. Denn mit den sympathisch aufgemachten Flyern der Genießer-Touren und vor allem den Erfahrungen von Akteuren im Gepäck machten sie heimischen Akteuren Mut zur Nachnutzung der bereits erprobten Idee. Ralf Weißmann: "Machen Sie Gästen ein klares Angebot. Machen Sie ihnen den Bauch voll, den Kopf voll und den Kofferraum voll. Planen Sie ihre Tour mit Leuten, die sich auskennen in der Region." Im Landkreis Potsdam-Mittelmark habe der Landrat sogar zusätzliche Schilder für den Genießer-Touren-Rundweg ermöglicht.

Susanne Dobs, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Elbe-Elster-Land: "Ich bin glücklich aus der ersten Veranstaltung gegangen. Jetzt gehen wir an das Zusammenstellen von Touren in Elbe-Elster." Gut 20 Interessenten waren der Einladung ins Schloss gefolgt, weitere 25 haben ihr Interesse an der Initiative bekundet.

Tobias Donth: "Steigen Sie auf den Zug auf, der bereits fährt. Wir wollen die Reichweite der Genießer-Touren auf ganz Brandenburg ausweiten. Das Land hat viel zu bieten. Die Hauptfinanzierung kommt zum Start aus Projektmitteln. Wir erstellen die Flyer, übernehmen die online-Vermarktung. Partner der Tour kommen anteilig mit ins Boot." Auf die Frage von Kerstin Jahre von der Touristinformation Bad Liebenwerda, wie hoch der Anteil der Partner sein werde, entgegnete Donth: "Das hängt vom Partner ab, ein Künstler zahlt vielleicht 50 Euro, aber keiner zahlt mehr als 200 Euro."

Paul Böckelmann aus Altenau, der das Fehlen von Gastronomen aus dem Elbe-Städtchen Mühlberg bedauerte, zeigte sich aus Erfahrung skeptisch. Von 1000 Gästen kämen vielleicht drei in seine Galerie. Ralf Weißmann entgegnete enthusiastisch: "Wenn man nichts in den Topf reintut, dann kommt auch nichts raus." Weißmann schwört auf das durch die Genießer-Touren entstandene Netzwerk der "Selbstverantwortung und des gegenseitigen Empfehlungsmanagements". Nur diese Zutaten würden zum Start notwendig sein: Ein Foto vom Gasthof oder touristischem Angebot, eine kurze Geschichte dazu und ein klares Angebot für den Gast von jedem Akteur entlang der jeweiligen Genießer-Tour. "Nehmt das Weihnachtsgeschenk der EU an, geht nach Hause und macht mit", legte er den Anwesenden ans Herz. Torsten Hannemann aus Doberlug-Kirchhain: "Es ist fünf Minuten vor Zwölf. Ich hatte vor fünf Jahren noch drei Gaststätten. Alle sind zu. Und ich befürchte, dass es weiteren so ergehen könnte, wenn nichts passiert."

Marketingexperte Veit Klaue aus der Sängerstadt drängte auf einen sofortigen Gedankenaustausch zu den Touren. "Voraussetzung ist es zu wissen, was der Nachbar macht, unsere Kleinode und Geheimtipps zu kennen." Ralf Weißmann bringt ein Beispiel von "seiner Tour". Im Kontakt zur Künstlerin Gabi Hiller vom Atelier ArtFiness habe man sich abgesprochen, dass an den Tagen, wenn im "Lindenhof" Brunch ist, den Gästen eine Weiterfahrt zum Café im Künstlerhof empfohlen wird. "Wenn wir uns nur aufs Geldverdienen konzentrieren, dann wird das nichts. Gäste spüren, wenn Menschen mit Herz agieren. Das empfehlen sie weiter. Die Währung heißt Vertrauen", legte sich Ralf Weißmann für die Genießer-Touren ins Zeug.

Zwei bis drei Touren könnten bis zum Jahresende auf alle Fälle gestrickt werden, sind Susanne Dobs und Tobias Donth aufgrund bisheriger Resonanz zuversichtlich. Jetzt werden alle Interessenten noch einmal angesprochen, um im Herbst die Touren zusammenzustellen. Spätestens bis zur Grünen Woche soll es auch in Elbe-Elster Genießer-Touren geben.

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