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| 17:25 Uhr

Standesämter vorgestellt
Fürs „Ja“ aus Neuseeland angereist

Anett Laube ist seit dem 1. Januar 1989 Standesbeamtin.
Anett Laube ist seit dem 1. Januar 1989 Standesbeamtin. FOTO: LR / Gabi Böttcher
Massen/Sallgast. Standesämter vorgestellt: Im Amt Kleine Elster sind Massen und Schloss Sallgast Trau-Orte. Von Gabi Böttcher

Eigentlich ist Anett Laube Hygieneinspektor. Bis zum Jahr 1987 hat sie in diesem Beruf gearbeitet. Mit der Geburt ihres zweiten Kindes stellte sie die Weichen neu und hatte Glück. Sozusagen vor ihrer Haustür im heimischen Crinitz war eine Stelle im damaligen Gemeindebüro frei. Bedingung: Das Standesamt war mit zu übernehmen. Da hatte sie doch zunächst einige Bedenken. „Ein guter Redner war ich nie“, sagt die heute 55-Jährige mit der sympathischen Ausstrahlung. Doch nach einer Einarbeitung bei Cornelie Bütow in Doberlug-Kirchhain, die damals noch Jackwerth hieß, ging sie ihre neue Aufgabe beherzt an. Zunächst noch in Crinitz nahm sie am 20. Mai 1989 dem ersten Brautpaar das Ja-Wort ab. Mit der Bildung des Amtes Kleine Elster im Oktober 1992 wurden die Standesämter in Crinitz und Sallgast am Sitz der Amtsverwaltung in Massen vereint. Im nächsten Jahr kann Anett Laube auf 30 Jahre als Standesbeamtin zurückblicken. Wenn sie Urlaub hat oder aus anderen Gründen nicht da ist, wird ihre Kollegin und Standesbeamtin Andrea Lichtenberger aktiv, die gegenwärtig ihren Urlaub genießt.

In fast 30 Jahren kommt eine Menge an Episoden, Erfahrungen, Veränderungen, ja Herausforderungen in diesem Metier zusammen. Eine Konstante ist die Aufregung, die Anett Laube noch heute bei jeder Eheschließung begleitet. „Wenn es Einheimische sind, dann ist die Aufregung noch größer“, gesteht die Crinitzerin ein. Das ist es dann aber auch, was sie mit denen teilt, die an einem so bedeutsamen Tag ihres Lebens vor ihr stehen. Ihnen will sie dann auch in ihren eigenen Worten Gedanken zum Tage mit auf den Weg geben. Dieses Zitat des russischen Schriftstellers Fjodor Michailowitsch Dostojewski gehört meist auch dazu: „Die erste eheliche Liebe, die vergeht natürlich mit der Zeit, aber dann kommt ja wieder eine andere, eine ebenso schöne Liebe. Dann nähern sich die Seelen.“

„Mit vorbereiteten Texten, die man mir manchmal übergeben will, möchte ich nicht arbeiten“, beschreibt sie ihre Herangehensweise.

Seit Oktober 2017 finden die Eheschließungen in einem neu eingerichteten Trauzimmer im Energie-Service-Center in Massen statt. Hier kann Barrierefreiheit angeboten werden wie sie zuvor im Hause der Amtsverwaltung nicht gegeben war. Zweiter Ort für das Ja-Sagen im Amt Kleine Elster ist das Schloss in Sallgast. Beide Orte werden fast gleichermaßen gewählt, in diesem Jahr hat das Schloss die Nase leicht vorn. Ja, vor vielen Jahren habe es auch einmal eine Anfrage gegeben, ob man die Trauung nicht auf der F 60 durchführen könne. Auch für den Sallgaster Schlosspark gab es Wünsche. Doch für Anett Laube ist klar: „Das Ja-Wort wird in einem unserer beiden Trauzimmer gesprochen. Welche Zeremonien dann an anderen Orten außerhalb erfolgen, ist Sache der Brautleute.“

In jedem Jahr gibt es im Amt Kleine Elster etwa 20 Eheschließungen, Tendenz steigend. An den vielerorts so beliebten Terminen am 8.8. und 18.8. hat es im Amt keine Trauung gegeben. Geheiratet werde von montags bis samstags. Auch montags? „Ja, das kann zum Beispiel der Kennenlerntag des Paares sein“, sagt Anett Laube, die übrigens selbst im Jahr 1985 in Finsterwalde geheiratet hatte. Ob mit dem Feuerwehr-Auto, Hubschrauber oder Oldtimer – Möglichkeiten der Anreise ihrer Paare hat die Standesbeamtin schon einige erlebt. Ein Paar, das sich nach seiner Trennung zum zweiten Mal vermählte, kam mit dem Fahrrad vorbei. Vor besondere Herausforderungen sind die Standesbeamten gestellt, wenn Partner ausländischer Herkunft ins Spiel kommen. Da müsse man sich zunächst mit jeweils geltendem Recht befassen. „Es gibt Länder, die stellen Ehefähigkeitszeugnisse aus. Oder man muss beim Brandenburger Oberlandesgericht einen Antrag auf Befreiung von der Beibringung dieses Zeugnisses stellen. Eine Ledigkeitsbescheinigung kann ebenfalls erforderlich sein. Solche Vorbereitungen können sich über Monate hinziehen“, erklärt Anett Laube. Ihr wohl außergewöhnlichstes Paar der jüngsten Vergangenheit kam aus Neuseeland. Sie eine Deutsche, er ein Niederländer, gaben sich auf Schloss Sallgast das Ja-Wort. Sie hatten sich zudem Musik gewünscht, die auch Anett Laube ans Herz geht: Ed Sheeran und Andrea Bocelli im Duett. Unangefochten ganz oben auf der Hitliste der gewünschten Musik: der Hochzeitsmarsch von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Wer glaubt, im Massener Standesamt dreht sich alles nur um das Heiraten, der irrt natürlich. Ein Beispiel: Eine große Herausforderung sei die Einführung des elektronischen Personenstandsregisters zum 1. Januar 2009 gewesen. Im Amt ist man am 1. Juli 2013 über das Kommunale Rechenzentrum damit in den Betrieb gegangen, sagt Anett Laube. Daten aus Geburten-, Heirats- und Sterbebüchern dort einzupflegen, das war eine ungeheure Fleißarbeit. Jetzt erleichtere der Datenzugang die Arbeit sehr.