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Für wahren Klanggenuss: Lieskauer Orgel wird entstaubt

Sie lassen sich nicht ablenken beim Reinigen der Pfeifen der Lieskauer Orgel. Ursula Fitzner, Werner Jahn, Lehrling Damian Schütze von der Orgelbaufirma Voigt, Gerhard Thor, Paul Lehmann und Karl-Heinz Friedrich (v.l.). Jahrelange Sanierungsarbeiten an der Kirche gehen ins vorläufige Finale.
Sie lassen sich nicht ablenken beim Reinigen der Pfeifen der Lieskauer Orgel. Ursula Fitzner, Werner Jahn, Lehrling Damian Schütze von der Orgelbaufirma Voigt, Gerhard Thor, Paul Lehmann und Karl-Heinz Friedrich (v.l.). Jahrelange Sanierungsarbeiten an der Kirche gehen ins vorläufige Finale. FOTO: Gabi Böttcher
Lieskau/Massen. Spezialisten aus Bad Liebenwerda werden im Dorf tatkräftig unterstützt. Am 2. Juli soll die Glietsch-Orgel wieder öffentlich ertönen. Es ist der vorläufige i-Punkt bei der Kirchensanierung. Gabi Böttcher

Die Orgel in der Lieskauer Dorfkirche wird wieder in Schwung gebracht. Ein lang gehegter Wunsch der Kirchengemeinde geht so in Erfüllung. Denn nach Jahren der Bauarbeiten an der Kirche kann nun das i-Tüpfelchen gesetzt werden. 1997 hatte die Gemeinde feiern können, als der Turm mit einem neuen Schieferdach eingekleidet und die Spitze mit einer neuen Wetterfahne gekrönt worden war. Es folgten weitere Bauschritte wie das sanierte Kirchendach 2009, im Jahr 2010 das Außenkleid und ab 2012 die Innensanierung. Ursula Fitzner vom Gemeindekirchenrat: "Da wurde jeder Boden-Ziegel umgedreht, der Putz im Sockelbereich abgeklopft und neu aufgetragen. Alle Bänke mussten herausgenommen und nach dem genau notierten Stellplan wieder eingebaut werden." Alte Wandmalereien wurden entdeckt und punktuell, wie hinter der Kanzel, freigelegt.

Zwar war die Orgel während der Bauarbeiten gut eingepackt, doch war dennoch zu vermuten, dass sich der Staub durch alle Poren gedrängt hat. Deshalb ist in den zurückliegenden Jahren wieder gespart und um finanzielle Unterstützung gebeten worden, um die Orgel gründlich reinigen und durchsehen zu lassen. Dank einer Zuwendung von 5220 Euro von der Euros-Stiftung ist es letztendlich möglich geworden, den Auftrag auszulösen.

Zu Wochenbeginn hat die Firma Mitteldeutsche Orgelbau A. Voigt Bad Liebenwerda in Lieskau ihre Arbeit aufgenommen. Geselle Georg John, der dreieinhalb Jahre bei Voigts ausgebildet und im Januar übernommen worden ist, ist gemeinsam mit Lehrling Damian Schütze ans Werk gegangen. In Gerhard Thor, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, Paul Lehmann, Karl-Heinz Friedrich und Werner Jahn hatten sie tatkräftige Unterstützung. Alle Pfeifen mussten herausgenommen, mithilfe von Druckluft über einen Kompressor ausgeblasen und zusätzlich feucht gereinigt werden. Kernbereiche wurden mit dem Pinsel bearbeitet. 78 Holzpfeifen und 351 Pfeifen aus einer Zinn-Blei-Legierung waren zu reinigen. "Die Helfer waren so flink, dass wir damit schon an einem Tag fertig waren", lobt Orgelbaumeister Axel Thomaß, in der Orgelbaufirma verantwortlich für das Projekt. Doch beim genauen Hinsehen wurden Teile des Holzorgelwerkes entdeckt, in denen sich der Holzwurm zu schaffen gemacht hatte. Sie wurden ausgebaut und müssen nun in der Werkstatt in Bad Liebenwerda restauriert werden. Hinzu kommt eine Notenpult-Beleuchtung, die speziell für die Lieskauer angefertigt wird. Es fehlt dann nur noch die klangliche Anpassung, die Axel Thomaß oder Firmenchef Markus Voigt nach der Fertigstellung der Orgel vornehmen werden.

Axel Thomaß lobt das Instrument. "Es ist eine typische mechanische Orgel, ein gutes, solides Instrument." Erbaut hatte es Eduard Glietsch, in Lieskau eingebaut wurde es 1863. Von Routine bei der Säuberung zu sprechen, lehnt Axel Thomaß ab. "Jede Orgel ist ein Unikat, dessen Besonderheiten, die Handschrift des Erbauers von uns zu beachten sind."

Am 2. Juli, zum festlichen Gottesdienst am Ende des Christenlehrejahres, soll die Lieskauer Orgel erstmals frisch gereinigt wieder für die Öffentlichkeit erklingen. "Diesen Termin wollen wir halten", blickt Axel Thomaß zuversichtlich auf das Ziel.