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Für Spargel muss alles stimmen

Robert Gawron gehört zu den polnischen Saisonarbeitern auf Mehnerts Spargelhof.
Robert Gawron gehört zu den polnischen Saisonarbeitern auf Mehnerts Spargelhof. FOTO: Dietmar Seidel
Werenzhain.. „Spargel ist ein königliches Edelgemüse, das im 19. Jahrhundert in Frankreich kultiviert und durch die Industrialisierung nach Deutschland gelangte.“ Richard Mehnert vom Spargelhof Werenzhain hatte sich belesen, bevor die RUNDSCHAU zu ihm auf den Hof kam. Von Pauline Geier

„Spargel ist in Deutschland eine sehr arbeitsintensive Kultur, die nur auf optimal geeigneten Böden wächst“ , so Mehnert. Der Boden sollte steinfrei, nicht zu nass, aber auch nicht zu trocken sein, die Folien für ordentlich Wärme, aber wiederum nicht für zu viel Hitze sorgen, eine optimale Düngung und saubere, zuverlässige Ernte gewährleistet sein. „Da muss eben alles stimmen“ , bekräftigt Mehnert. In diesem Jahr konnte in Werenzhain bereits am 4. April der erste Spargel gestochen werden. Denn die treibende Kraft des Unternehmens, Mehnerts Sohn Marcus (26), Meister der Landwirtschaft, ließ diese Saison eine neue Doppelfolie einsetzen, die den Boden noch effektiver aufheizt. „Es werden immer neue Sachen probiert, um den Kunden so zeitig wie möglich mit deutschem Spargel zu dienen“ , so Mehnert. Und dieser schmeckt seiner Meinung nach auch am besten.
Die Pflanze selbst wächst zunächst im lichtgeschützten Spargeldamm. Der Spargel ist „der Austrieb des Wurzelsystems“ . Für die Ernte brauche man motivierte, selbstständige und verlässliche Leute, so der Spargelbauer. „Die müssen sich für unser Unternehmen engagieren, dann tun wir auch alles für sie.“ Doch für viele sei die Spargelernte unter ihrer Würde. In diesem Jahr finanziert das Arbeitsamt wieder eine Trainingsmaßnahme, doch in den vergangenen Jahren stellten sich die meisten der von der Arbeitsagentur empfohlenen Arbeitslosen nicht einmal auf dem Hof vor, andere schmissen die Arbeit bereits nach einem Tag wieder hin. „Das ist nun mal ein Knochenjob, der allerdings nicht schlecht bezahlt wird. 800 bis 900 Euro verdient ein Stecher im Monat, wobei noch 13 Euro täglich vom Arbeitsamt dazukommen“ , erklärt Mehnert.
Richard Mehnert beschäftigt auf seinen Feldern insgesamt etwa 50 Arbeiter, wobei zwei Drittel Polen sind. „Diese kosten nicht weniger, sind aber einfach verlässlicher. Nur durch die Polen können wir die Arbeitsplätze für die Deutschen gewährleisten“ , muss Mehnert zugeben. Allerdings sollte man auch in Betracht ziehen, dass die Arbeitslosenquote in Polen mit 18,5 Prozent doppelt so hoch ist wie in Deutschland und die Polen in ihrer Heimat im Durchschnitt dreimal weniger als die Deutschen verdienen. Unter diesen Voraussetzungen steht es natürlich ganz anders um die Motivation der Arbeiter.
Mehnert betont aber auch, dass er viele Deutsche auf den Feldern hat, die seit 13 Jahren fleißig für ihn arbeiten und das auch gut und gerne machen. „Doch leider gibt es nicht genügend davon.“ All seine Angestellten, zu denen auch noch zehn Sortierer und etwa 20 VerkäuferInnen, alle aus Deutschland, gehören, haben einen saisonal befristeten Arbeitsvertrag und werden nach Leistung bezahlt.
Zum Verkauf des „kontrolliert integriert angebauten“ Spargels ist der Hof in Werenzhain täglich geöffnet und das Unternehmen auch auf allen Wochenmärkten des gesamten Elbe-Elster-Kreises zu finden. Bis zum 24. Juni, dem Johannistag, wird geerntet, dann wachsen die Spargelpflanzen in die Höhe und sammeln Kraft für die kommende Saison.