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Für ein Jahr im Land der Kiwis

Jule Riedel mit ihrem Hund Marley. Die 19-Jährige aus Doberlug-Kirchhain ist um die halbe Erde geflogen, um als Au-pair in Neuseeland zu arbeiten. Das Buch fungiert dabei als Seelentröster.
Jule Riedel mit ihrem Hund Marley. Die 19-Jährige aus Doberlug-Kirchhain ist um die halbe Erde geflogen, um als Au-pair in Neuseeland zu arbeiten. Das Buch fungiert dabei als Seelentröster. FOTO: ikk1
Doberlug-Kirchhain. Für einen Au-pair-Aufenthalt weilt Jule Riedel aus Doberlug-Kirchhain seit gut einem Monat in Neuseeland. Bis Ende des Jahres hat sie neben der Kinderbetreuung auch die Möglichkeit, in ihrer Freizeit den Inselstaat im südlichen Pazifik kennenzulernen. Ivonne Kommolk/ikk1

Wer würde zu dieser Jahreszeit nicht gern in den Flieger steigen und für einige Tage abdüsen, in den Süden oder zumindest dorthin, wo es schön warm ist. Jule Riedel aus Doberlug-Kirchhain erfüllt sich diesen Traum. Allerdings fliegt sie nicht nur für ein paar Tage weg, sondern gleich für ein ganzes Jahr. Ihr Ziel: Neuseeland.

Im Sommer letzten Jahres hat die 19-Jährige am Beruflichen Gymnasium in Falkenberg ihr Abitur abgelegt. Ihre Spezialisierung ging mit Pädagogik und Psychologie in die soziale Richtung. Auch ihre Freizeit verbringt sie gern mit Kindern, geht oft Babysitten und verdiente sich durch Praktika und Ferienarbeit Geld für ihren großen Traum, den sie nun schon seit über einem Monat lebt. Mit dem Flieger ging es Ende November von Frankfurt am Main, über Dubai und Australien nach Auckland auf die Nordinsel Neuseelands. Von ihrem Zimmer kann sie dort direkt auf den Pazifischen Ozean blicken.

Fast ein Jahr im Voraus hatte sich Jule Riedel als Au-pair bei der American Institute For Foreign Study (Deutschland) GmbH (AIFS) beworben. Sie schwärmt: "Die Leute von der Firma haben mir jederzeit bei der Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes weitergeholfen, wenn ich nicht weiter wusste. Es war gar nicht so einfach. Ich musste mich ärztlich durchchecken lassen, brauchte ein Führungszeugnis." Das Aufregendste sei allerdings das Video gewesen, in dem Jule sich und ihre Familie, ihre Hobbys sowie ihre Haustiere vorstellt. Sie spielt Gitarre, singt. Der Film kommt gut an. Im Internet recherchiert sie, sucht sich eine Familie aus, möchte gern dorthin, wo es noch kleine Kinder, besser noch ein Baby gibt.

Einer Familie aus Auckland wird Jules Video vorgestellt. Das Paar, das zum damaligen Zeitpunkt gerade ein Kind erwartet, ist begeistert. Nach einer Stunde skypen wird die Sache dingfest gemacht. Jules Mutter Simone Riedel erzählt: "Wir haben mitgefiebert, das war schon komisch. Jule wurde als Au-pair für ein Kind ausgesucht, das noch gar nicht geboren war." Inzwischen ist der kleine Flynn schon fast ein halbes Jahr alt. Jule arbeitet etwa acht Stunden täglich, bekommt neben freier Kost und Logis ein gutes Taschengeld. Nach Deutschland werde Jule Riedel in jedem Fall erstmal zurückkehren. Das Visum gilt nur für ein Jahr und in Neuseeland gebe es nicht die Möglichkeit der Verlängerung, wie in Amerika. "Aber ich habe schon von vielen gehört, dass sie wieder zurückgegangen sind, um dort zu studieren, zu arbeiten oder einfach, weil sie dort die Liebe ihres Lebens gefunden haben. Ich weiß noch nicht, wohin der Weg mich führt", sagt die 19-Jährige.

Trotz aller positiven Eindrücke vermisst Jule Riedel neben Familie und Freunden ihren Hund Marley. Den Mischlingsrüden hatte sie im April 2015 in Rumänien gerettet und als Handgepäck im Flugzeug mitgenommen. Der Vierbeiner folgt ihr auf Schritt und Tritt, schläft sonst nachts bei ihr im Bett. Um dem Heimweh entgegenzuwirken, hat sie vor ihrer Abreise ein von ihren Liebsten gestaltetes Buch mit Fotos, Briefen und guten Wünschen bekommen.