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| 16:51 Uhr

Wie lebt es sich im ländlichen Raum? Teil2
Aushängeschild contra Randlage

Erstmals hat in diesem Jahr die F60 in Lichterfeld die 100 000-Marke bei Jahresbesuchern geknackt. Während Lichterfeld feiert, fühlen sich andere Orte im Amt Kleine Elster stiefmütterlich behandelt.
Erstmals hat in diesem Jahr die F60 in Lichterfeld die 100 000-Marke bei Jahresbesuchern geknackt. Während Lichterfeld feiert, fühlen sich andere Orte im Amt Kleine Elster stiefmütterlich behandelt. FOTO: Heike Lehmann
Crinitz/Lichterfeld-Schacksdorf. Die einen feiern Besucherrekorde, die anderen fühlen sich stiefmütterlich behandelt. Von Daniel Friedrich

„Unser Dorf hat Potential. Wir können unsere Einwohnerzahl halten und die Infrastruktur stimmt auch“, sagt der Crinitzer Bauunternehmer André Berger. Erst kürzlich hat sich wieder ein Bäcker im Ort angesiedelt und an der Schule und im Hort sei auch einiges passiert. Aber: „Es fehlt einfach die Bürgernähe und man hat den Eindruck, dass Prioritäten falsch gesetzt werden“, meint der Crinitzer. Als Beispiele zählt er lange Bearbeitungsfristen in der Verwaltung auf – oder den Stillstand beim Gemeindehaus.

Ein weiteres Problem: Vieles in der Gemeinde geschehe ehrenamtlich. Zu oft würde sich auf diese kostenlose Unterstützung verlassen, ohne die „die Lichter ausgehen würden“. Und gerade auf kommunalpolitischer Ebene gäbe es oft Unsicherheiten zu verwaltungsrechtlichen Fragen. „Hier fehlt mir der beratende Rückhalt aus dem Amt.“

Auch Bürgermeister Horst Hofmann fühlt sich bei mancher Entscheidung vom Amt Kleine Elster abgehangen. „Es wird viel in die touristischen Aushängeschilder investiert. Aber unser Ort, am Rande der Amts- und Kreisgrenzen, wird stiefmütterlich behandelt“, kritisiert er recht deutlich, obwohl Crinitz mit seinen Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten als Kleinzentrum für die umliegenden Orte fungiere.

Anders sieht das Ditmar Gurk, Bürgermeister von Lichterfeld-Schacksdorf. Die Gemeinde in der ehemaligen Tagebauregion habe von der Sanierung der Folgelandschaft profitiert: „Wenn ich an den Bergheider See oder die F 60 denke, dann kann ich wirklich nicht meckern“, findet Gurk. Auch bei der Dorferneuerung wurde in den letzten 20 Jahren viel bewegt, „man muss halt hinterher sein.“

Dran bleiben müsse man beispielsweise in Sachen ÖPNV. „Sicher muss sich alles rechnen. Doch ein verlässlicher Bustakt ist auf dem Land wichtig, auch wenn damit vielleicht nur einer fährt“, sagt der ehrenamtliche Bürgermeister. Zudem kritisiert er den neuen Landesentwicklungsplan, da dieser den Neubau von Wohngebieten zu stark einschränke: „Wenn wir Leute im Ort halten wollen, müssen wir ihnen die Möglichkeit geben zu bauen.“ Positiv bewertet der Kommunalpolitiker, dass die Ämterstruktur bestehen bleiben soll. „Es ist sehr wichtig, dass sich die Einwohner jeden Ortes gut vertreten fühlen, deshalb bin ich für diese Struktur nahe am Bürger.“

Seine Erfahrungen wird Ditmar Gurk beim Treffen von ehrenamtlichen Bürgermeistern im Januar einbringen. Zusammen mit der Enquete-Kommission und dem Städte- und Gemeindebund soll es dabei um die Entwicklung des ländlichen Raumes gehen.