Das kleine Konzert kam an und wurde für ausbaufähig befunden. Am Ostersonnabend gab es nun das erste offizielle "Wohnzimmerkonzert" im "Heimatladen" - und das vor ausverkauftem Haus. Es sang Christin Herrmann, bekannt als "die herrmann", ihre sinnlich-melancholischen Balladen. An ihrer Seite der Multiinstrumentalist Juan Garcia, den Christin Herrmann als ihren "treuesten Begleiter in Sachen Musik" vorstellte.

"die herrmann" hat wie der Rapper ihre Wurzeln in Finsterwalde, lernte in der Musikschule bei Chris Poller ihr Rüstzeug, bevor sie 2004 zum Studium nach Leipzig ging. Dort lebt und arbeitet sie auch heute noch.

"Leicht wie ein Bär" heißt ihre erste CD. Diese stand im Mittelpunkt des Abends. Ihre Songs und ihre Musik kommen sehr still und ruhig daher. Das "Gefühl von Melancholie" bezeichnet sie selbst als ihr Markenzeichen. Genau zuhören ist bei der Musikerin angesagt. Dann kann man förmlich in ihre Lieder eintauchen und erfährt sehr schnell: Da steckt jede Menge musikalisches Können und Tiefgang drin.

Das ist nicht nur perfektes Handwerk, "die herrmann" hat was zu sagen und verpackt ihre Botschaften und Gefühle in sehr sinnliche Songs. Der enge Kontakt zum Publikum im "Heimatladen" hat viele Vorteile. Schnell kommen die Künstler mit dem Publikum in der Wohnzimmeratmos-phäre ins Gespräch.

Es schien, als wären die Künstler zu Gast bei guten Freunden. "Es ist tatsächlich so", gesteht Christin Herrmann gegenüber der RUNDSCHAU. "Wenn ich nach Brandenburg, nach Finsterwalde komme, macht sich in mir ein tiefes, gutes, warmes Heimatgefühl breit. Das ist schön", schwärmt sie.

Dieses Gefühl hat sie mit ihren Liedern hervorragend transportiert. Im "Wohnzimmer" gab es dann sogar eine kleine Premiere. Mit "Vollrausch-Gutmensch-Phobe" hatte "die herrmann" einen Song dabei, der erst drei Wochen alt ist. Dabei wird sie, eigentlich eher untypisch für ihre Lieder, auch politisch. Sie hat sich den "den Zustand unseres Landes" von der Seele gesungen. Von Melancholie war dabei wenig zu spüren. Es war eher Wut.

Unter den Gästen ist auch der Musikschullehrer Lars Weber gewesen, der die musikalische Karriere von Christin Herrmann schon seit Jahren beobachtet und sogar Gastmusiker bei ihrem Abschlusskonzert des Jazzstudiums war. "Tolles Konzert, eine sehr gute Musikerin, ein neues, aber sehr schönes Format mit dem ,Wohnzimmerkonzert'. Da kann man nur hoffen, dass es noch mehr davon geben wird", lobt er.

Auch "die herrmann" ist nach zwei Stunden und einer Zugabe rundum zufrieden. "Es hat sehr viel Spaß gemacht", so ihr Resümee. "Ich würde gern einmal in Finsterwalde vor größerem Publikum spielen. Vielleicht klappt es ja in der neuen Stadthalle. Darüber würde ich mich sehr freuen", blickt sie in die Zukunft.

Rundum zufrieden waren am Sonnabend auch die beiden Organisatorinnen. Besonders Susanne Fritsche denkt schon wieder über weitere "Wohnzimmerkonzerte" nach.