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Regionales Handwerk
Frische Wurst ist im Aufwind

Das Team der Fleischerei Kniesche in Schönborn: Sandra Dähne, Anja Kunze, Waldina Kniesche und Fleischermeister Markus Kniesche (v.l.).
Das Team der Fleischerei Kniesche in Schönborn: Sandra Dähne, Anja Kunze, Waldina Kniesche und Fleischermeister Markus Kniesche (v.l.). FOTO: Heike Lehmann
Schönborn. Dreimal auf Holz klopft Fleischermeister Markus Kniesche, als er sagt: "Momentan ist ein Trend der Kunden zum Nahversorger zu spüren. Die abgepackte Wurst aus dem Supermarkt scheint nicht mehr so gefragt. Heike Lehmann

Der Verbraucher will wissen: Woher kommt das Produkt und von wem wurde es verarbeitet?" Der Fleischerei Kniesche in Schönborn jedenfalls bringt das Aufwind. "Es läuft wieder besser", sagt der Handwerksmeister.

Der 44-Jährige ist der fünfte Kniesche in vierter Generation, der das Fleischerhandwerk im Ort betreibt. Heute vor 110 Jahren ist die Fleischerei erstmals in die Handwerksrolle eingetragen worden - auf seinen Urgroßvater Rudolf, unter zwölf Kindern der älteste Sohn des Schmiedemeisters Louis Kniesche. Rudolf Kniesche hat das Grundstück gekauft und das Geschäft eröffnet. 1923 kam die Halbkonzession für die Gaststätte hinzu. Erst elf Jahre später wurde daraus eine Vollkonzession. Vor zwei Jahren wurde die Gaststube allerdings geschlossen. "Es war familiär nicht mehr zu stemmen. Die Konzession aber haben wir behalten, weil es im Dorf Veranstaltungen wie Jugendfastnacht und Ähnliches gibt", erklärt der Chef.

Dass sich jetzt doch wieder die Türen zur Gaststube öffnen und sich leckerer Bratduft breitmacht, ist dem seit kurzem erweiterten Imbissangebot, hervorgegangen aus der bisherigen "warmen Theke", geschuldet. Von Dienstag bis Freitag gibt es jetzt Mittagstisch. Seit September ist eine neue Kollegin angestellt. "Die Idee hatten wir schon länger. Anlass war dann eine konkrete Nachfrage aus dem Glaswerk. 25 Monteure haben was zu essen gebraucht", sagt Markus Kniesche. Das Angebot wird seitdem gut angenommen. "Das hat uns fast schon ein bisschen überrollt", gesteht der Geschäftsinhaber.

Drei Mitarbeiterinnen sind in der Schönborner Fleischerei angestellt. Alle drei für den Verkauf. Sie kommen aus Lindena, Lugau und Schönborn. Auch Mutter Waldina Kniesche, sie hat inzwischen die 70 überschritten, mischt noch kräftig mit. Das Handwerk selbst aber liegt allein in den Händen von Markus Kniesche. Der war einst sogar Brandenburgs bester Lehrling und hat daraufhin sogar ein Teil der Meisterausbildung gefördert bekommen. Mit der Lehre begann er genau zur Wende im Jahr 1989 - "noch nach DDR-Standard. Abgeschlossen habe ich sie dann nach West-Standard - erst nach drei statt zwei Jahren", erinnert er sich. Den Meisterbrief hat er seit 1996. Vier Jahre später hat er das Geschäft übernommen.

Die Fleischerei Kniesche wird von einem Schlachthof in Sachsen beliefert. "Dessen Tiere kommen aus einem Umkreis von 180 Kilometern", versichert Markus Kniesche. Die angelieferten Rinder- und Schweinehälften verarbeitet er zu Fleisch und Wurst. Auch Schaf und Geflügel werden verkauft. Die Verkaufstheke ist zur Freude der Stammkunden und Durchreisenden gut bestückt. Markus Kniesche sagt: "Wenn so ein Tier für uns schon stirbt, dann muss es auch restlos verwertet werden."

Urgroßvaters Geschäft ist heute in besten Händen. In der Ahnengalerie folgte ihm Großvater Rudolf, der im Krieg fiel, dann dessen Bruder Kurt, bevor Vater Rudolf einstieg und seit 2000 Markus Kniesche die Verantwortung übernahm. Und die fünfte Generation? "Hat noch Zeit", sagt der zweifache Vater entspannt. Sein Sohn Felix ist jetzt 14 und besucht das Sängerstadt-Gymnasium. Der Vater hat schon mal vorgefühlt. "In den Ferien hat er mit reingeguckt. Also Sohn eines Fleischers sollte er wissen, was hier passiert."

Neben den deftigen Sachen gibt's im Laden auch frischen Honig. Vor einigen Jahren hat den Fleischermeister die Imkerei gepackt. Zwölf Völker hat er mittlerweile und die Unterstützung der ganzen Familie.