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| 19:23 Uhr

Schaden von einer Dreiviertelmillion Euro
„Friedrike“ knickt die „Grüne Heide“ ab

Es ist nicht mehr viel übrig im Waldgebiet „Grüne Heide“ bei Möglenz. Das Sturmtief „Friederike“ hat gewütet. Nico Friedrich von der Landeswaldoberförsterei Doberlug (l.) und Revierförster Torsten Degen begutachten den Schaden.
Es ist nicht mehr viel übrig im Waldgebiet „Grüne Heide“ bei Möglenz. Das Sturmtief „Friederike“ hat gewütet. Nico Friedrich von der Landeswaldoberförsterei Doberlug (l.) und Revierförster Torsten Degen begutachten den Schaden. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Nico Friedrich von der Oberförsterei Doberlug sagt: „Wir rennen den Naturgewalten hinterher.“ Von Heike Lehmann

Die Mitarbeiter der Landeswaldoberförsterei Doberlug sind immer noch schockiert. Chef Nico Friedrich: „Das Sturmtief ,Friederike’ war ein sehr lokales Ereignis und für uns der vierte Sturm innerhalb von einem Dreivierteljahr. Im brandenburgischen Staatswald hat ,Friederike’ für 70 000 Festmeter Schadholz gesorgt – die liegen alle im Bereich der Oberförsterei Doberlug. Es konzentriert sich auf den westlichen Teil des Elbe-Elster-Kreises.“ Das entspreche einem finanziellen Verlust von einer Dreiviertel Million Euro, allein im Staatswald, verdeutlicht Friedrich. Zum Vergleich: Bei Sturmtief Paul im Juli 2017 waren 10 000 Festmeter zu beklagen.

Hauptsächlich betroffen sind im Revier Schadewitz der Raum Möglenz bei Bad Liebenwerda und das Revier Fermerswalde. Die Revierförster Torsten Degen und Klaus Mann haben allein 50 000 Festmeter Schadholz. Das Team der Oberförsterei hatte am Sturmtag das reguläre Handeln für das Wirtschaftsjahr 2018, auch die planmäßige Verjüngung der Wälder, besprochen. „Das ist alles über den Haufen geworfen. Wir rennen den Naturgewalten hinterher“, so Nico Friedrich.

Jetzt ist das große Aufräumen im Gange. Auch in der „Grünen Heide“ bei Möglenz, wo „Friederike“ wertvolle Bestände mit mittelalten bis alten Bäumen gebrochen und geworfen, das heißt entwurzelt, hat. Torsten Degen blickt über eine Fläche, wo kaum noch ein Baum aufrecht steht. „Das ist fast Kahlschlag und toppt alles, was ich bisher gesehen habe“, sagt er. Die Kiefer könne wegen einer tiefer gelegenen Lehmschicht nicht durchwurzeln, erklärt er, warum die Bäume so angreifbar sind. Und das feuchte Jahr 2017 hat den Boden aufgeweicht, das mache sie noch anfälliger. Sieben Gatter hatte er zur Aufforstung vor Jahren angelegt. Jetzt sind die Zäune zum Schutz vor dem Wild hin.

Nico Friedrich warnt: „Die Bevölkerung sollte sich aus den betroffenen Wäldern noch fernhalten. Es ist kreuzgefährlich. Selbst unsere Forst­arbeiter sind angehalten, kühlen Kopf zu bewahren. Sie machen eine äußerst gefährliche Arbeit.“ So makaber es klingt, es gibt  mittlerweile eine gewisse Routine, was nach solchen Schadensereignissen zu tun ist. Priorität hat die Verkehrssicherheit an Bundesstraßen, Kreisstraßen und Gebäuden. Danach kommt die Begehbarkeit der Wälder. Nebenwege sind immer noch von umgestürzten Bäumen versperrt. Erst danach wird das Schadholz aufgeräumt und aufgearbeitet. Dabei steht wiederum die Wertsicherung des Vermögens im Vordergrund. Die wertvollen Holzbestände sind zuerst zu sichern.

„Wir waren aus Erfahrung schnell handlungsfähig“, sagt Friedrich. Der eigene Forstmaschinenhof sei  von Vorteil. „Technik und Waldarbeiter sind bei uns eng verzahnt.“ Und dennoch: „Wir werden es nicht allein schaffen und sind schon mit Dienstleistern im Gespräch.“

Auf den am ärgsten betroffenen Flächen bleibt jetzt nur die aktive Verjüngung des Waldes, sprich es muss aufgeforstet werden. „Die Gratiskraft der Natur hatte in der ,Grünen Heide’ bei Kiefer, Eiche, Birke, Buche gut gewirkt. Davon ist nicht mehr viel zu sehen“, sagt Friedrich. Torsten Degen tritt an eine junge Eiche. „Wenn der Terminaltrieb wie hier noch da ist, besteht Hoffnung für den Baum“, freut er sich.

Wenn der Terminaltrieb der jungen Eiche vom Sturm verschont blieb, besteht noch Hoffnung für den Baum.
Wenn der Terminaltrieb der jungen Eiche vom Sturm verschont blieb, besteht noch Hoffnung für den Baum. FOTO: Heike Lehmann