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| 19:14 Uhr

Gefährliche Schlaglöcher
Unglück und Glück für Rentnerin

  Renate Piontek – im Gespräch mit Rainer Genilke – ist an der kaputten Straße zwischen Frankena und Doberlug-Kirchhain schwer gestürzt und musste zur Notaufnahme ins Krankenhaus.
Renate Piontek – im Gespräch mit Rainer Genilke – ist an der kaputten Straße zwischen Frankena und Doberlug-Kirchhain schwer gestürzt und musste zur Notaufnahme ins Krankenhaus. FOTO: Dieter Babbe
Frankena/Doberlug-Kirchhain. Für Radfahrer ist die Straße zwischen Frankena und Doberlug-Kirchhain ein gefährlicher Weg. Dazu kommt noch ein Schildbürgerstreich. Ein Abgeordneter hat sich jetzt der Sache angenommen. Von Dieter Babbe

Den letzten Freitag im November vorigen Jahres wird Renate Piontek nicht vergessen – die Schmerzen erinnern sie noch daran. Sie ist mit dem Fahrrad durch Frankena unterwegs, als sie plötzlich stürzt.

Beim Fallen kann sie sich noch mit der ohnehin schon kranken Hand, die bereits einmal gebrochen war, abstützen. Sie ist mit ihrem Fahrrad in eins der vielen Schlaglöcher und Spurrinnen geraten, die auf der Straße nach Doberlug-Kirchhain das Radfahren nahezu unmöglich machen.

Seit Jahren verschlimmert sich der Zustand der Straße zwischen Frankena und der Stadt. „Für Radfahrer ist es praktisch lebensgefährlich, hier lang zu fahren“, sagt Enrico Reiche vom Ortsbeirat.

Frankena: Schlaglöcher und ein Schildbürgerstreich

Bis knapp einen Meter reichen die Schlaglöcher von den Rändern bis zur Straßenmitte, einige mehr als drei Zentimeter tief. Radfahrer müssen ausweichen und fahren stellenweise gefährlich nah bis zur Straßenmitte, wo Pkw und schwere Laster schnell und dicht an ihnen vorbei rauschen. Letzten Herbst sind die Ränder auf beiden Seiten abgefräst worden.

 Mehr als drei Zentimeter tief und über einen Meter breit sind die  schlimmsten Schlaglöcher am Straßenrand zwischen Frankena und Doberlug-Kirchhain.
Mehr als drei Zentimeter tief und über einen Meter breit sind die  schlimmsten Schlaglöcher am Straßenrand zwischen Frankena und Doberlug-Kirchhain. FOTO: Dieter Babbe

„Keiner in Frankena versteht, warum das gemacht wurde“, sagt Karin Hammitsch, die Gastwirtin, die oft Radler aus der ganzen Region in ihrer Gaststätte empfängt. „Offensichtlich wollte man die kaputten Stellen flicken. Stattdessen ist ein neuer weißer Randstreifen über die Schlaglochpiste gezogen worden – nicht nur für Bernd Wilde ein Schildbürgerstreich.

Der 57-Jährige wohnt, von Doberlug-Kirchhain kommend, gleich im ersten Haus. „Ich fahre mehrmals in der Woche mit dem Fahrrad zum Einkaufen in die Stadt. Für andere Frankenaer ist es der tägliche Weg zur Arbeit. Besonders gefährlich ist es für unsere vielen Kinder, die bei schönem Wetter lieber vom Schulbus auf das Fahrrad umsteigen“, macht er sich Sorgen.

Frankenaer Landesstraße auf keiner Prioritätenliste

Im Dorf kann sich nicht nur Karin Hammitsch daran erinnern, dass schon vor acht Jahren öffentlich verkündet wurde, dass die viel befahrene Straße einen sicheren Radweg bekommen soll. Doch davon ist beim Land nicht mehr die Rede.

In Potsdam steht diese zerfahrene Landesstraße auf keiner Prioritätenliste. Das hat Rainer Genilke, der Finsterwalder CDU-Landtagsabgeordnete, bei einer Kleinen Anfrage an Verkehrsministerin Kathrin Schneider herausbekommen. Dabei hat die Verbindung zwischen Doberlug-Kirchhain und dem dörflichen Ortsteil in den letzten Jahren durch die Umleitungsverkehre beim Straßenbau in Finsterwalde und beim Bau der Bahnbrücken stark gelitten.

Laut einer Verkehrszählung fahren in 24 Stunden 1666 Fahrzeuge durch Frankena. Etwa 14 Prozent davon sind schwere Laster. Vor allem mit Flicken hat der Landesstraßenbetrieb versucht, die Befahrbarkeit zu sichern. Auch künftig sollen lediglich „kleinteilige Maßnahmen“ die Verkehrssicherheit garantieren, wie die Ministerin informiert.

Straße in Frankena „aussaniert“

Mit einem Schachzug, so Genilke, habe Potsdam versucht, diese Straße aus der Hoheit des Landes an den Kreis zu übergeben. „Das wurde aber korrigiert. Die Straße hat als Zubringer zur Autobahn insbesondere für die Doberlug-Kirchhainer eine große Bedeutung“, hat Genilke dieser Tage auch im Verkehrsausschuss des Landtages das Land gedrängt, endlich eine der schlechtesten Straßen in Angriff zu nehmen.

Von erfahrenen Straßenbauern, auch vom Landesbetrieb, bekam er die Auskunft: Diese Straße ist „aussaniert“, also nicht mehr sinnvoll reparabel.

Spontane Einwohneransammlung in Frankena

Als der Abgeordnete den Zustand bei einem Blitzbesuch vor Ort in Augenschein nehmen wollte, hat sich das schnell im Dorf herumgesprochen. Unter den mehr als einem Dutzend Frankenaern einer spontanen Einwohneransammlung war auch Renate Piontek. Ihr Sturz mit dem Fahrrad nahm zunächst ein schlimmes, dann aber doch noch ein gutes Ende, sagt sie.

„Drei Tage nach dem Sturz bekam ich so starke Schmerzen, dass ich zur Notaufnahme ins Krankenhaus musste. Ich hatte eine Rippenprellung. Glück nur, dass in dem Moment, als ich auf der Straße lag, kein Auto kam. Der da oben hat mich beschützt“, sagt die gottgläubige Frau und zeigt zum Himmel. Die 66-Jährige hat am besagten Freitag mit dem Fahrrad das Kirchenblättchen an die Haushalte im Dorf verteilt.

In einer Einwohnerversammlung am 10. April in Sonnewalde soll die Straßen zwischen beiden Städten, wo Frankena dazwischen liegt, auch in der Nachbarstadt thematisiert und Druck auf die Landesregierung ausgeübt werden.