Von Jürgen Weser

Im Schloss Doberlug werden am 7. Juli zwei Sonderausstellungen eröffnet. Die adlige Tafelkultur und die Schlösserlandschaft in Brandenburg und Sachsen stehen dabei im Fokus. Außerdem bieten Schloss und Schlosshof die Kulisse für ein beschwingtes Sommerfest als „Brandenburgisch-sächsische Begegnungen“ mit Musik, Tanz, historischen Spielen und Kulinarik.

Neben der Schau „Wir decken eine Tafel – Ein Vorbote der Sammlung Dohna in Doberlug“ dürfte die Ausstellung „Fontanes Illustrator – Alexander Duncker als Chronist Brandenburger Adelswelten“ als gemeinsame Ausstellung im Schloss Doberlug und im Sänger- und Kaufmannsmuseum Finsterwalde großes Interesse hervorrufen. Als besonderen Beitrag im Fontanejahr zeigen beide Museen naturgetreue Darstellungen (Veduten) von Herrenhäusern und Schlössern in Brandenburg. Die historischen Ansichten entstammen dem sogenannten „Duncker“, einer Edition des Verlegers und Herausgebers Alexander Duncker – insgesamt 960 zwischen 1857 und 1883 veröffentlichten Ansichten. Sie zeigen Herrensitze und Schlösser des Königreichs Preußen, davon 168 aus der damaligen Provinz Brandenburg. Sie sind quasi als Pendant zu Fontanes „Wanderungen“ zu betrachten.

Für Dr. Rainer Ernst erfüllt sich mit der Ausstellung ein besonderer Wunsch. Die in Doberlug und Finsterwalde zu sehenden Veduten, das ist das Besondere, zeigen die Sammlung von Dr. Rainer Ernst, der mit seinen 55 seit 1992 erworbenen Lithografien den Bereich der Nieder- und Oberlausitz aus der „Duncker“ Edition vollständig abdeckt. Diese wertvolle Sammlung zur Dokumentation der Geschichte unserer Region zu zeigen, ist eine Herzensangelegenheit des Historikers und Sammlers als „Nachlese“ seiner dreißigjährigen Museumsleitertätigkeit in Finsterwalde und auf Schloss Doberlug. Er freut sich auch darüber, dass diese Sammlung erweitert und sozusagen kommentiert wird durch die Mitarbeit von Burkhard Schade und Stephanie Pfeiffer.

„Unsere Idee war, zum Vergleich einen heutigen Blick auf die Schlösser und Herrenhäuser zu werfen“, so EE-Museumsverbund-Leiterin Babette Weber. Das hat Burkhard Schade mit seinen Fotografien äußerst akribisch getan. Er hat alle Standorte aufgesucht und die Objekte aus dem gleichen Blickwinkel der Maler wie auf den „Duncker“-Zeichnungen fotografiert. „Mitunter ist das auch nur noch eine grüne Wiese oder die Ansicht ist fast zugewachsen oder es steht nur noch das Vorderschloss wie in Sonnewalde“, berichtet Schade von seinen Eindrücken. Außerdem hätten die Maler damals oft einen erhöhten Blick auf die Schlösser gewählt, obwohl diese meist erhöht standen, schmunzelt er. Angetan ist Dr. Ernst von den Arbeiten Stephanie Pfeiffers. „Sie haben wir ins Boot geholt, weil der „Duncker“ mit Neudeck, Döllingen und Sonnewalde leider nur drei Schlösser aus der reichen Schlösserlandschaft im Elbe-Elster-Kreis erfasst hat“, so Babette Weber. Vermutlich mangelte es hier an Geldgebern. Mit neun aktuellen Zeichnungen von Schlössern aus dem Elbe-Elster-Land schließt nun die Gröbitzer Malerin und Restauratorin Stephanie Pfeiffer die Lücken, die Duncker bei seiner Auftragsvergabe an Maler und Zeichner hinterlassen hat. Es sei für sie eine reizvolle Aufgabe gewesen, zumal ihr ihre Ausbildung einen leichten Zugang auf historische Genauigkeit wie Besonderheiten ermöglicht habe.

Die Ausstellung ist ein stimmiger Beitrag zum Kulturland-Projekt „Fontane 200“, weil es historische und künstlerische Betrachtungen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Kontext zu Fontanes Erzählungen, Romanen und Beschreibungen möglich macht. Duncker und Fontane – zwei Chronisten Brandenburger Adelswelten.