Von Jürgen Weser

Unter großem öffentlichen Interesse wurde am Sonntag im Atelierhof Werenzhain die 12. Kunstausstellung des Elbe-Elster-Kreises (EE-Kreis) eröffnet. Insgesamt 30 Künstler aus dem EE-Kreis, aus den Partnerkreisen Naklo und Raciborz (Polen), aus dem Märkischen Kreis (NRW) und aus der Niederlausitz zeigen zum an das Fontane-Jahr angelehnten Thema „Wanderungen“ eine vielfältige Schau ihrer Kunstwerke.

Hervorragende Adresse

Musikalisch wanderte Musiklehrer und Sänger Sebastian Pöschl mit Songs des Liedermachers Gerhard Gundermann in die Lausitz, bevor Landrat Christian Heinrich-Jaschinski die Ausstellung eröffnete und Herbert Schirmer als Laudator in die kunstvollen „Wanderungen“ einführte. Der Landrat lobte den Atelierhof als hervorragende Adresse für Kunst seit über zwei Jahrzehnten und hob die Künstler als Impulsgeber für die Region hervor. Die Anlehnung an Fontane ordne sich in die vielfältigen Aktivitäten in Elbe-Elster zum Fontane-Jubiläumsjahr ein. Alle beteiligten Künstler, so Kulturamtsleiter Andreas Pöschl, hätten dem Thema der Ausstellung einhellig zugestimmt, wobei man vor allem „Wanderungen durch die Niederlausitz“ ins Blickfeld nahm.

Kunstexperte Herbert Schirmer, der 1990 letzter Kulturminister der DDR war, gelang mit seiner Laudatio seinerseits das Kunststück, die unterschiedlichsten Arbeiten im Gesamtblick zu würdigen und trotzdem auf jeden Künstler individuell einzugehen. Keine einfache Aufgabe, stellten die Besucher der Vernissage beim Rundgang durch den Saal, die Ausstellungsräume, über die Freifläche und die ehemaligen Scheunen und Stallungen fest, die alle als Ausstellungsfläche einbezogen wurden.

Uneingeschränktes Lob gilt den Kuratorinnen Ursula Bierther und Iris Stöber, denen ein stimmiges Gesamtkunstwerk mit der Platzierung der Werke und die Abstimmung aufeinander gelungen ist. Nicht nur die „24 Fußabdrücke“ von E.R.N.A. machten ein entspanntes Wandern und Schlendern bei schönstem Wetter für die Besucher möglich. Schirmer stellte das breite Spektrum von Bernhard Adamczyk bis Georgios Wlachopulos mit reicher Ausdrucksskala von Franka Justs Strichstruktur bis zu Hans-Peter Klies „reduzierten Menschenbildern“ hervor. Er lobte das „Durchbrechen von Wahrnehmungsklischees“ wie in Böckelmanns großformatigen und an heutige unrühmliche Märsche erinnernden „Zug“ und hintersinnige Blickwinkel, die Nachdenklichkeit beim Betrachter provozieren, wie bei Kurt Kornmanns „schönen“ Blick auf Spreewaldidylle mit eisenoxydhaltiger Farbe oder Claudia Mölles Portraits mit beunruhigendem subjektiven Empfinden.

Vielfältige Entdeckungsreise

Spaß bereitete am Sonntag die Entdeckungsreise zu den Skulpturen, Bildern und Objekten im Freigelände und in den Stallungen des ehemaligen Vierseitenhofes. Nachdenklich machen dort Christel Kiesels „Schrittmacher“ und Rosemarie Böhmchens „Hinterlassenschaften russischer Soldaten“. Schmunzeln lässt die „Archäologische Bestandsaufnahme eines Bücherwurms“.

Begeistert von der Ausstellung ist auch Werenzhains Ortsvorsteher Uwe Roland, der sich damit einen Besucherstrom nach Werenzhain erhofft. Die meisten Gäste merkten am Eröffnungstag, dass mehrmaliges „Wandern“ in der Schau nötig ist, um die vielfältigen Eindrücke aufnehmen zu können.

Die Ausstellung „Wanderungen“ hat bis zum 4. August von Mittwoch bis Sonntag jeweils 11 bis 18 Uhr geöffnet.