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| 18:14 Uhr

Flüchtlingstreck in Breitenau

Flüchtlingstreck in Breitenau - Einwohner protestieren gegen hohe Abwasserbescheide.
Flüchtlingstreck in Breitenau - Einwohner protestieren gegen hohe Abwasserbescheide. FOTO: Ivonne Kommolk
Sonnewalde/OT Breitenau. Ein Flüchtlingstreck zieht durch die Straße und raus aus dem Dorf. Ein stiller, ein verzweifelter Protest der Breitenauer gegen die hohen Abwasseranschlussbeiträge, die die Bewohner jetzt bezahlen sollen. Ivonne Kommolk und Dieter Babbe /

Mit Koffern, Kisten und Handwagen verlassen die Breitenauer ihren schönen Heimatort. Ihr letztes Hemd trugen sie mit sich, das sie später in ein Paket packen, um es auf dem Postweg dem Ministerpräsidenten zuzusenden. "Was die mit uns machen, da fehlen einem die Worte", hört man viele der 160 Einwohner sagen. Mit "Die" meinen sie vor allem den Wasser- und Abwasserverband Westniederlausitz. Aber auch die Landesregierung, weil sie zulasse, dass der Verband Gebührenbescheide ausstellen darf, die die Bewohner des Dorfes in den Ruin treiben.

Max und Waltraud Wienigk hat es hier am härtesten getroffen: "Wir müssen 31 000 Euro zahlen. Wir wissen nicht, wie das weiter gehen soll. Wir wohnen schon immer in Breitenau. Mein Vater war hier Lehrer. Wir haben uns hier all die Jahre was aufgebaut und jetzt kommt der WAV und nimmt uns alles weg", sagt Waltraud Wienigk verzweifelt.

"Wir haben die Kriegszeiten überstanden, die DDR-Zeiten, immer gearbeitet und geschafft, um unseren Kindern und Enkeln mal etwas vererben zu können", sagt die Frau. Viele Dorfbewohner pflichten ihr bei.

"Das mit dem Vererben ist jetzt nicht mehr so einfach. Wir können doch unseren Kindern nicht zumuten, hier zu bleiben und den Hof zu übernehmen. Das können die doch gar nicht bezahlen." Und auch andere im Dorf stimmen Waldtraud Wienigk zu. "Am liebsten würden wir hier einfach nur noch wegziehen", hört man aus aller Munde.

Beate Lehmann sagt: "Wenn man wenigstens wüsste, wofür man das bezahlt. Wir haben das letzte Haus in der Straße. Wir haben kein vernünftiges Wasser und keine vernünftige Abwasserleitung. Bei uns steht alles, sodass es im Haus nach Gulli stinkt. Trockner, Kaffeemaschine, nichts können wir benutzen, weil alles sofort total verkalkt. Und für unser Grundstück, auf dem nur eine Scheune steht, ohne Wasser- oder Abwasseranschluss sollen wir 5800 Euro bezahlen. Das muss erstmal einer begreifen." Insgesamt kommen auf die Familie rund 20 000 Euro zu.

Viele Einwohner klagen über den schlechten Zustand des Wassers, selbst die Duschköpfe sind nach kürzester Zeit nicht mehr zu gebrauchen, weil sie vom Kalk total verstopft sind, so heißt es. "Wir haben vor Jahren schon mal für den Abwasseranschluss bezahlt", heißt es in Breitenau. Man befürchtet, dass der neueste Bescheid auch noch kein endgültiger ist.

Die Leitungen sind veraltet. Außerdem soll in den kommenden Jahren eine Umleitung der Wasser-/ Abwasserleitungen um Goßmar herumgebaut werden. Der Bauantrag liegt der Stadt bereits vor, sagen die Bewohner. Kosten der Umleitung: 800 000 Euro. "Das Geld wird sicher auch wieder umgelegt", befürchten die Bewohner.

Verband, Verbandsversammlung und auch er seien nicht schuld an der Situation, die in Sonnewalde entstanden ist, erklärt Verbandsvorsteher Dietmar Seidel auf Nachfrage. "Zu verantworten haben das die Sonnewalder Stadtverordneten und die Bürgerinitiative", sagt Seidel. Land und Verband hätten nach einer für die Sonnewalder verträglichen Lösung gesucht. Wer Anschlusskosten in Höhe von 20 000 Euro zahlen müsse, habe Baugrundstücke, auf die acht bis zwölf Eigenheime passen - begründet der Vorsteher die hohen Summen bei den Anschlusskosten, die nach bebaubarer Fläche berechnet worden seien.