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Fliegen-Chance

Lästig sind sie schon. Besonders auf der Käseschnitte. Oder im Bierglas. Nicht dass ich ihnen den bescheidenen Schluck nicht gönnen würde. Für mich selbst wird es schon noch reichen. Lothar Günther

Aber da kommt halt die Phantasie, dieses ewig nervende Tier, und malt einem aus, wo die Fliege - von nichts anderem ist die Rede - noch kurz zuvor gesessen und geschleckt hat. Misthaufen ist da das Mindeste, was vorm geistigen Auge erscheint. Also bei aller Liebe und staunender Betrachtung ihres filigranen Körperbaus und ihres Fluggeschicks: Manchmal muss das Vieh einfach weg. Am besten mit der Klatsche. Das ist kurz und schmerzlos. Für das Tier jedenfalls. Unsereinem zerreißt es sehr wohl das Herz nach der Tötungstat. Diese klebrigen Fliegenfänger, die man an die Lampe hängt, sind viel brutaler, weil quälender. Vor allem, wenn man selbst dran hängen bleibt mit Händen, Haaren oder Rüschenkleid. Eine Fliegenklatsche besaß ich mal, die hatte ein wahrhaft guter Mensch produziert. In der Mitte der Klatschfläche hatte er ein Loch belassen. „Gib der Fliege eine Chance!“ war drumherum zu lesen. Ich kenne aber keine, die sie genutzt hätte. Wir sollten uns die Fliegen nicht zum Vorbild nehmen.