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Fledermäuse stoppen den Abriss

Entkernt und tot wirkt der Wohnblock im Erwin-Kramer-Ring. Weil in ihm aber schüteznswertes Leben schlummert, ist ein Baustopp verhängt worden. Es gibt Hinweise auf mehrere Fledermausquartiere.
Entkernt und tot wirkt der Wohnblock im Erwin-Kramer-Ring. Weil in ihm aber schüteznswertes Leben schlummert, ist ein Baustopp verhängt worden. Es gibt Hinweise auf mehrere Fledermausquartiere. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. In Doberlug-Kirchhain wird der Abriss eines Plattenbaus von der Naturschutzbehörde gebremst. In den Mauern gibt es Hinweise auf Fledermäuse. Deren Winterruhe ist abzuwarten. Heike Lehmann

Im Januar hat im Erwin-Kramer-Ring von Doberlug-Kirchhain der Rückbau eines ersten Plattenbaus mit 30 Wohneinheiten begonnen. Die Niemann Recycling GmbH aus Schacksdorf hat den Block entkernt. Doch jetzt geht es nicht mehr voran. "Die Platte steht seit Wochen unverändert und alles rätselt, wann es denn weiter geht und warum nichts passiert", sagt Michael Siegmann, der von 1993 bis 2007 dort gewohnt hat und im Herbst 2007 als Letzter ausgezogen ist. Informationen für die Anwohner gleich null.

"Die Baustelle ist gestoppt", erfährt die RUNDSCHAU auf Nachfrage im städtischen Bauamt. Aus Gründen des Artenschutzes, wie es heißt. Es seien Fledermausquartiere und Brutnester von Vögeln gefunden worden.

Für die Stadt Doberlug-Kirchhain ist das mehr als ärgerlich. Sie hatte Fördermittel über das Sonderprogramm Stadtumbau für kleinere Städte bekommen, um unschönen Leerstand beseitigen zu können. Mit 70 Euro pro Quadratmetern wird demnach der Abriss gefördert. Vor allem zwei Wohnblöcke im Karree Torgauer Straße/Erwin-Kramer-Ring hatte die Stadtverwaltung im Visier. Beide in privater Hand. Die Verhandlungen haben sich schwierig gestaltet. Mit der JJ Germany Immobilien GmbH konnte man sich schließlich auf den Rückbau des einen Wohnblocks mit 30 Wohnungen einigen. Ein Teilerfolg. Der Eigentümer des weitaus schlimmer anzusehenen Blockes ist nicht bereit zum Rückbau.

Fachbereichsleiterin Kerstin Stahl sagt: "Die Entkernung im Erwin-Kramer-Ring lief sehr gut an. Wir waren optimistisch, was den Bauablauf angeht, obwohl die Planung vom Bauherrn, der JJ Germany Immobilien GmbH, sehr spät in Auftrag gegeben wurde."

Fakt ist, dass die Fördermittel zum 28. Februar auslaufen. Der Termin wird nicht zu halten sein. Denn vom Landkreis Elbe-Elster ist zu erfahren, dass sich ein Gutachter aus Dresden vor Ort ein Bild gemacht hat, "weil die untere Naturschutzbehörde Fledermausquartiere im Abrissblock vermutet", sagt Torsten Hoffgaard, der Sprecher vom Landkreis. Um wie viele Tiere es sich handelt und welcher Art sie sind, könne man derzeit schwer feststellen, weil sie in der Winterruhe sind und in den Ritzen sitzen. "Man muss dafür abwarten bis zum März/April, wenn sie ihre Quartiere verlassen", so Hoffgaard. Danach könne man die Fugen verfüllen, damit sie nicht wieder angeflogen werden können. Erst dann kann der Wohnblock vollständig abgerissen werden. Zudem seien vom Bauherrn Ersatzquartiere zu schaffen. Die gleichfalls gefundenen Sperlings- und Schwalbennester seien eher weniger das Problem, weil derzeit keine Brutphase ist.

Der Abbruchtermin ist mindestens bis weit in den Frühling verschoben, heißt es bei der Stadt. Dort weiß man, wie kompliziert und kostenintensiv es für den Bauherrn werden kann, Ersatzquartiere für Fledermäuse zu schaffen. Die Kommune steht vor gleicher Aufgabe im Schlossareal.

Für die Anwohner bleiben als Ärgernis der unschöne Anblick und die eingerichtete Baustelle. "Das ist für uns direkt daneben wohnende Mieter, wie auch für alle anderen Bewohner hier natürlich nicht gerade angenehm", sagt Michael Siegmann. Die Zu- und Umstände von Bauzaun über Müll, Dreck, den Anblick bis hin zur Unsicherheit beschreibt er als unbefriedigend.