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| 16:28 Uhr

Fledermäuse durchkreuzen Baupläne

Bürgermeister Holger Gantke (l.) dankte Daniel Mende und Karla Fornoville für ihr besonderes Engagement im Jahr 2013.
Bürgermeister Holger Gantke (l.) dankte Daniel Mende und Karla Fornoville für ihr besonderes Engagement im Jahr 2013. FOTO: Heike Lehmann
Tröbitz. 2013 hat Tröbitz mehrfach überregional auf sich aufmerksam gemacht. Von der spektakulären Verabschiedung des langjährigen Schwimmmeisters Klaus Kreft mit einer Antenne-Sommernachts-Party und dem zweiten 24-Stunden-Schwimmen wurde in Rundfunk und Fernsehen berichtet. Daran erinnerte Bürgermeister Holger Gantke vor wenigen Tagen beim Neujahrsempfang. Heike Lehmann

Zum vierten Mal haben die Gemeinde Tröbitz und das Amt Elsterland zum gemeinsamen Jahresauftakt eingeladen. Gastgeber war erneut die Familie Tulowietzi in ihrem Seminarhaus.

Mit einem besonderen Dank überraschte Holger Gantke die Gemeindevertreterin Karla Fornoville und den Schönborner Bürgermeister und Veranstaltungsmanager Daniel Mende. "Karla Fornoville ist nicht nur Mutter von vier Kindern, sondern auch Mutter unseres 24-Stunden-Schwimmens, das zum zweiten Mal gemeinsam mit der Wasserwacht Falkenberg in unserem Erlebnisbad stattfand", so Gantke.

161 Teilnehmer haben 2013 eine Strecke von 1092,8 Kilometern, das entspricht in etwa der Entfernung Tröbitz - Paris, zurückgelegt. Und zu Mende bemerkte Gantke anerkennend: "Geht nicht, klappt nicht, keine Zeit - das sind Worte, die er nicht kennt. Bei der Vorbereitung der Antenne Sommernachts-Party habe ich einen tiefen Einblick in die hohe Kunst des Veranstaltungsmanagements bekommen." Mehr als 3000 Besucher konnte Tröbitz an diesem Veranstaltungswochenende begrüßen. 15 000 Besucher wurden im ganzen Jahr im Erlebnisbad gezählt. "Am Ende steht eine schwarze Null für die Gemeinde", verkündete Gantke zufrieden.

Noch einen Erfolg kann der Bürgermeister vermelden: Die Gemeinde wird Fördermittel vom Bund zum Aufbau einer jüdischen Erinnerungsstätte bekommen. Entstehen soll eine Außenausstellung mit Stelen an historischen Stätten in Tröbitz, damit sich jeder ein Bild von den Ereignissen um den "Verlorenen Transport" machen kann. Die Umsetzung sieht Gantke in den Jahren 2014/15.

"Auch unsere bestehende jüdische Ausstellung kann dank des Diakonischen Werkes jetzt jederzeit besichtigt werden. Seit 1995 war sie noch nie so würdig untergebracht wie heute in der Schule", betonte der Bürgermeister. Ein 20-minütiger Beitrag im niederländischen Staatsfernsehen über den "Verlorenen Transport" in Tröbitz habe im vergangenen Jahr einen Besucherboom aus Holland ausgelöst. Amtsdirektor Dommaschk blickte voraus ins Jahr 2015. "70 Jahre nach dem Verlorenen Transport soll es dann eine größere Gedenkveranstaltung in würdigem Rahmen mit hochrangigen Gästen geben."

Den gerade mal 29 800 Euro für Reparaturen und Instandhaltung in der Gemeinde im vergangenen Jahr werden 2014 Investitionen von 754 000 Euro gegenüberstehen - für den "Verlorenen Transport", das Schwimmbad und die Sporthalle, die dringend saniert werden muss. Um dafür Fördermittel beantragen zu können, hat die Gemeinde in den sauren Apfel gebissen und die Grundsteuer angehoben. "Dennoch blieb der Finanzrahmen eng - also haben wir uns zu weiteren Eigenleistungen bekannt", so der Bürgermeister. Um so ärgerlicher sei für ihn, dass die Pläne jetzt von Fledermäusen, die die untere Naturschutzbehörde im Turnhallendach entdeckt hat, durchkreuzt werden. Ein Umsiedlungsprojekt für die Tiere muss erarbeitet werden und wird zusätzliche 10 000 Euro kosten. "Für dieses Geld hätten wir unseren Kindern lieber ein Sportgerät gekauft", spitzte Gantke zu.

Amtsdirektor Andreas Dommaschk dazu: "Augen zu und durch. Das Geld ist bewilligt, reicht aber nicht. Ein Nachschlag ist beantragt und ich denke, man wird uns nicht im Regen stehen lassen." Ende Februar könnte endlich der Innenausbau starten.

In Rückersdorf wird am Konzept für die Kita gefeilt. Zum 1. Januar 2014 hat die Gemeinde auch die Trägerschaft für das Mehrgenerationenhaus übernommen. Bürgermeister Wilfried Büchner begründet: "Wenn Kita und Mehrgenerationenhaus schon unter einem Dach sind, ist es besser, sie sind auch in einer Hand, um sie komplex weiterzuentwickeln."

Amtsdirektor Dommaschk ging auch auf die in Gang kommende Diskussion zu einer Kommunalreform ein und sagte: "Wir werden erst einmal die Kommunal- und Landtagswahlen abwarten. Erste Gespräche gab es schon, aber unsere Gemeinden wollen so lange wie möglich eigenständig bleiben, um die Dinge besser beeinflussen zu können." Ziel sollte es sein, die Verwaltung als Hauptsitz oder Außenstelle für den Bürger so lange wie möglich zu erhalten, so der Amtsdirektor, der im nächsten Monat auf die erste Hälfte seiner Amtszeit zurückblicken kann.