„Wir legen die Kleine Elster teilweise in ihre alten Arme, die einen wesentlich kleineren Querschnitt haben. Und durch die längeren Wege wird das Wasser, dass in unserer Gegend zunehmend knapper wird, länger gehalten“ , argumentiert Dr. Rein hard Möckel von der Gesellschaft für Montan- und Bautechnik Senftenberg, die gemeinsam mit der Bad Liebenwerdaer Ingenieurgemeinschaft WTU für die Planung des Renaturierungsprojektes verantwortlich ist.
Zum größten Teil seien die Folgen des Bergbaus Ursache für den Wassermangel in der Region, hat Dr. Reinhard Möckel herausgefunden. Da nach und nach immer mehr Bergbau-Pumpen ausgeschaltet werden, fließt weniger Wasser. Dazu kommen das Füllen der großen Absenkungstrichter und die, statistisch gesehen, geringer werdenden Niederschläge. So bleibt am Ende weniger Wasser für den einst begradigten Lauf der Kleinen Elster. Am Pegel Schadewitz könne das nachgewiesen werden: „Der Durchfluss von 2,5 Kubikmeter ist jetzt auf etwa 1,5 Kubikmeter gesunken“ , so Dr. Möckel.
Diese Situation sei der Anlass für den NaturSchutzFonds gewesen, ein Projekt für die Renaturierung auszuarbeiten, erklärte Eva Sieper-Ibsen bei der Projektvorstellung am Donnerstagabend im Rathaus von Doberlug-Kirchhain. Und hinzu sei der glückliche Umstand gekommen, dass Geld aus EU-Töpfen bereit steht.
Das Gesamtvorhaben, sieben Flussschleifen an vier Standorten wieder herzustellen, kostet 700 000 Euro. 75 Prozent davon kommen aus dem Efre-Fonds, 25 Prozent steuert der NaturSchutzFonds Brandenburg bei, erläuterte Eva Sieper-Ibsen.

Zwei Abschnitte betroffen
Im Gebiet um Doberlug-Kirchhain sind zwei Abschnitte von der Renaturierung betroffen, informierte die Mitarbeiterin des NaturSchutzFonds. An der Lindenaer Mühle und am Schönborner Mühlgraben. „Die Fische können das Wehr an der Lindenaer Mühle nicht überwinden. Deshalb planen wir dort über den Umfluter eine Fischtreppe anzulegen, damit sich die Populationen austauschen können“ , erläuterte Dr. Möckel. Am Schönborner Mühlgraben soll der jetzige Flusslauf gesperrt und das Wasser in den Altarm gedrückt werden. Dazu werde der Deich geöffnet, erklärte Dr. Möckel. Gleichzeitig versicherte er, dass die alten breiten Flussläufe für Hochwassersituationen be stehen bleiben.
Darüber hinaus sind in Maasdorf und nördlich von Maasdorf, am so genannten Heiligen Hain, Umverlegungen vorgesehen.
„Bisher seien die Mitarbeiter des NaturSchutzFonds mit ihren Plänen auf offene Ohren gestoßen“ , erklärte Eva Sieper-Ibsen. Die Kommunen zögen mit, die Landwirte hätten in Gesprächen keine Einwände gehabt, erläuterte sie. Der Bürgermeister von Doberlug-Kirchhain Bodo Broszinski kann sich mit dem Projekt ebenfalls anfreunden. „Die Veränderung des Wasserhaushaltes ist unstrittig und solche Maßnahmen notwendig“ , erklärte er. Allerdings müssten in Zeiten knapper Kassen solche Vorhaben auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden.

Eile ist geboten
Ähnlich sieht es auch der NaturSchutzFonds, der sich aber besonders darüber freut, dass jetzt diese Mittel zur Verfügung stehen. Allerdings ist Eile geboten. Das Vorhaben müsse zügig vorangetrieben werden, sonst stehen die Mittel nicht mehr zur Verfügung. Das bedeute, die Renaturierungsmaßnahmen müssen im Herbst/Winter 2006 umgesetzt werden. Ansonsten seien die Fördermittel weg, verdeutlichte Eva Sieper-Ibsen. Gleichzeitig stellte sie für das 700 000-Euro-Vorhaben Aufträge für regionale Firmen in Aussicht.

Hintergrund Trockene Quellen
 Die prekäre Situation der Kleinen Elster ist durch den Bergbau im Umfeld ihrer Quellgebiete (Lugbecken und Rochauer Heide) verursacht worden. Die Entwässerungstrichter der Tagebaue haben dort den Grundwasserspiegel sinken lassen, so dass der Fluss aus seinen Quellen kaum noch mit Wasser gespeist wird. Auch die Flutung der Tagebaue wird, so der Hydrologe Dr. Reinhard Möckel, daran nichts ändern. Hinzu kommt, dass das verbreiterte und begradigte Flussbett das Wasser zu schnell ableitet. „Die Kleine Elster ist heute zum Teil viermal breiter als es zur Abführung des ursprünglich zur Verfügung stehenden Wassers nötig wäre“ , so Möckel.