| 16:35 Uhr

Mit der Musik in die Welt
Lara brilliert an Uni in Estland

Lara Löser hat die Aufnahmeprüfung für ein Musikstudium  an der Uni in Tartu in Estland bestanden. Doch zuvor steht das Abi am Finsterwalder Sängerstadt-Gymnasium an. Für die RUNDSCHAU setzte sich Mutti Kerstin ausnahmsweise mal als Zuhörerin an den Wohnzimmertisch. Normalerweise ist Lara beim Üben gern ungestört.  
Lara Löser hat die Aufnahmeprüfung für ein Musikstudium  an der Uni in Tartu in Estland bestanden. Doch zuvor steht das Abi am Finsterwalder Sängerstadt-Gymnasium an. Für die RUNDSCHAU setzte sich Mutti Kerstin ausnahmsweise mal als Zuhörerin an den Wohnzimmertisch. Normalerweise ist Lara beim Üben gern ungestört.   FOTO: Böttcher / LR
Finsterwalde. Sie liebt und lebt die Musik. Die 18-jährige Lara Löser aus Finsterwalde hat die Aufnahmeprüfung an der Tartu Heino Elleri nimeline muusikakool in Estland bestanden. Grund zum Stolz für Familie, ihren Lehrer Nassib Ahmadieh und die Kreismusikschule „Gebrüder Graun“. Von Gabi Böttcher

Mit der Finsterwalder Gymnasiastin Lara Löser zu sprechen, ist ein großes Vergnügen. Da mischen sich Intelligenz und Zartheit in Wesen und Erscheinung mit Riesen-Portionen von Leidenschaft und Energie. „Sie ist sehr willensstark, diszipliniert und zielorientiert“, bestätigt Mutti Kerstin. Um zu konstatieren: „Wir als Eltern sind es gewohnt, bei Lara nur begleitend unterwegs zu sein.“ So habe sie mit ihrer Entscheidung für das Cello als Instrument ihrer ersten Wahl überrascht.

Laras musikalisches Talent und der Drang, dieses auszudrücken, offenbarte sich den Eltern schon, als die Tochter gerade laufen konnte. Über die musikalische Früherziehung bis zum heute intensiven Unterricht beim renommierten Musiker und Cello-Lehrer an der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“, Nassib Ahmadieh, nahm die Musik in Laras und im Leben der Familie einen immer größeren Raum ein. Selbst in den Urlaub reist das Cello im Camper mit und bei Flugreisen bekommt es einen eigenen Sitzplatz.

Einen Quantensprung in Laras musikalischer Entwicklung und Lebensplanung bedeutete ihr zehnmonatiger Aufenthalt an eben jener Universität in Estland, an der sie im September kommenden Jahres ihr Studium antreten will. Ein Austauschjahr, unterstützt von der Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“, führte die Finsterwalderin an die diese Universität. Dass sie dort bereits nach drei Monaten so überzeugen konnte, dass sie während ihres Austauschjahres ein Stipendium erhielt, sei für sie überraschend gewesen, aber zugleich Ausdruck der Wertschätzung für ihre Leistungen.

Umgeben zu sein von Menschen, die die Leidenschaft für die Musik und der Wunsch nach einem Leben mit der Musik eint, habe sie als „total wohltuend“ empfunden. „Da habe ich gespürt, dass es das ist, was ich machen möchte“, erzählt Lara und lässt spüren, wie sie in Gedanken in Tartu ist. Die während ihres Austauschjahres erlernte Sprache, die als eine der schwierigsten weltweit gilt, und ihre Gasteltern Sille und Talis, die ebenfalls an besagter Uni studiert hatten, gaben ihr Sicherheit im fremden Land.

Kerstin Löser: „Als mein Mann recherchiert hatte, dass wir im Notfall mit dem Auto in zehn Stunden in Tartu sein könnten und mit dem Flugzeug natürlich noch schneller und weil wir wissen, dass Lara die Sprache beherrscht und sich wohlfühlt in Tartu, sind auch wir beruhigt.“ Bei einem Besuch im Sommer in Estland hätten sie das Land als sehr dynamisch und aufstrebend erlebt. Mutti Kerstin räumt ein, seit jeher damit zu tun zu haben, „bei Laras Tempo hinterherzukommen“.

Ihr Lehrer Nassib Ahmadie lobt: „Laras starke Persönlichkeit hilft ihr, ein gutes Niveau auf die Bühne zu bringen. Am Instrument beherrscht sie mittlerweile ein stabiles und solides technisches Fundament, was ihr bald Zugang zu einem höheren und professionellen Ausdruck in der Musik ermöglichen wird. Der Studienplatz in Estland ist eine Auszeichnung für sie. Estland verfügt über eine sehr gute Schule für Streichinstrumente.“ Dennoch bedauert es Nassib Ahmadie, dass Lara ihr Studium nicht in Deutschland beginnt. Sie sei seine erste Schülerin, die die Musik als Beruf anstrebe. Das sei für ihn ein großes Kompliment.

Doch was ein Studium in Deutschland angeht, scheint der Zug noch nicht endgültig abgefahren. Lara hält sich die Option offen, auch hier Aufnahmeprüfungen zu absolvieren. Und sei es als Training, ihre Leistung auf den Punkt abzurufen. „Ich bin noch lange nicht auf dem Level, wo ich mit mir zufrieden wäre“, sagt die 18-Jährige. Am liebsten würde sie 24 Stunden am Tag auf ihrem Cello spielen. Wie eine gute Freundin trägt es einen Namen – Friederika.

Nach ihren Lieblingskomponisten befragt, nennt Lara Schostakowitsch. Dessen Cello-Sonate war auch Teil ihrer Aufnahmeprüfung in Estland. Darüber hinaus liebt sie Komponisten der romantischen Epoche. „Es geht mir sehr gut dabei, mich in die Gefühle der Musik dieser Epoche hineinzuversetzen“, erklärt Lara. Was für sie nach anstrengendem Büffeln fürs Abitur und anschließendem Musikunterricht zur Entspannung beitrage? „Ich entspanne, wenn ich etwas geschafft habe, wenn ich das Gefühl habe, besser geworden zu sein. Und wenn ich denke, dass der Komponist stolz auf mich sein könnte“, sagt die leidenschaftliche Cellistin.

Von ihrem neuen Cello, ein sogenanntes Master Cello, schwärmt sie: „Es ist ein Genuss, wie sich der Ton im Raum ausbreitet, der Klang ist total toll.“

Für dieses Jahr hat Lara mit ihrem Spiel beim Weihnachtsoratorium in Schlieben den i-Punkt auf ihre öffentlichen Auftritte gesetzt. Der Familie mit ihrer 16-jährigen Schwester (und Handballerin) Anna-Lea, Mutter Kerstin und Vater René sowie den beiden Omas dürfte jedoch noch einer der seltenen Momente des Vorspieles vergönnt sein. Ein Weihnachtsgeschenk, das Lara ihrer Familie wirklich ganz exklusiv machen kann.