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| 01:08 Uhr

Finsterwalder zeigten Zivilcourage

Finsterwalde.. Ines Fiolek ist noch angespannt. Heidrun Seidel

Diese aufregenden Stunden vor ein paar Tagen wird sie so schnell nicht vergessen: Als sie sich am Freitagnachmittag liebevoll der Blumenpflege auf dem Grab ihres Bruders auf dem Friedhof in der Sonnewalder Straße widmete, wurde sie in ihrer Besinnlichkeit aufgeschreckt. „Ich bemerkte, wie ein junger Mann über den Friedhof rennt. So etwas macht man nicht, da habe ich hingeschaut und gesehen, wie er etwas unter dem Shirt verborgen hielt.“ Und sogleich bemerkte sie auch unweit eine ältere Frau, die ganz aufgeregt um sich suchte und eilte ihr zu Hilfe. Schließlich stellte sich heraus, dass der älteren Frau die Handtasche gestohlen worden war, und die beiden Frauen eilten dem Dieb hinterher. Der wollte schließlich über einen Zaun fliehen, ahnte aber nicht, dass dort Mark Ockert stand. Der junge Familienvater packte den Fliehenden zunächst nur, weil der bei seinem kühnen Sprung den Zaun zerstörte. Mandy Teichmann aus der Nachbarschaft hatte alles vom Fenster aus beobachtet und die Polizei gerufen.
„Perfekte Teamarbeit“ , lobt Polizeirat Sven Bogacz das eher zufällige Zusammenarbeiten der drei Finsterwalder und: „So viel Zivilcourage verdient öffentliche Anerkennung“ . Denn viele gucken lieber weg, wenn in ihrer Nähe etwas passiert „Stimmt“ , bestätigt Ines Filoek. „Auf dem Friedhof war es auch so.“ Die leidenschaftliche Krankenschwester, die derzeit ohne Job ist, fühlt aber mit den Betroffenen. „So ein Erlebnis werden gerade ältere Menschen kaum noch los.“ „Und dann trauen sie sich nicht mehr raus, werden immer isolierter“ , ergänzt Polizeisprecherin Ines Filohn die Erfahrungen, die Verbrechensopfer machen.
Doch die drei Couragierten zeigten: Es geht auch anders. Beherztes Eingreifen - da genügt meist der Anruf bei der Polizei - hilft den Opfern, fördert die öffentliche Sicherheit - und zeigt den Tätern ihre Grenzen. Gerade bei solchen Früchtchen, wie es der vermutliche Handtaschendieb und seine Freundin sind, muss die Gesellschaft reagieren. Immerhin sind die beiden erst 15 und 14 Jahre alt. „Und sie hatten anscheinend schon Polizeierfahrung“ , ahnt Mark Ockert. Der zupackende Sparkassenangestellte schließt das aus den betont coolen Äußerungen, die der Junge gemacht hat. Dazu äußert sich die Polizei noch nicht, sie ermittelt noch.
Doch auch ohne vorgelegtes Sündenregister der Jugendlichen - den drei Finsterwaldern gebührt Dank. Und den bekamen sie schon drei Tage nach ihrer mutigen Tat. Eine Rose und ein Buch als Dankeschön werden sie daran erinnern.