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Finsterwalder verschenkt Lebenswerk

Bernd Tilgner verschenkt 55 Floßmodelle, darunter das von der berühmten Kon-Tiki (rechts im Bild).
Bernd Tilgner verschenkt 55 Floßmodelle, darunter das von der berühmten Kon-Tiki (rechts im Bild). FOTO: Dieter Babbe/dbe1
Finsterwalde. Beinahe 300 Flugzeuge, weit über 30 Schiffe und mehr als 60 Flöße hat Bernd Tilgner in seinem Leben gebaut. Der Finsterwalder gilt als einer der erfolgreichsten Modellbauer in der DDR – der jetzt wieder für Schlagzeilen sorgt. Dieter Babbe / dbe1

Als Mitglied der Nationalmannschaft holte er mit seinen Modellen Edelmetall sogar bei Welt- und Europameisterschaften in Italien und Belgien - zu denen er, weil kein Reisekader, selbst nicht fahren konnte. Auch nach der Wende macht der heute 64-Jährige, der seit seinem 13. Lebensjahr bastelt, weiter von sich reden. So baute Tilgner sämtliche 30 deutschen und sowjetischen Flugzeugtypen, die auf dem früheren Finsterwalder Militärflugplatz stationiert waren, nach. Unter seinen geschickten Händen entstand zudem ein riesiges Segelschiff - mit über drei Metern Länge eins der größten Modelle in Deutschland.

Doch für Aufsehen in der Fachwelt sorgte der Finsterwalder bis heute vor allem mit seinen Flößen. Als Erster baute er die berühmt gewordene Kon-Tiki nach, ein Floß aus Balsaholz, mit dem der norwegische Forscher Thor Heyerdahl 1947 über den Pazifik segelte, um zu beweisen, dass die Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus möglich war. Im engen brieflichen Kontakt zu Heyerdahl entstanden weitere, original nachgebaute Flöße auch von anderen Expeditionen. Als seine Floßmodelle es 1975 bis auf die Titelseite der Fachzeitschrift "Modellbau heute" schafften, war Bernd Tilgner der anerkannte Floßspezialist. "Seit fast 40 Jahren bereits stehen meine Modelle von der Kon-Tiki sowie der Ra1 und Ra2 im Rostocker Schifffahrtsmuseum. Ich habe sie kürzlich besucht", berichtet Bernd Tilgner.

Jetzt erfährt der leidenschaftliche Modellbauer aus der Sängerstadt eine erneute Würdigung. 55 seiner bekannten nachgebauten Flöße von verschiedenen Expeditionen finden einen würdigen Platz. Das Kon-Tiki-Museum in Oslo hat Interesse an seiner Floßsammlung angemeldet. "Künftig wird mein Modell von der Kon-Tiki neben dem Original stehen", freut sich Bernd Tilgner - der einen wichtigen Teil seines Lebenswerkes in Oslo gut aufgehoben sieht: "Das ist nicht nur ein weltweit berühmtes Museum, sondern auch eine erste Adresse für Wissenschaftler."

Neun Transportkisten wird Bernd Tilgner jetzt bauen, um seine Flöße gut und sicher verstauen zu können. Im Juni soll sein Geschenk an das Museum von Finsterwalde in die norwegische Hauptstadt auf Reisen gehen.