Ein vorliegendes Gutachten bescheinige, dass die Stadtwerke wirtschaftlich in der Lage seien, die beiden städtischen Bäder zu übernehmen. Auf dieser Grundlage, so Kämmerin Anja Zajic, wird die Schwimmhalle mit einem Verkehrswert von 1,5 Millionen Euro kostenlos und das Schwimmstadion für einen Euro übertragen. Dem stimmten 25 Abgeordnete bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung zu.

Keine Alternative gesehen

„Auch für mich gibt es keine Alternative zur Übertragung der Bäder. Stadtwerke dürften besser in der Lage sein, Bäder zu führen, als eine Verwaltung“, ist auch Rainer Böhmchen (Bürger für Finsterwalde) überzeugt. „Doch bewiesen ist das für mich noch nicht“, kritisierte er die Art der Beschlussvorbereitung, die Fragen offen lasse – eine Ansicht, der sich auch Dr. Hans-Peter Jaskulla (FDP) anschloss. So sei unklar, wie die Stadtwerke angesichts ihrer geplanten umfangreichen Investitionen den Bäderbetrieb finanziell stemmen wollen. Keine Aussage gebe es zum Sanierungsbedarf im Freibad. Auch hätte er er sich eine Stellungnahme des Aufsichtsrates gewünscht. Die Stadt habe bisher jährlich etwa eine Million Euro in die beiden Bäder gesteckt – „das ist in etwa die Höhe des Gewinns der Stadtwerke. Das heißt, der Gewinn wird künftig von den Bädern, die nur eine begrenzte Anzahl von Bürgern nutzen, aufgebraucht und kommt nicht allen zugute.“ Damit entfalle auch, dass Teile des Gewinnes der Stadtwerke, wie in den vergangenen Jahren, der Stadtkasse zugute kommen.

Dieses Geld der Stadtwerke habe die Stadt ohnehin bisher komplett in die Bäder gesteckt, hält Rainer Genilke (CDU) dagegen. „Wir haben jetzt den Vorteil, keine 120 000 Euro Kapitalertragssteuer mehr zahlen zu müssen, die angefallen ist, wenn Gewinn der Stadtwerke an die Stadt geht.“ Hinzu komme, dass sich die Stadt weiterhin an den Kosten der Bäder beteilige. So werden jährlich 270 000 Euro übernommen, die durch das Schul- und das ermäßigte Vereinsschwimmen anfallen. „Wir als Stadt werden die Stadtwerke auch nicht alleine lassen, wenn das marode Freibad für Überraschungen sorgt und hier Großinvestitionen notwendig werden“, versichert Genilke – jedenfalls für seine Fraktion. Mit den Gewinnen der Stadtwerke die beiden Bäder zu erhalten sehe er als gut angelegtes Geld.

Sorge vor Preiserhöhung

Bereits in der Bürgerfragestunde äußerte allerdings Siegfried Richter als Sprecher der Sportvereine seine Sorge, unter der Regie der Stadtwerke könnten die Eintrittspreise, auf die Stadtverordnete künftig keinen Einfluss mehr haben, deutlich ansteigen. Diese Gefahr sehe er nicht, erklärte Bürgermeister Jörg Gampe (CDU). „Es wird nur dann Preisveränderungen geben, wenn wir in den Bädern die Attraktivität erhöhen und dem Bürger einen messbaren Mehrwert anbieten“, versichert Geschäftsführer Günther Falkenhahn auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Für das Freibad sieht er einen aktuellen Investitionsbedarf „im niedrigen sechsstelligen Bereich“, um es für die Saison 2012 fit zu machen. „Wir wollen bei der alten Sportstätte nichts übers Knie brechen, sondern die Investitionen über fünf, sechs Jahre strecken“, erklärt der Geschäftsführer. Die sechs derzeitigen Bäderangestellten der Stadt würden übernommen – „insgesamt bauen wir bei den Stadtwerken aber Personal ab“, kündigt Falkenhahn an.